DAX: Ein zartes Hoffnungspflänzchen?

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Der DAX zeigt sich zuletzt wieder robuster: Was sagt die Charttechnik aktuell über die Chancen im deutschen Leitindex? (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Die Aktienmärkte haben derzeit eine Menge zu verarbeiten:

Da sind natürlich die Konjunktursorgen: In den USA startet am Freitag das jährliche Notenbank-Symposium in Jackson Hole. FED-Chef (Federal Reserve Bank) Jerome Powell hat dabei mit seinem Team reichlich Stoff für Diskussionen.

Und natürlich lässt es sich auch Donald Trump nicht nehmen, neben seinem Handelsstreit mit China noch ein weiteres Fass aufzumachen: So sagte er gestern gegenüber Journalisten, er brauche nur die Autos aus der Europäischen Union zu besteuern, dann würden wir Europäer den USA alles zugestehen, was sie sich wünschten.

Dann ist da noch Italien: Der Rücktritt des Ministerpräsidenten und Staatsoberhauptes Giuseppe Conte verstärkt nur das ohnehin schon andauernde Regierungschaos. Und der Brexit – naja, der gehört ja schon zum Alltag.

Bestimmt habe ich noch was vergessen. Egal: Wir schauen einmal, was der DAX daraus charttechnisch macht.

Erwarten Sie nicht zu viel von Jackson Hole

Vorab noch ein paar Worte zu Jackson Hole: Viele Investoren scheinen sich von der für Freitag terminierten Auftaktrede Jerome Powells Impulse für den Aktienmarkt zu erhoffen. Ich bin da eher skeptisch.

Beispielsweise, weil der größte Kritiker des US-Notenbank-Chefs, Trump, nicht müde wird, von der FED weitere – und zwar erhebliche – Leitzinssenkungen einzufordern: Wenn es nach dem US-Präsidenten ginge, wären gleich mal -1% fällig.

Powell kann so etwas ohnehin bestenfalls für die nächste Notenbank-Sitzung ankündigen. Oder besser gesagt, andeuten. Aber er wird genau das nicht tun, gewiss nicht in der geforderten Höhe:

Er wird dies schon allein deshalb verweigern, um auch nur die geringste Anmutung einer Trump-Hörigkeit zu vermeiden.

Korrektur zeichnet sich ab

Na gut: Dann schauen wir doch mal, wie sich der DAX zurzeit so schlägt. Wir beginnen mit einem langfristigen Chart, um uns einen Überblick über die grundlegenden Trends zu verschaffen.

DAX: Langfristig stehen die Signale erst einmal auf abwärts

Der Aufwärtstrend seit 2003 ist noch immer intakt. Damit erschöpfen sich leider schon die positiven Erkenntnisse:

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  • Der beschleunigte Aufwärtstrend aus 2009 wurde im Oktober des vergangenen Jahres nach unten verlassen. Um ihn wieder zu aktivieren, wäre ein neues Rekordhoch erforderlich.
  • Im Juli sah es vorübergehend so aus, als könne der DAX den vorsichtigen Trendbruch vom Juni (gelber Kreis) bestätigen. Inzwischen wissen wir: Das war eine Bullenfalle!
  • Der Aufwärtstrend seit Weihnachten 2018 (blaue Linie, gelber Kreis) wurde in diesem Monat nach unten durchschlagen – Trump und seiner Handelsstreit-Eskalation sei Dank.
  • Last not least bewegt sich der deutsche Leitindex aktuell unter der wichtigen früheren Unterstützung bei 11.800 / 11.850. Die hat sich nun erst einmal zu einem Widerstand gewandelt.

Momentum macht ein wenig Hoffnung

Schauen wir nun auf einen Tages-Chart, in den ich Ihnen zusätzlich das 50-Tage-Momentum eingeblendet habe. Dieser Indikator zeigt Ihnen Schwung und Dynamik einer Kursbewegung:

DAX: Warten Sie auf ein Kaufsignal im Momentum

  • Am heutigen Mittwochvormittag zeigt sich der deutsche Leitindex erstaunlich freundlich: Während ich diese Zeilen für Sie verfasse, knabbert er an der Marke von 11.800.
  • Der mittelfristige Trend in Gestalt der 50-Tagelinie tendiert klar abwärts. Der Index selbst ist davon rund 400 Punkte entfernt. Der Trend der langfristigen 200-Tagelinie kann als neutral bis hauchdünn positiv eingestuft werden.
  • Die 200-Tagelinie wurde zunächst nach unten durchschlagen. In den letzten 3 Handelstagen konnte sich der DAX indes wieder darüber etablieren. Ein erstes, leicht positives Signal.
  • Die von mir schon vor 7 Tagen angesprochene Divergenz (Abweichung) zum Schwung-Indikator hat sich gehalten (blaue Vertikalen): Das zweite, tiefere Tief im DAX wurde nicht durch ein ebenfalls tieferes Tief im 50-Tage-Momentum bestätigt.

Eine solche Divergenz kündigt häufig einen bevorstehenden Trendwechsel an: Allerdings eignet sie sich nicht als Timing-Faktor, da der Zeitpunkt einer solchen Richtungsänderung unbestimmt ist.

  • Am Montag entstand eine, allerdings winzige, Aufwärts-Kurslücke: Solch ein Kursmuster signalisiert Ihnen eine sprunghafte Erhöhung der Nachfrage.

Je größer die Kurslücke (im Englischen auch Gap genannt) ist, umso stärker die sich anschließende Rallye: Daher sollten Sie hier nicht allzu viele Hoffnungen investieren.

Fazit

Es scheint, als mache der DAX noch das Beste aus dem Sorgenbündel, das auf den Aktienmärkten lastet. Zur Wochenmitte klettert er um +1% in Richtung des Widerstands bei 11.800 / 11.850 Punkten. Allerdings:

Die langfristigen Perspektiven sind derzeit klar negativ – falls auf die Bullenfalle nicht postwendend eine Bärenfalle folgen sollte. Das halte ich indes für wenig wahrscheinlich.

Hoffnung machen das zarte Pflänzchen der Aufwärts-Kurslücke sowie die von mir aufgezeigte Divergenz (Abweichung) zum Schwung-Indikator. Der Widerstand bei 11.800 / 11.850 wird indes nicht leicht zu knacken sein.

Derzeit stellt sich die Charttechnik im DAX für mich eher wie eine zeitweilige Erholung von den Rückschlägen der vergangenen Handelswoche dar.

Ein verlässliches Kaufsignal wäre für mich ein Anstieg des 50-Tage-Momentums über den seit Anfang Juli bestehenden Abwärtstrend.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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