Dax dreht ins Plus – dennoch keine Entwarnung

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Für Euphorie ist es zu früh: Der Dax konnte zuletzt zwar punkten, doch die Unsicherheit bleibt – auch an den Börsen. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Nach dem wochenlangen ungebremsten Absturz hat sich der Dax in dieser Woche gefangen. In Frankfurt wie auch an anderen Börsenplätzen der Welt ging es zwischenzeitlich kräftig aufwärts. Doch für eine generelle Entwarnung ist es wohl noch zu früh.

Märkte reagieren erleichtert auf Hilfspakete

Beobachtern zufolge ist die Erholung im Aktienhandel, die vor allem am Dienstag für steigende Kurse sorgte, vor allem durch zwei Faktoren bedingt: Zum einen seien die erwarteten Folgen der Coronakrise inzwischen weitgehend eingepreist, ein weiterer Kurssturz wäre schlichtweg ungerechtfertigt. Zum anderen haben in dieser Woche mehrere Staaten umfassende Finanz- und Wirtschaftshilfspakete auf den Weg gebracht.

Der US-Präsident verteilt Helikoptergeld und unterstützt vor allem die Luftfahrtindustrie großzügig, die Europäische Union lockert ihre Schuldenregeln und in Berlin wird im Eilverfahren ein Nachtragshaushalt von mehr als 150 Milliarden Euro durchgewunken.

An den Märkten wird das wohlwollend zur Kenntnis genommen. Allerdings melden erste Branchenvertreter bereits Kritik an. Zwar werden die Soforthilfen gelobt, doch die Kreditvergabe, für die die Bundesregierung weitreichende Garantien angekündigt hat, ist mit – zwar vergleichsweise wenigen, aber doch teils problematischen – bürokratischen Hürden gespickt.

Ifo-Index rauscht in die Tiefe

Zudem rechnen Experten damit, dass die nun beschlossenen Maßnahmen insgesamt kaum ausreichen dürften, um die wirtschaftlichen Folgen des weitgehenden Shutdowns tatsächlich mittelfristig abzufedern. Zu weitreichend sind die Beschränkungen, zu lang der Totalausfall. Unternehmen brechen die Einnahmen weg, während ein Großteil der Kosten weiterläuft.

Auch die Zukunft schätzen viele Unternehmen alles andere als rosig ein. Der Ifo-Geschäftsklimaindex verzeichnet im März den heftigsten Einbruch in der Geschichte seit der Wiedervereinigung, auch die Konsumerwartungen der Verbraucher fallen deutlich pessimistischer aus. Viele fürchten um ihre Jobs oder finanzielle Einbußen.

Besonders stark betroffen sind nach den Erhebungen die Exportunternehmen: Das Barometer für die Außenhandelserwartungen brach von minus 1,1 auf minus 19,8 Punkte ein – ein beispielloser Absturz.

Neben zahlreichen anderen Unternehmen hat inzwischen auch Daimler angekündigt, seine Beschäftigten vorerst in Kurzarbeit zu schicken. Die großen Automobilhersteller hatten zudem bereits die Produktion an vielen Standorten vorübergehend heruntergefahren.

Ausweg aus dem Shutdown: Exit-Strategie bis Ostern?

Unterdessen hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in Aussicht gestellt, bis Ostern ein Konzept vorzulegen, wie die Ausgangsbeschränkungen schrittweise gelockert werden können, um das öffentliche Leben trotz der Pandemie zumindest teilweise wieder stattfinden zu lassen.

Es ist eine zweischneidige Abwägung: Einerseits könnten Lockerungen der Bestimmungen innerhalb kurzer Zeit wieder zu einem Anstieg der Ausbreitung des Virus und weiteren Krankheits- und Todesfällen führen. Andererseits lassen sich die massiven Beschränkungen, wie sie derzeit in Deutschland und einigen anderen Ländern gelten, kaum lange aufrechterhalten.

Der Dax jedenfalls hat seine starken Aufschläge vom Dienstag am Mittwoch zwar verteidigen können, die Berg- und Talfahrt im Handelsverlauf machte jedoch bereits die weiterhin bestehenden Unsicherheiten bei den Anlegern deutlich. Die kommenden Wochen, vielleicht auch Monate, dürften an den Märkten vor allem durch Volatilität geprägt sein.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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