DAX: Diese Fakten sollten Sie kennen!

Sie sollten eher dem derzeit verbreiteten Pessimismus der Experten misstrauen, als dem DAX. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Der DAX tut sich weiterhin schwer.

Das gilt insbesondere im Vergleich zur Wall Street: Während der S&P 500 nur noch wenige Punkte von einem neuen Allzeithoch entfernt ist, dümpelt der deutsche Leitindex rund 1.250 Zähler oder etwas mehr als 10% unter der am 23. Januar 2018 erreichten Bestmarke.

Wenn Sie die Kommentare und Analysen in den einschlägigen Börsenmedien konsumieren, dann wird als Begründung für diese Entwicklung immer wieder der Handelsstreit zwischen den USA und China und seit kurzem auch mit der Türkei genannt.

Sie sollten sich indes von diesen negativen Einschätzungen nicht beeinflussen lassen. Ich werde Ihnen einen Grund für mehr Optimismus nennen sowie einige Fakten, die Sie zum DAX kennen sollten.

Warum die Wall Street besser läuft

Einer der wesentlichen Faktoren für die relative Stärke der Wall Street sind die Bilanzen der Unternehmen: Die US-Aktiengesellschaften wachsen gut doppelt so kräftig bei Umsätzen und Gewinnen.

Und daran wird sich vorerst wenig ändern: Die politisch Verantwortlichen tun oder planen so gut wie nichts für deutsche Unternehmen. Dagegen werden die US-Gesellschaften von dem im Dezember des vergangenen Jahres umgesetzten Steuersenkungspaket noch etwa 3 Jahre lang profitieren.

Wie Sie den Pessimismus interpretieren sollten

Dennoch sollten Sie deshalb deutsche Aktien nicht gleich komplett abschreiben. Die Perspektiven für den DAX werden düsterer gezeichnet, als sie in Wahrheit sind.

Tatsächlich ist der zurzeit hohe Pessimismus-Level sogar positiv zu interpretieren, auch wenn das auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint. Um das zu verstehen, brauchen Sie das Ganze nur einmal aus einer anderen Warte zu betrachten:

Wenn Sie davon überzeugt sind – aus welchen Motiven heraus auch immer – dass der DAX in der näheren Zukunft kräftig an Wert einbüßen wird, dann stellen Sie sich darauf mit Ihren Investments ein.

Sie kaufen keine neuen Positionen. Sie verkaufen sogar tendenziell eher, um sich vor den erwarteten Verlusten zu schützen. Die besonders Mutigen setzen gar auf Instrumente, mit denen sie von einem Kursrückgang profitieren können, wie beispielsweise Put-Optionen, Put-Optionsscheine oder Short-Zertifikate.

Und nun stellen Sie sich einmal vor, dass eine Mehrheit der Marktteilnehmer so denkt und handelt wie Sie: Wer bitte soll dann noch den Kursabsturz auslösen? Die Anleger, die optimistisch geblieben sind?

Immer wieder finden wir in der Börsenhistorie Beispiele dafür, dass die Pessimisten in einer vergleichbaren Situation von einem plötzlichen Kursanstieg überrascht werden.

Denken Sie nur an die Zeit vor und nach der US-Präsidentschaftswahl: Statt des erwarteten Absturzes mit Beginn der Trump-Ära setzten die Wall Street zu einem regelrechten Höhenflug an!

Der Handelsstreit bietet Ihnen auch Chancen

In meinem Beitrag „Was in der Handelsstreit-Diskussion übersehen wird“ vom 24. Juli dieses Jahres hatte ich Ihnen bereits die besonderen Perspektiven genannt, die aus dem Handelsstreit der USA mit China für deutsche Unternehmen resultieren (können):

„Bislang wurden [in China] eine Basisindustrie aufgebaut sowie Wohnraum und bessere Lebensumstände für die gigantische Bevölkerung geschaffen. Nun wollen die Chinesen, die sich und ihren Familien eine gesicherte Existenz geschaffen haben, mehr! Und davon gibt es inzwischen reichlich!

Künftig sind qualitativ hochwertige und technologisch weit entwickelte Produkte sowie Dienstleistungen gefragt. Auch die Verbesserung der durch die Industrialisierung verschlechterten Umweltbedingungen – Stichwort: Smog in den Großstädten – werden künftig im Fokus stehen.

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Und genau darin liegt eine gewaltige Chance – gerade auch für Europa.“

Die Türkei ist kein wirkliches Problem

Auch die jüngsten Geschehnisse aufgrund der Eskalation des Handelsstreits der USA mit der Türkei werden „viel zu hoch gehängt“:

Der Anteil der Türkei-Exporte am gesamten Außenhandel liegt in einer Größenordnung von 2% bis 3%. Selbst eventuelle Kreditrisiken sind etwa 7x geringer anzusetzen, als es die zur Zeit der Griechenlandkrise waren.

So „ticken“ die Großinvestoren

Und damit kommen wir zu einem letzten Fakt, den derzeit viele Marktkommentatoren übersehen. Oder sie kennen ihn gar nicht, weil sie sich nicht mit Charttechnik auseinandersetzen.

Schauen wir uns dazu einmal gemeinsam den nachfolgenden Chart an:

DAX: Die Großinvestoren sind nicht die Verkäufer

Der gelbe Kreis im oberen Teil der Grafik zeigt Ihnen: Der DAX scheint seinen Aufwärtstrend aus dem Jahr 2016 – nach hartnäckigem Widerstand – doch noch verlassen zu haben.

Doch das On-Balance-Volumen (OBV) im unteren Chartteil zeigt Ihnen etwas gänzlich anderes:

Dieser Indikator verknüpft bekanntlich die börsentäglichen Kursänderungen mit den dazugehörigen Umsätzen. Dadurch können Sie nachvollziehen, wie sich die Großinvestoren verhalten.

Die Operationen des „Big Money“ zu verfolgen, ist essentiell für Ihren Investment-Erfolg: Denn diese Anlegergruppe initiiert, befeuert und beendet auch wieder die Trends der Aktien und damit auch der Märkte insgesamt.

Wären die Großinvestoren also ebenso pessimistisch gestimmt, wie es Ihnen die Marktkommentare weismachen wollen, dann würden Sie deren Verkäufe deutlich im On-Balance-Volumen erkennen können.

Tatsächlich jedoch liegt das OBV aktuell auf dem Niveau, das am DAX-Hoch im Juni 2017 erreicht wurde. Derzeit bewegt sich der Indikator in der Mitte einer Seitwärts-Bewegung, die bereits seit Oktober des vergangenen Jahres Bestand hat!

Fazit

Wenn Sie erfolgreich in Aktien investieren möchten, dann sollten Sie sich Ihr eigenes Urteil bilden und sich nicht auf Marktkommentare stützen. Es sei denn, Sie wissen, wie die dort skizzierte Stimmung zu interpretieren ist.

Derzeit ist der Pessimismus-Pegel der Privatanleger ausgesprochen hoch. Doch wie Sie am On-Balance-Volumen ablesen können, sind die Großinvestoren anderer Ansicht. Die Einschätzung des „Big Money“ ist schlimmstenfalls als „neutral“ zu beurteilen.

Daher bietet uns auch das OBV noch keinen Anlass zu grenzenlosem Optimismus. Doch sobald dieser Indikator wieder Fahrt aufnimmt, dürfen Sie davon ausgehen, dass auch der DAX seine derzeit noch vorhandenden Hürden überspringt!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.