DAX: Deutsche Aktien ganz objektiv analysiert

Tagelinien ermöglichen Ihnen eine objektive Analyse von Charts. Börsen-Experte Andreas Sommer zeigt Ihnen hier (s)eine Herangehensweise: (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Wenn Sie meine Beiträge schon über einen längeren Zeitraum lesen, dann kennen Sie mich als einen Analysten, der seine Einschätzungen ausschließlich an den Bewegungen der Finanzmärkte orientiert.

Der Vorteil: Meine Analysen sind nicht subjektiv, sondern objektiv. Das ist in der Marktanalyse ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn:

Der Vorteil einer objektiven Analyse

Nicht wenige Marktteilnehmer bilden sich aufgrund nicht-charttechnischer Einflüsse eine Meinung darüber, wie sich der Aktienmarkt entwickeln wird.

Anschließend wird das Börsen-Geschehen mittels Charttechnik dann auf Hinweise und Argumente hin untersucht, welche die eigene Markteinschätzung stützen.

Eine solche Herangehensweise führt dann regelmäßig dazu, dass an der eigenen Einschätzung noch festgehalten wird, OBWOHL sich die Bedingungen zwischenzeitlich eigentlich geändert haben.

Ich zeige Ihnen heute eine Herangehensweise für den deutschen Aktienmarkt. Und Sie werden damit die aktuelle Richtung seiner mittel- und langfristigen Trends entdecken.

Charttechnik: Alles eine Sache der Interpretation?

Die Charttechnik ist für eine OBJEKTIVE Herangehensweise eigentlich prädestiniert. Doch sie bietet eben auch die Möglichkeit der Fehlinterpretation:

Ein gutes Beispiel dafür ist das Ziehen von Trendlinien:

Hier ist der Willkür geradezu „Tür und Tor geöffnet“. Dabei gibt es einfache Regeln, mit denen Sie Trendlinien konsistent – und damit stets „richtig“ – ziehen.

Ich werde Ihnen diese Regeln in der kommenden Woche einmal in einem separaten Beitrag vorstellen.

Die Tagelinie: Objektivität schlechthin

Das in meinen Augen „objektivste“ Werkzeug der Charttechnik ist die Tagelinie. So bezeichnen wir den Durchschnitt der Schlusskurse über einen vorgegebenen Zeitraum.

Mit jedem neuen beendeten Handelstag wird der erste Schlusskurs des betrachteten Zeitraumes durch den neuen Schlusskurs ersetzt und so der aktuelle Mittelwert berechnet.

Daher wird die Tagelinie auch gerne als „Gleitender Durchschnitt“ (GD) bezeichnet.

Neben der „einfachen“ Ermittlung des Durchschnittswertes der Schlusskurse gibt es auch noch eine gewichtete und eine exponentielle Berechnungs-Methode.

Ich mag Sie nun nicht mit der dahinter steckenden Mathematik quälen. Wichtig ist für Sie lediglich:

Sowohl der gewichtete, als auch der exponentielle Gleitende Durchschnitt messen den jüngeren Kursen in der Datenreihe ein höheres Gewicht bei.

Das führt in der Konsequenz dazu, dass diese Tagelinien etwas schneller auf Trendwechsel in der jüngeren Vergangenheit „reagieren“.

Mittel- und langfristige Signale durch Tagelinien

In meiner persönlichen Datenbank untersuche ich börsentäglich den Verlauf von 3 exponentiellen Gleitenden Durchschnitten über

  1. 20 (kurzfristiger),
  2. 50 (mittelfristiger)
  3. und 200 Tage (langfristiger Trend).

Immer dann, wenn es zwischen diesen exponentiellen Tagelinien zu Überkreuzungen kommt, werden Kauf- oder Verkaufs-Signale generiert.

Dazu gibt es 2 einfache Regeln:

  1. Überkreuzt der GD20 den GD50 von unten nach oben, dann wird ein mittelfristiges Kaufsignal generiert. Umgekehrt entsteht ein mittelfristiges Verkaufs-Signal.
  2. Überkreuzt der GD50 den GD200 von unten nach oben, dann wird ein langfristiges Kaufsignal generiert. Umgekehrt entsteht ein langfristiges Verkaufs-Signal.

Das bedeutet:

In einem intakten Aufwärtstrend bewegt sich die 20-Tage-Linie über der 50-Tage-Linie und beide verlaufen wiederum über der 200-Tage-Linie.

In einem solchen Fall befindet sich der untersuchte Markt in einem mittel- und langfristigen Kaufsignal.

„Meine“ Trend-Zyklen für 23 deutsche Indizes

In meiner Datenbank untersuche ich die 18 von der Deutsche Börse AG klassifizierten Branchen-Indizes (DAXsectors).

Hinzu kommen die 5 wichtigen Indizes DAX, MDAX, SDAX, TecDAX und der Technology All-Share Index auf diese Signale.

Ich nenne meine Auswertung „Trend-Zyklen“. Schauen wir uns das einmal gemeinsam in der nachfolgenden Tabelle an:

trendzyklen_dax-sectors_28-09-2017

Trend-Zyklen DAXsectors und 5 wichtige Marktindizes

Sie sehen: Stand Mittwoch befanden sich 21 (91%) der 23 untersuchten Indizes in einem langfristigen Kaufsignal (AUF).

Mittelfristig bewegen sich 16 (70%) der 23 untersuchten Indizes in einem mittelfristigen Kaufsignal.

Aussagekräftige Signale

Wie aussagekräftig diese Auswertung tatsächlich ist, liefern Ihnen nachfolgende Vergleichswerte:

Am 20. Februar 2016 markierte der DAX mit 8.752 Punkten den tiefsten Stand seit Oktober 2014.

Meine Trend-Zyklen zeigten damals lediglich 26% (6 von 23) langfristige Kaufsignale und 4% (1 von 23) mittelfristige Kaufsignale.

Als der DAX am 20. Juni 2017 bei 12.951 Punkten sein bis dato gültiges Allzeithoch markierte, zeigten die Trend-Zyklen diese Werte:

96% (22 von 23) langfristige Kaufsignale und 87% (20 von 23) mittelfristige Kaufsignale.

Am 29. August 2017 erreichte der DAX ein wichtiges Zwischentief bei 11.868 Zählern.

Zu diesen Zeitpunkt gab es 87% (20 von 23) langfristige – und lediglich 35% (8 von 23) mittelfristige Kaufsignale.

Fazit

Meine Analyse der Trend-Zyklen mittels exponentieller Gleitender Durchschnitte ergibt:

Während des Abwärtstrends von Mitte Juni bis Ende August 2017 war der langfristige Aufwärtstrend des deutschen Aktienmarktes zu keiner Zeit gefährdet (87% langfristige Kaufsignale).

Die Verbesserung der mittelfristigen Kaufsignale seit Ende August von 35% auf aktuell 70% dokumentiert inzwischen auch wieder einen intakten mittelfristigen Aufwärtstrend.

Und diese Einschätzung ist objektiv, weil sie ausschließlich auf Tagelinien basiert, die wiederum aus den börsentäglich neu generierten Schlusskursen ermittelt wird.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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