DAX: Das ist schon enttäuschend!

Es bleibt dabei: Mit dem DAX ist weiterhin kein „Staat“ zu machen. Die Wall Street eilt ihm einmal mehr davon. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

An der Wall Street zogen die Aktienkurse gestern kräftig an.

Auch wenn das für die Trump-Gegner eine unangenehme Wahrheit darstellt: Die Marktteilnehmer honorierten damit den für den US-Präsidenten unerwartet erfreulichen Ausgang der Wahlen zum Senat und Repräsentantenhaus.

Die amerikanischen Indizes schnellten um durchschnittlich gute +2% in die Höhe. Und was macht der DAX aus dieser Vorlage heute Morgen?

Er büßt zur Stunde, während ich diese Zeilen verfasse, -0,8% an Wert ein! Indes:

Das „passt ins Bild“, wie Sie gleich noch sehen werden. Wir schauen heute auf die aktuelle DAX-Lage und auf einen hoch interessanten Vergleich mit seinem US-Pendant.

DAX: Aufwärtstrend aus 2009 ist zerbröselt

Verschaffen wir uns  zunächst einen Überblick über die langfristige Chart-Konstellation des deutschen Leitindex:

DAX: Aufwärtstrend aus 2009 ist klar gebrochen

Sie sehen es selbst: Der einzige noch intakte Aufwärtstrend ist der aus dem Jahr 2003. Im Oktober 2018 hat der DAX nicht nur die massive Unterstützung bei 11.800 unterboten, sondern auch den im Jahr 2009 etablierten Aufwärtstrend.

Dow Jones: Der krasse Gegensatz

Damit steht der deutsche Leitindex im krassen Gegensatz zum Dow Jones:

Dow Jones: Sogar der jüngste Aufwärtstrend wurde soeben „geheilt“

Der Index ist von einem Bruch des 2009er-Aufwärtstrends „meilenweit“ entfernt. Noch besser:

Mit der gestrigen Rallye wurde sogar der Bruch des 2016er-Aufwärtstrends wieder „geheilt“. Der Dow Jones notiert nun wieder oberhalb dieser Trendlinie!

Dow Jones eilt dem DAX seit 16 Monaten davon

Noch eindrucksvoller wird diese Relative Stärke des US-Leitindex im nachfolgenden Chart. Hier wird der Dow Jones dem DAX direkt gegenüber gestellt.

Da bei der Überlagerung zweier Märkte nicht immer deutlich ein Sieger auszumachen ist, stellt uns die Charttechnik ein exzellentes Werkzeug dafür zur Verfügung: Den Spread.

Dabei wird der Schlusskurs eines Marktes durch den anderen dividiert, das Resultat mit 100 multipliziert und die Ergebnisse börsentäglich fortgeschrieben. Schauen wir uns das in der nächsten Grafik einmal gemeinsam an:

Was Ihnen der DAX-Chart derzeit offenbartUm die künftige Tendenz im DAX richtig einschätzen zu können, lohnt sich der Blick auf einen historischen Chart. › mehr lesen

Dow Jones vs. DAX: Die Wall Street ist klarer Vergleichssieger

Ich habe Ihnen die Funktionsweise des Spreads im Chart beispielhaft dargestellt: Steigt die Verlaufskurve, dann entwickelt sich der Dow Jones besser als der DAX. Bei einem fallenden Spread hat der deutsche Index die Nase vorn.

Von 2011 bis zum Sommer des Jahres 2016 lief es für den DAX tendenziell besser: Das dokumentiert der violette Abwärtstrend-Kanal.

Etwa 1 Jahr lang war die Lage danach dann unscharf: Der Indikator pendelte entlang der Abwärtstrendlinie.

Seit dem Sommer 2017 hat sich dieses Bild jedoch grundlegend gewandelt: Der Spread strebt kräftig aufwärts und dokumentiert damit eine zunehmende Relative Stärke des Dow Jones.

Seit September dieses Jahres hat der Spread sogar noch einmal beschleunigt.

Kaum Positives aus aktueller Sicht

Blicken wir zum Abschluss noch auf einen Tages-Chart des DAX, um das Bild abzurunden:

DAX: Großinvestoren bleiben weiter „reserviert“

Das Beste, was sich zum DAX aktuell sagen lässt: Ihm ist die Rückkehr in den Abwärtstrend-Kanal gelungen. Das war’s aber auch schon.

Das On-Balance-Volumen zeigt Ihnen die bittere Wahrheit: Der jüngste Aufschwung hat nicht ausgereicht, um den Großinvestoren-Indikator in den zuvor verlassenen Aufwärtstrend zurückkehren zu lassen.

Fazit

Nicht nur die Reaktion am heutigen Vormittag zeigt Ihnen: Der DAX hinkt dem Dow Jones hinterher. Und das sogar meilenweit:

Der Spread zwischen Dow Jones und DAX offenbart, dass der US-Leitindex seit dem Sommer 2017 eine zunehmende Relative Stärke demonstriert. Die hat sich seit September sogar noch einmal beschleunigt. Das heißt:

Ein Investor, der in den letzten 16 Monaten auf den DAX statt auf US-Aktien gesetzt hat, verlor gleich doppelt:

Er machte mit dem DAX Verluste und versäumte die Gewinne an der Wall Street!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.