DAX: Ein noch nie dagewesenr massiver Einfluss von Twitter!

In der vergangenen Woche hielt ich an dieser Stelle noch fast als Einzelgänger gegen den Aufwärtstrend und warnte vor der überkauften Situation.

Der Meinung schienen sich dann doch auch einige andere Marktteilnehmer angeschlossen zu haben.

Denn schon am selben Tag drehte nach anfänglichem Kurs-Anstieg der DAX-Index intraday und begann eine Konsolidierung, die 5 Tage lang anhielt.

Natürlich ist Donald Trump mit seinem polternden politischen Stil nicht unschuldig am prompten Kurswechsel.

Denn neben der angezettelten Strafzoll-Debatte z. B. für deutsche Automobile möchte Herr Trump nun auch noch seinen eigens verschuldeten starken US-Dollar herunterreden.

Das kommt mir vor, wie in einer Vorschule des Kindergartens:

Erst draufloshämmern, sich dann wundern, welche Auswirkungen das in der Peripherie hat, und dann einen Wunschzettel aufschreiben, der gefälligst erfüllt werden soll.

„Herr Trump, so geht Wirtschaft nicht!“

Bei angekündigter fiskalpolitischer Stimulanz der Wirtschaft (gegen die FED und weg von monetärer Stimulanz), Steuer-Senkungen, Protektionismus und „America first“ sind Zins-Steigerungen und ein starker US-Dollar unumgänglich.

Das passt alles nicht zusammen, was Trump sich da ausdenkt. Und nun scheint er das langsam zu erkennen bzw. der Markt zeigt ihm, wie das geht.

Wie ein trotziges Kind schießt er nun verbal um sich:

Deutschland hätte eigentlich eine stärkere Währung, wenn Europa nicht wäre; das ist ja ungerecht und jammert.

Er versucht, den Dollar in Europa und Asien herunterzureden und treibt verbale Keile in die EU.

Da fehlen mir wirklich die Worte…

Wo das alles hinführt, weiß kein Mensch – und Herr Trump wohl selber nicht. Er rüttelt mit seiner kindlich-naiven Twitter-Regierung an Naturgesetzen des Marktes.

Wer weiß: Vielleicht wird ja auch die Schwerkraft bald ausgesetzt – abgehoben ist er ja bereits…

Spott beiseite: Wie dem auch sei, wir und auch Amerika müssen wohl oder übel mit dieser skurrilen Situation leben.

Befassen wir uns also lieber mit seriöser charttechnischer Analytik – denn es ist ja unser Geld, um welches es sich dreht – und betrachten, wie immer, zunächst denkurzfristigen 1-Monats-Chart des DAX-Index:

DAX 010217 1M

DAX-Chart 1 Monat (Stunden-Balken)

Die Trump-Welle: Aufwärts-GAP schon wieder geschlossen

Getrieben von Unsicherheit über die Amtseinführung von Donald Trump und der neu aufflackernden BrExit-Thematik durch Theresa May hielten sich bis vergangene Woche die Käufer zurück.

Es entstand eine seitwärtsgerichtete „Warten wir mal lieber ab“-Phase mit einer vergleichsweise engen Handelsspanne (rote Trendlinien).

Vergangene Woche fassten sich die DAX-Bullen ein Herz und katapultierten den Index mit einem Eröffnungs-GAP (Kurslücke, schwarze Ellipse) nach oben über die Seitwärts-Phase.

Das sah alles ganz gut aus, wenn da nicht 2 Dinge parallel für Gegenwind sorgten. Zum einen ist das die charttechnisch deutlich überkaufte Situation gewesen und zum anderen Donald Trump.

Denn die Anzeichen mehren sich, dass eine Art Handelskrieg bzw. zumindest ein Währungskrieg entsteht, wenn Herr Trump so weiter macht.

Das erkannten auch die Marktteilnehmer zunehmend und korrigierten den vorherigen Anstieg schnell wieder. Das Resultat sehen Sie oben im Chartbild:

eine Art „Trump-Welle“, die nach dem Aufbäumen sofort wieder brach und den DAX-Index sogar unter das GAP-Schließungs-Niveau führte.

