DAX: Diese Signale sollten Sie kennen

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Auf den ersten Blick sieht es für den DAX gegenwärtig wieder besser aus. Oder trügt der Schein? (Foto: Deutsche Börse AG)

Im gestrigen Beitrag hatte ich für Sie analysiert, dass die Wall Street just wieder in den Rallye-Modus geschaltet hat. Und das – reichlich überraschend – inmitten der bislang größten Eskalation in dem von US-Präsident Trump angezettelten Handelsstreit mit dem „Rest der Welt“.

Und wie sieht es am deutschen Aktienmarkt aus? Liefert uns der DAX ebenfalls Kaufsignale? Ich werde Ihnen diese Fragen heute beantworten.

Börse macht nie das, was die Anlegermehrheit erwarten

Zuvor jedoch noch ein paar Sätze zu der eingangs angesprochenen Überraschung der Börse:

Die jüngste Entwicklung an der Wall Street zeigt Ihnen wieder einmal: Die Börse macht nie das, was die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet. Und der Grund dafür ist simpel:

Wenn die überwiegende Zahl der Anleger einen Kursrückgang am Aktienmarkt erwartet, dann stellen diese sich darauf ein: Beispielsweise indem Aktien verkauft oder Short-Positionen (Spekulation auf fallende Kurse) aufgebaut werden.

Schließlich will man ja vom Eintreffen seiner Erwartung profitieren …

Doch wenn die Mehrheit sich in Richtung Abwärtsbewegung positioniert hat – wer bitte soll dann noch für den Kursrückgang sorgen?

Die anderen Anleger haben ja keine negative Erwartungshaltung (sonst hätten sie ja mitgemacht). Und somit gibt es für diese Marktteilnehmer auch keinen Anlass, ihre Positionierung zu ändern!

Und weil das so ist, können Sie in Situationen, in denen die Masse der Marktteilnehmer stark in eine Richtung tendiert, davon ausgehen, dass die Börse exakt das Gegenteil davon machen wird.

Um solche Marktstimmungen zu erkennen, braucht es nur ein wenig bewusstes „zur-Kenntnis-nehmen“ von Markt- und Expertenkommentaren und natürlich ein wenig Erfahrung.

DAX: Seit 2009 im Aufwärtstrend, aber aktuell im Verkaufssignal

Und damit zu unserer Eingangsfrage: Liefert uns der DAX gegenwärtig Kaufsignale, so wie es die Wall Street tut?

Wir schauen dazu erst einmal auf einen Mehrjahres-Chart, um uns, wie gewohnt, einen Überblick über die langfristigen Trends zu verschaffen. Lassen Sie sich bitte nicht von den vielen Linien abschrecken – es wird alles erklärt:

DAX: Seit 2009 im Aufwärtstrend, aber aktuell im Verkaufssignal

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Der DAX bewegt sich seit März des Jahres 2009 in einem breiten Aufwärtstrendkanal (grüne Trendlinien).

Nach dem Herbst-Crash 2011 beschleunigte der DAX seinen Trend (blaue Trendlinien). Seit Anfang 2016 pendelt der deutsche Leitindex zwischen der blauen und der grünen Aufwärtstrendlinie auf und ab – sozusagen also zwischen „Baum und Borke“.

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Relative Stärke Index liefert substantielle Signale

Interessant wird es nun mit dem Blick auf den unteren Chartteil: Dort habe ich Ihnen einen meiner favorisierten Indikatoren eingeblendet: Den Relative Stärke Index (RSI).

Dieser Indikator zeigt Ihnen die Intensität eines Trends an. Das Gute daran: Auch der RSI bildet – wie Sie sehen – Trends aus, die mittels Trendlinien definiert werden können.

Immer wenn eine Trendlinie durchbrochen wird, entstehen Kaufsignale (grüne Vertikalen) oder Verkaufssignale (rote Vertikalen). (Die gestrichelten Vertikalen zeigen Ihnen Zwischensignale.)

Da es sich hier um einen Monats-Chart handelt, sind die generierten Signale langfristiger Natur! Das verleiht Ihnen als Aktien-Anleger Sicherheit bei Ihren Investments.

Sie erkennen es selbst: Bei Befolgen der RSI-Signale wären Sie regelmäßig während des größten Teils der Aufwärtstrends investiert gewesen. Die aus den Abwärtsbewegungen resultierenden Verluste hätten Sie hingegen vermieden (oder sie mit Short-Investments zu Ihrem Vorteil genutzt).

Was Sie indes auch sehen: Seit Februar dieses Jahres dokumentiert der RSI, dass sich der DAX im Abwärts-Modus befindet. Der wiederum hat seinen Ausgangspunkt im Oktober 2017.

Die aktuelle Lage im DAX

Schauen wir nun noch auf einen mittelfristigen Indexverlauf:

DAX: Momentum-Kaufsignal, aber aus dem Aufwärtstrend gerutscht

Diese Grafik bestätigt das Bild aus dem Langfrist-Chart: Seit Oktober des vergangenen Jahres ist im DAX „der Wurm drin“: Das 50-Tage-Momentum, der Schwung-Indikator, generierte schon Anfang November 2017 ein Verkaufssignal.

Das Momentum hat auch für den DAX Ende letzter Woche ein Kaufsignal ausgebildet. Allerdings: Der Indikator bewegt sich derzeit an der Nulllinie – von Aufwärts-Dynamik kann mithin noch keine Rede sein. Und noch ein Punkt ist wichtig:

Der gelbe Kreis hält fest, dass der DAX Ende Juni dieses Jahres aus dem Aufwärtstrend seit 2016 herausgefallen ist. Was wir bis dato sehen, ist also nichts anderes als ein Pull-Back (Rücksetzer) an die zuvor durchbrochene Trendlinie.

Fazit

Mein Beitrag von 27. Juni 2018 hatte den Titel: „Warum Sie dem DAX zurzeit nicht trauen können“. Darin bin ich auf die zahlreichen Bullenfallen eingegangen, die wir seit dem letzten Herbst erdulden mussten.

Dies im Hinterkopf und die gezeigten Charts im Blick, beantwortet sich unsere Eingangsfrage schon beinahe von selbst:

Lassen Sie den DAX überzeugendere Signale liefern als derzeit, bevor Sie wieder in deutsche Standardaktien investieren!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.