DAX: Eine Entschuldigung und reichlich Spannung!

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Wie sieht die Charttechnik im DAX nach der jüngsten Leitzins-Senkung in den USA aus? (Foto: Deutsche Börse AG)

Die amerikanische Notenbank hat gestern den Leitzins erneut um einen weiteren Viertel-Prozentpunkt reduziert. Im Juli hatte die FED (Federal Reserve Bank) erstmals seit 10 Jahren wieder eine Senkung vorgenommen.

Mit dieser neuerlichen Maßnahme bewegt sich der, auch Fed Funds Rate genannte, Leitzins zwischen +1,75% und +2,0%. Für eine bestimmte Person war das natürlich mal wieder viel zu wenig:

Donald Trump reagierte via Twitter (wie auch sonst) erzürnt: Der US-Notenbank-Chef, Jerome Powell, sei ahnungslos und habe keine Visionen. Die FED habe einmal mehr versagt.

Nun ja. Ich fühle mich dabei erinnert an ein schreiendes Kind, das einfach seinen Willen nicht erfüllt bekommt. Wie auch immer.

Die Wall Street zeigte sich jedenfalls von der Leitzinssenkung auch wenig erbaut. Wir schauen heute auf den DAX, ob der denn daraus etwas machen kann.

Sorry!

Zunächst einmal muss ich mich bei Ihnen entschuldigen: Bei meiner letzten DAX-Analyse am 9. September 2019 („DAX: Ganz nett bislang. Aber reicht das?“) präsentierte ich Ihnen einen Chart, in den ich das 50-Tage-Momentum eingeblendet hatte – dachte ich zumindest.

Tatsächlich hatte ich nicht das von mir sonst in meiner Chart-Software genutzte, vorgefertigte Layout (mit der korrekten Einstellung) verwendet, sondern den Schwung-Indikator nachträglich eingefügt.

Und der hatte nicht die von mir standardmäßig genutzte Einstellung von 50, sondern eine Vorgabe von 20 Tagen. Das führte natürlich zu einer falschen Schlussfolgerung, wie Sie gleich sehen werden:

„Der Schwung-Indikator, das Momentum, bewegt sich wieder im Plusbereich: Der DAX baut mithin positive Kurs-Dynamik auf.“

Ausgesprochen ungewöhnliche Entwicklung

Hier nun also die korrekte Version des DAX-Charts mit dem 50-Tage-Momentum:

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DAX-Rallye wurde nicht vom Momentum bestätigt

Wie Sie hier sehen, bewegte sich der Schwung-Indikator noch bis vor 2 Tagen im Minus-Bereich. Es wurde also eigentlich negative Kurs-Dynamik aufgebaut (gelbe Ellipse).

Ganz so arg war das zwar nicht, weil der Indikator nur geringfügig unter der Nulllinie notierte. Was indes viel gravierender ist:

Das 50-Tage-Momentum hat bis zum heutigen Tag die im bisherigen Monatsverlauf gesehene DAX-Erholung NICHT durch ein eigenes Kaufsignal, sprich: Trendbruch bestätigt. Das ist ausgesprochen ungewöhnlich!

Wie Ihnen nämlich der grüne und der blaue Kreis in Kombination mit den entsprechenden Vertikalen verraten, generierte der Schwung-Indikator in vergleichbaren Situationen im Januar und Mai dieses Jahres sogar noch VOR dem DAX selbst ein Kauf- bzw. Verkaufssignal.

Fazit

Was machen wir nun daraus? Ein ansteigender DAX, der – laut 50-Tage-Momentum – eigentlich gar nicht hätte klettern sollen.

Immerhin kann ich an dieser Stelle mein Fazit vom 9. September 2019 wiederholen. Denn das ist, unabhängig von meiner falschen Momentum-Interpretation, auch heute noch zutreffend und damit gültig:

„So erfreulich die jüngste DAX-Rallye auch erscheint: Noch passt sie völlig in das langfristige Chartbild: Wie Ihnen der Monats-Chart zeigt, sind die Perspektiven unverändert klar negativ.

Es gibt daher zurzeit nur eine Marke, auf die Sie für eine positive Wende schauen müssen: Ein neues Jahreshoch im DAX verändert das bislang gültige Szenario im positiven Sinne.“

Immerhin kann ich heute hinzufügen: In diesem Fall sollte dann auch das 50-Tage-Momentum seinen seit April dieses Jahres bestehenden Abwärtstrend nach oben durchbrechen und so ein Kaufsignal generieren.

Und wer weiß: Vielleicht wird das ja diesmal auch wieder VOR dem DAX-Signal ausgebildet…


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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