Erst an der Unterstützungs-Linie der Januar-Phase (untere dunkelrote Horizontale) kam der Kursrückgang zum Erliegen.

Für Sie wichtig ist nun, ob der DAX-Index dieses Niveau halten kann oder nach kurzem Verschnaufen auch diese Haltelinie bei etwa 11.500 Punkten nach unten durchbricht.

Die Folgen eines Durchbruchs nach unten können mit einem Blick auf das folgende 1-Jahres-Chartbild vom DAX-Index erörtert werden:

DAX 010217 1J

DAX-Chart 1 Jahr (8-Stunden-Balken)

Konsolidierung im keilförmigen Aufwärtstrend

Wir haben es aufgrund der recht langen Seitwärts-Phase im vergangen Jahr (rote Schiebezone) mit einem keilförmig zulaufenden Aufwärtstrend zu tun (blauer Trendkanal).

Wäre die Phase kürzer ausgefallen, dann würde die obere Linie parallel zur unteren Begrenzung des Aufwärtstrends verlaufen.

Dieser keilförmige Trendkanal ist bereits mehrfach an Ober- und auch Unterseite bestätigt worden (schwarze Ellipsen) und gibt mittelfristig zunächst die Marschrichtung vor!

Fazit mittelfristig:

Das bedeutet: Sollte der DAX-Index nach unten durch die Unterstützung durchsacken – speziell durch die 11.400er-Unterstützung (untere grüne Linie) – droht ein schnelles Abgleiten bis auf die untere Begrenzung des Trendkanals.

Sie liegt aktuell zwar noch bei 10.900 Punkten, aber in 1 – 2 Wochen bei etwa 11.000 Punkten.

Nach oben existiert aktuell nur begrenztes Potenzial bis an die Begrenzungs-Linie heran. Etwa 11.900 Punkte können da aufgerufen werden.

Ein weiterer Aufwärts-Schub über die 12.000 Punkte ist zwar aufgrund der irrationalen Lage bzgl. Trump & Co. immer möglich, aber liegt aktuell nicht im Bereich des Wahrscheinlichen.

Abschließend ein Blick auf den langfristigen 10-Jahres-Chart des DAX-Index:

DAX 010217 10J

DAX-Chart 10 Jahre (Wochen-Balken)

Alles beim Alten!

Im langfristigen 10-Jahres-Chartbild des DAX-Index ist gut erkennbar:

Es hat sich nach Überwindung des ehemaligen über fast 2 Jahre andauernden Abwärts-Trendkanals (roter Trendkanal) ein neuer mittelfristiger Aufwärts-Trendkanal etabliert (grüner Trendkanal).

Hier ist er an die obere Begrenzung herangelaufen und erfährt Widerstand.

Eine weitere gesunde Aufwärtshausse mit Bestand und ohne Blasen-Bildung wäre innerhalb dieses Trendkanals nur möglich, wenn die nächsten etwa 2 Monate seitwärts konsolidiert wird.

Nach dem Abbau der aktuellen Überkauft-Situation, die im optimalen Fall auch durchaus wie erwähnt seitwärts erfolgen könnte, wäre schon in März/April das Allzeithoch von 12.400 Punkten drin.

Fazit: Trump, immer wieder Trump…

Das Szenario an den Aktienmärkten wird weltweit an erster Stelle nur durch eine Sache bestimmt. Donald Trump und seine völlig unvorhersehbare Politik.

Deshalb mein Rat: Beobachten Sie die Lage ganz genau!

Wenn der Einfluss von Trump schwindet und die Nebel um die undurchsichtige Politik sich lichten, dann wäre ein guter Einstiegs-Zeitpunkt.

Denn von der vorhandenen Liquidität und von der Ertrags-Seite her betrachtet könnten Aktien noch einmal bis zum Sommer Gas geben. Es bleibt bei meiner Aussage zum DAX-Index: Gut aber gefährlich!

1. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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