DAX: Der Juni liegt bislang voll im Trend

Gibt es an den Börsen tatsächlich Zyklen, die sich wiederholen?

Gewiss gibt es sie! Und Börsenzyklen können Sie sogar dabei unterstützen, Ihre Investment-Performance zu verbessern. Immer? Nicht immer. Aber öfter als man denkt.

Was genau sind Börsenzyklen?

Nun, mit einem prominenten Beispiel haben Sie jahrein, jahraus zu tun: Die 4 Jahreszeiten. Wir haben praktisch unser komplettes Leben darauf ausgerichtet.

Selbstverständlich folgt auf den Sommer der Herbst, darauf der Winter, darauf der Frühling. Und dann beginnt dieser Zyklus mit dem Sommer wieder aufs Neue. Jahr für Jahr.

Sie wissen, dass es im Winter kalt und im Sommer warm ist. Sie wissen, dass im Sommer die Tage länger sind als im Winter.

Im Sommer erreichen die Temperaturen in der Regel ihr höchstes Niveau und die Sonne scheint am häufigsten.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen von der Regel: Nach einem kalten und verregneten Sommer 1974 war der Rudi Carell-Song „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?“ im Jahr darauf der Gassenhauer schlechthin.

Aus diesen Saisonalitäten leiten Sie viele Dinge für Ihr tägliches Leben ab:

So bereiten Sie sich beispielsweise kleidungstechnisch auf die unterschiedlichen Temperaturen der Jahreszeiten vor. Wir wissen aufgrund der Zyklen auch, zu welcher Jahreszeit wir das Saatgut in die Erde einbringen müssen und wann wir mit der Ernte rechnen können.

Auch die Börse hat ihre saisonalen Eigenheiten

Derartige Saisonalitäten finden Sie auch an den Börsen. Kurse werden beispielsweise beeinflusst durch die Bilanz- oder Quartalsberichtssaison, in denen die Geschäftsberichte bzw. Quartalszahlen der Aktiengesellschaften veröffentlicht werden

Die Urlaubssaison, in der viele Marktteilnehmer in den Ferien sind und nicht aktiv handeln, hat ebenfalls Einfluss auf das Marktgeschehen.

Die Jahresmitte und noch mehr der Jahreswechsel sind extrem beliebte Fälligkeitstermine für Anleihen: Entsprechend stellt sich vielen Investoren zu diesen Terminen die Frage, wo und wie sie fortan investieren sollen.

Fonds und Vermögensverwaltungen bereinigen ihre Portfolios vor anstehenden Jahres- und Halbjahresberichten, um ihren Investoren ein möglichst erfreuliches Bild vorzugaukeln.

Mit den Börsen-„Jahreszeiten“ leben

In meiner privaten Datenbank werte ich seit Februar 1960 die (vor dem 31. Dezember 1987 zurückgerechneten) monatliche Entwicklung des DAX aus. Aus den Schlussständen am Monatsultimo wird so die Performance jedes einzelnen Kalendermonats ermittelt.

Die so errechneten Performances werte ich anschließend bezüglich der Durchschnittszahlen aus. Auf diese Weise wird nicht nur die unterschiedliche Entwicklung jedes einzelnen Kalendermonats ersichtlich. Ich gelange auch zu Wahrscheinlichkeiten, welche Monate sich gut für Investments in DAX-Aktien eignen und welche weniger.

Der Mai 2016 entsprach nicht den Erwartungen

Ein Blick in meine Datenbank verrät mir beispielsweise, dass der Monat Mai einem DAX-Investor die viertschlechteste Wahrscheinlichkeit für eine positive Entwicklung bot:

  • In den vergangenen 57 Jahren brachte der Mai 30x eine positive Performance und 27x eine negative.
  • Hätten Sie ausschließlich im Mai in den DAX investiert, so hätten Sie kümmerliche +4,66% Plus erzielt. Das entspricht einer Monatsrendite von 0,08%.
  • Den beste Mai für DAX-Anleger gab es im Jahr 1963: +14,7% legte der deutsche Leitindex damals zu. Ein Jahr zuvor musste der DAX allerdings den bislang übelsten Mai mit einem Minus von -10,71% verkraften.
  • Mit einem Plus von +2,23% entsprach der diesjährige Mai also nicht der Saisonalität, die wir erwarten konnten.

Juni bislang voll im Trend

Ganz anders der Juni: Stand gestern Abend hatte der DAX im laufenden Monat schon mehr als -7% eingebüßt. Das passt zu – bislang – zu den Erkenntnissen aus meiner Datenbank:

Der Juni hat mit 46,43% nach dem September die zweitgeringste Wahrscheinlichkeit für einen positiven Verlauf. Dazu gesellt sich die drittschlechteste Durchschnittsperformance aller Kalendermonate von +0,03%.

Freuen Sie sich: Der Juli wird besser!

Für den Monat Juni liegen wir mithin also „voll im statistischen Trend“. Doch es gibt Grund für Optimismus:

Sie erinnern sich? Jahresmitte und Fälligkeitstermin? Der Monat Juli hat die fünfthöchste Wahrscheinlichkeit für eine positive Bilanz und erbrachte im Durchschnitt der vergangenen 56 Jahre ein Plus von +1,26% (Rang 5 unter allen Kalendermonaten)!

15. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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