DAX: Die jetzt attraktiven und die uninteressanten Branchen

Die Relative-Stärke-Rangliste von Börsen-Experte Andreas Sommer zeigt Ihnen eine interessante Entwicklung, die Sie nicht versäumen sollten: (Foto: Deutsche Börse AG)

Vor 2 Wochen hatten wir zuletzt auf die DAX-Branchen geschaut.

Nach den Automobilen (DAX-Gewichtung: 13,24%) hatten auch die Aktien des Pharma- und Gesundheits-Sektors (DAX-Gewichtung: 5,81%) Schwäche gezeigt.

Zudem drohten die Chemie-Aktien nach unten abzukippen. Eine schwache Chemie-Branche wäre für den DAX 30 indes eine ernster zu nehmende Gefahr:

Immerhin wiegen Bayer, BASF und Henkel insgesamt 18,91% im DAX – das ist annähernd das Doppelte einer Gleichgewichtung im Leitindex (100% dividiert durch 30 DAX-Werte = 3,33% x 3 = 9,99%).

Wir schauen daher gleich einmal auf meine aktuelle Auswertung der DAX-Branchen.

Dann wird schnell klar, auf welche Sektoren (im DAX) Sie derzeit setzen und welche Sie besser meiden sollten; zuvor noch eine kurze Erläuterung zu meiner Tabelle.

Diesen Abschnitt können Sie natürlich überspringen, wenn Sie die Erklärung meiner bisherigen Beiträge zum Thema Relative-Stärke-Rangliste bereits kennen.

So lesen Sie meine DAXsectors-Auswertung

In meiner persönlichen Datenbank beobachte ich die 18 DAXsectors (Branchen) sowie die 4 wichtigsten Indizes der DAX-Familie:

  • DAX,
  • MDAX,
  • SDAX,
  • TecDAX

und den Technology-All-Shar-Index.

Alle 23 Märkte werden von mir ausgewertet nach (chart-)technischen Faktoren wie:

  • Momentum,
  • MACD,
  • Relativer Stärke
  • und Trend-Stärke (Lage der Kurse zu den Tagelinien).

Die Summe der dabei vergebenen Punkte zeigt den jeweiligen Marktzustands-Wert (in der Tabelle ganz links), der zwischen 0 (schlechtester) und 15 (bester) pendelt.

Zudem können Sie meiner Zusammenstellung die Relative-Stärke-Rangliste entnehmen, nach der die Branchen auch sortiert sind.

Sie zeigt Ihnen, welche Sektoren wahrscheinlich auch in den nächsten Wochen eher stärker oder eher schwächer tendieren werden.

Automobile und Pharma: Nicht wirklich verbesssert

Nun aber zu meiner Auswertung:

daxsectors_21-08-2017

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In der Relative-Stärke-Rangliste vor 14 Tagen waren die Branchen Automobile und Pharma und Gesundheit noch die Schlusslichter. Nun belegen Sie die Plätze 17 und 20.

Allerdings: Im Marktzustands-Teil sehen Sie, dass sich die Markttechnik in beiden Sektoren in derselben Zeit nicht verbessert hat.

Mit aktuell nur 2 bzw. 3 Punkten kann man bestenfalls von einer Stabilisierung sprechen.

Chemie-Sektor: Gefahr erst einmal abgewendet

Aufatmen können wir indes bei der Chemie-Branche: Der Sektor verbesserte sich im 14-Tages-Vergleich in der Rangliste von Platz 19 auf 11.

Der Marktzustand weist nun 7 Punkte auf – ist mithin annähernd neutral. Somit haben Sie einen Faktor, warum sich der DAX in den letzten 2 Wochen etwas stabilisieren konnte.

Banken und Energieversorger gehen inzwischen getrennte Wege

2 Branchen waren im letzten Jahrzehnt die ganz großen Verlierer im DAX: Banken und Energieversorger. Hier hat sich inzwischen eine erstaunliche Veränderung ergeben:

Die Banken bilden derzeit, wie so oft in der Vergangenheit, das Schlusslicht im Relative-Stärke-Vergleich. Die Energieversorger hingegen haben inzwischen die Führungs-Position inne.

Besonders eklatant ist der Unterschied beim Marktzustand:

Mit 14 (von 15 möglichen) Punkten besitzt der Sektor den höchsten Wert aller 23 Märkte und zudem eine fast optimale Charttechnik.

RWE: Brisante Charttechnik

Daher schauen wir zum Abschluss noch einmal auf die RWE-Aktie. Der Chart macht deutlich, welche Brisanz in diesem DAX-Titel gerade steckt:

rwe_21-08-2017

RWE: Der RSI generierte schon im März 2017 ein langfristiges Kaufsignal.

Im Kurs-Teil des Charts sehen Sie, dass die RWE-Aktie sich zurzeit anschickt, den seit Januar 2008 bestehenden Abwärtstrend nach oben zu durchbrechen (gelber Kreis).

Noch interessanter ist indes der untere Chartteil:

Ich habe Ihnen in meinen Chartanalyse-Trends-Beiträgen schon mehrfach den 14-Monats-Relative Stärke-Index (RSI) als exzellenten Frühindikator vorgestellt.

Dieser Rolle wurde er bei RWE einmal mehr gerecht:

Der grüne vertikale Balken dokumentiert, dass bereits im März dieses Jahres ein Kaufsignal generiert wurde – also schon vor knapp 5 Monaten!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.