DAX: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Nachdem gestern der 1. Wahlgang in Frankreich einen überraschenden Erfolg des Europa-freundlichen Emmanuel Macron brachte, explodieren die Kurse an den europäischen Aktienmärkten zum Wochenauftakt förmlich:

DAX erreicht neues Allzeithoch

Dem DAX 30 gelingt gar ein Anstieg um knapp +3% (Stand: 11.30 Uhr) und damit zugleich auf ein neues Allzeithoch von zurzeit 12.399,91 Punkten.

Damit hat sich meine Einschätzung aus dem letzten Beitrag vom vergangenen Donnerstag erfüllt – wenngleich ich, ehrlich gesagt, kein neues Rekordhoch erwartet habe:

„Ich rechne daher in den kommenden Wochen mit einem Verlauf, wie Sie ihn nach den Spikes 2 und 4 beobachten konnten:

Kurs-Erholung, erneute Abwärts-Bewegung, die den DAX dann näher an die 200-Tage-Linie führt und erst danach Fortsetzung des Aufwärtstrends.“

VDAX bewährt sich wieder einmal als Kontra-Indikator

Sie erinnern sich:

Im genannten Beitrag hatte ich die extreme Bewegung des Volatilitäts-Index VDAX in den letzten 4 Wochen analysiert und mit ähnlichen Verläufen in der jüngeren Vergangenheit verglichen.

Der VDAX-New hatte am 17. März mit 11,03 ein 5½-Jahrestief erreicht und gipfelte dann am vergangenen Dienstag bei 22,47.

Während das Mehrjahres-Tief großes Vertrauen der Marktteilnehmer in den DAX widerspiegelte, dokumentierte das Zwischenhoch schon beinahe Crash-Ängste.

In der Vergangenheit waren derartige Extrempunkte im VDAX jedoch zumeist Kontra-Indikatoren. Das bestätigt sich auch bei der jüngsten Entwicklung wieder einmal:

dax versus vdax_24-04-2017

DAX versus VDAX: Extrempunkte wirken wie Kontra-Indikatoren.

Wie war das noch gleich mit der Schwalbe…?

Doch bei aller Freude über die neue Bestmarke im DAX, wage ich es, ein wenig „Wasser in den Wein zu gießen“.

Hier ein paar Argumente, die nur für einen Kurztrip des DAX auf neue Höhen sprechen:

  • Die heutige Reaktion der Marktteilnehmer ist politisch begründet. Politische Börsen haben indes, wie Sie wissen, „kurze Beine“.
  • Der gestrige Wahlerfolg von Macron ist nicht mehr und nicht weniger als die 1. Etappe auf dem Weg zum künftigen Präsidentschaftsamt in Frankreich: In 14 Tagen muss sich Macron in einer Stichwahl der rechtspopulistischen Konkurrentin Marine Le Pen stellen.

Hinzu kommt, dass beide Kandidaten gestern im Ergebnis nicht allzu weit voneinander entfernt waren: Macron gewann mit 23,9% der Wählerstimmen, Le Pen erhielt als Zweite 21,7%.

Die Werte der beiden Nächst-Platzierten von 20,0% (Republikaner Fillon) und 19,2% (der Linke Melenchon) machen deutlich, wie eng die Wahl tatsächlich war.

Und sie verdeutlichen darüber hinaus, wie klar verteilt die Mehrheit (84,8% aller Wählerstimmen) abgestimmt hat.

Es wird also darauf ankommen, für wen sich die Wähler der gestrigen „Verlierer“ in 2 Wochen entscheiden werden – und das sind immerhin 54,4% derer, die am Sonntag zu den Wahlurnen gingen.

  • Nach einem DAX-Tages-Anstieg von fast +3%, verbunden mit einem (zumindest bis 12 Uhr) nur marginalen neuen Rekordhoch, ist im weiteren Wochenverlauf eher mit einer Beruhigung im Leitindex zu rechnen.

24. April 2017

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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