DAX: Ein Traum für Intraday-Trader

Genießen Sie auch die Ruhe im DAX? Nach dem Verfall ist es extrem ruhig geworden. Zu ruhig für viele Anleger. Wann kommt wieder Bewegung in den DAX? (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Der große Verfallstag ist Geschichte. Aber heute beginnt die neue dreimonatige Phase. Also ist alles wieder normal? Nein. Der DAX war heute extrem ruhig. Selbst für seine Begriffe. Ging es in den Tagen vor dem Hexensabatt noch turbulent nach oben, lautete heute die Marschrichtung: seitwärts, aber ganz vorsichtig.

DAX robbt sich durch den ersten Handelstag

Von Tempo kann hier keine Rede gewesen sein. Der DAX im 5-Minuten-Chart zeigt, wie wenig Bewegung heute im Markt war.

Die eingefärbten Rechtecke zeigen dabei gute Möglichkeiten für Intraday-Trader. Hier konnte mit geringem Risiko in diesem Bereich gehandelt werden. Besonders nach der Rede von Mario Draghi um 15 Uhr, als es einen „wahnsinnig starken“ Abverkauf gab, ist das zweite Rechteck besonders schön zu traden.

Der starke Abverkauf war natürlich nur für die heutigen Verhältnisse extrem. Wir sind hier gerade einmal 40 Punkte nach unten gerutscht. Dafür bewegte sich der DAX heute meist nur in einem Bereich von 5 bis maximal 15 Punkte pro 5-Minuten-Kerze. Das ist schon sehr lahm. Allerdings für einen Tag nach dem großen Verfall auch nicht verwunderlich. Die große Action gab es letzte Woche. Jetzt müssen sich erst einmal alle neu sortieren und viele Trader haben sich vermutlich heute bewusst herausgehalten, weil die Prognose für den DAX sehr schwierig war.

Die von uns angesprochene grundlegende Abwärtstendenz ist heute eingetreten. Fraglich ist nach wie vor, wie lange dieser Trend jetzt anhält. Wir müssen nach wie vor die 12.600er Marke knacken, bevor wir von einer Jahresendrallye sprechen können. Was wir letzte Woche gesehen haben, war nur die Rallye vor dem Verfallstag. Mehr nicht. Was heute den Handel zusätzlich gelähmt haben kann: Japan und China haben Feiertag.

Doch genug der Begründungen oder Ausreden, warum der DAX auf der Stelle tritt. Die restlichen Handelstage dieser Woche sollten auf jeden Fall mehr Bewegung zeigen. Das würde Ihnen als Anleger auch das Handeln erleichtern. Denn dann wüssten wir alle, wohin die Reise geht. So müssen wir intraday uns immer wieder ein paar Punkte herausschneiden und die Seitwärtsphase auf diese Weise nutzen. Das kann auch eine Zeitlang funktionieren. Doch der DAX wird kaum im Bereich zwischen 12.100 und 12.600 Punkte das Jahr jetzt beenden wollen.

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Am Mittwoch entscheidet die US-Notenbank über eine erneute Zinsanhebung. Vielleicht gibt das ja einen nötigen Impuls um den DAX anzuschieben. Der Handelsstreit USA gegen China dreht sich gefühlt auch immer mehr im Kreis. Worauf soll die Börse hier noch reagieren? Beide Seiten haben Gesprächsbereitschaft signalisiert, dann wieder die Treffen abgesagt und höhere Strafzölle in den Raum geworfen. Alle Möglichkeiten wurden also schon ausgesprochen und der Markt konnte darauf reagieren. Glauben Sie, dass in den nächsten Tagen per Zufall eine Entscheidung getroffen wird, die auch Bestand hat? Wohl kaum und die Masse der Anleger glaubt den beiden Parteien auch nicht mehr.

DAX – hier fällt die Entscheidung

Blicken wir noch einmal auf das große Bild des DAX. Der Tageschart aus Sicht der vergangenen knapp drei Jahre. Wir sehen hier zwei deutliche Trendlinien, aus denen der DAX irgendwann ausbrechen muss. Schließlich werden die beiden Linien sich irgendwann treffen.

Der DAX befindet sich aktuell sehr neutral dazwischen. Auf der Oberseite befindet sich die Begrenzung momentan bei 12.868 Punkten. Die Sorgen brauchen wir nicht haben, dass der DAX morgen darüber notiert. Die Linie ist aber auf jeden Fall eine Hürde, wenn wir an die Jahresendrallye denken und vielleicht von 13.000 Punkten und mehr zum Jahreswechsel träumen.

Auf der Unterseite befindet sich die Aufwärtstrendlinie bei 11.900 Punkten. Darunter sollte der DAX jetzt sowieso nicht mehr fallen. Das wäre nämlich richtig bitter.

Wir werden deshalb weiterhin durchhalten müssen. Jetzt kennen Sie den groben Spielraum, den der DAX in den nächsten Wochen hat. Der September läuft bekanntlich meist negativ. Wir können also durchaus noch einmal etwas herunterfallen. Ob wir die 12.000 dabei sogar noch berühren, ist aktuell nicht klar. Sollte die Jahresendrallye dann im Oktober irgendwann starten, gibt es mit der 12.600, der SMA-200 und der oberen Trendlinie auf jeden Fall starke Widerstände, die es gilt aus dem Weg zu räumen.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.