DAX: Die Mär von der jährlichen Jahresendrallye

Oktober. Letztes Quartal im Kalenderjahr. Jahreswechsel in Sichtweite.

Da war doch was? – Richtig: Die Jahresendrallye! Die kommt doch schließlich jedes Jahr. Oder stecken wir womöglich sogar schon mittendrin?

Schließlich hat der DAX 30 an jedem der vergangenen 6 Handelstage zulegen können: von 9.509 Punkten am 1. Oktober ging es bis zum Freitag auf 10.096 Zähler.

Das sind immerhin knapp 600 Punkte oder +6,2% – kein schlechter Zuwachs für 6 Handelstage!

Doch wer mich kennt, der weiß, dass ich solche Entwicklungen gerne auf den Prüfstand stelle. Beginnen wir mit der Jahresendrallye an sich:

Wie ist die Jahresendrallye eigentlich definiert?

Haben Sie sich jemals gefragt, wie eine Jahresendrallye denn eigentlich exakt ausschauen sollte?

Also, ich finde es Jahr für Jahr aufs Neue sehr gewagt, schon im Oktober den Start einer Jahresendrallye auszurufen, zu erwarten oder zu erhoffen: Schließlich liegen am 1. Oktober gerade einmal 75% des Gesamtjahres hinter uns.

Zudem: Nur weil es das Wort Jahresendrallye gibt, ist das noch lange keine Garantie auf jeweils zum Jahresende hin steigende Aktienkurse. Die Wahrheit lautet:

Eine jährliche Jahresendrallye ist keineswegs garantiert

In den vergangenen 55 Jahren gab es genau 20 Jahrgänge, in denen der DAX in den letzten beiden Kalendermonaten jeweils mit einem Plus abschloss.

Das entspricht einer Quote von 36,4% und ist mithin keinesfalls eine „Garantie“ auf eine jährliche Jahresendrallye!

Und da viele Experten und Marktteilnehmer ja schon in diesen Tagen von der Jahresendrallye träumen: DAX-Zuwächse im Oktober UND November UND Dezember gab es seit 1960 lediglich 14x – Quote: 25,5%!

Last not least: Eine „echte“ Jahresendrallye mit einem DAX-Plus im Dezember (also eine, die ihrem Namen auch gerecht würde) gab es in den letzten 55 Jahren exakt 32x. Dabei gab es im Schnitt Zuwächse von +4,21%.

Das entspricht immerhin einer Wahrscheinlichkeit von 58,2%. Doch ist auch das nur eine leicht bessere Chance als 50:50.

Fazit

Wenn Ihnen also dieser Tage in den Börsenmedien wieder einmal das Geschwafel von der Jahresendrallye um die Ohren geblasen wird, dann wissen Sie das nun richtig einzuordnen:

Der Begriff an sich ist bereits völlig schwammig: Es gibt eben keine Definition, wann eine Jahresendrallye denn bitteschön beginnen soll: im Oktober, im November oder doch erst im Dezember?

Meine persönliche Ansicht: Nach Absolvierung von 75% eines Kalenderjahres (also am 1. Oktober) schon das Jahresende auszurufen, finde ich zweifelhaft.

Ein Blick auf die nackte Statistik zeigt zudem, dass es keine „Garantie“ auf eine Jahresendrallye in JEDEM Jahr gibt:

Im besten Fall, wenn wir in diesem Zusammenhang ausschließlich den Dezember betrachten, ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit für ein Eintreffen einer Jahresendrallye, die einen Hauch über 50:50 liegt.

Morgen schaue ich für Sie auf die Charttechnik des DAX 30. So viel vorab: Die jüngste Rallye ist bei näherer Betrachtung weit weniger imposant, als eingangs geschildert.

12. Oktober 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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