DAX: Ende des Aufwärtstrends oder Anstieg über 12.000?

Der DAX schleicht sich langsam an die Marke von 9.000 heran.

Am Dienstag fehlten nur noch 13 Pünktchen – doch bei 8.987 verließ die Investoren der Mut und der deutsche Leitindex drehte wieder nach unten ab. Heute Morgen erreichten wir ein (bisheriges) Tageshoch von 8.983.

DAX 9.000: Für irgendwas wichtig?

Wie auch immer: Es scheint nur noch ein Frage der Zeit, bis die Hürde fällt. Doch hat die 9.000er-Marke irgendeine Relevanz?

Charttechnisch ganz sicher nicht, schließlich würde mit dem Erreichen eine neue historische Bestmarke gesetzt. Wir stoßen also nicht an irgendwelche Widerstände früherer Tage, die uns ja sonst zur Vorsicht mahnen.

Wenn überhaupt, dann hat die Marke allenfalls psychologische Wirkung: Das Ereignis wird von den Medien abgefeiert werden. Schon jetzt wird immer wieder auf die unmittelbar bevorstehende Möglichkeit hingewiesen.

Die psychologische Wirkung sollte indes nicht unterschätzt werden. Viele Privatanleger haben in der Vergangenheit aufgrund enttäuschter Erwartungen dem Aktienmarkt den Rücken gekehrt.

Bei diesen Investoren hat sich zudem die DAX-Marke 8.150 als praktisch unüberwindbares Hindernis ins Hirn gebrannt. Nun werden Sie damit konfrontiert, dass der deutsche Leitindex schon +10% über dieser Marke notiert.

Da sich die meisten dieser Privatanleger in den vergangenen Jahren mit Mini-Verzinsungen im Sparbereich zufrieden gegeben haben, könnte ihnen nun der Gedanke kommen, dass eine Rückkehr an den Aktienmarkt vielleicht doch eine gute Idee wäre.

DAX vor dem Untergang?

Doch wie passt das mit der Warnung einiger Analysten zusammen, die das Aufwärtstrend-Potenzial des DAX als praktisch ausgeschöpft ansehen? Von solchen Experten bekommen Sie Charts wie diesen präsentiert:

dax-wochenchart-variante1-24-10-2013

DAX: Aufwärtspotenzial ausgeschöpft?

Wie Sie sehen, scheint das Aufwärtspotenzial des DAX danach in der Tat ausgereizt zu sein.

Ausgehend von dem Tiefpunkt im März 2009 wird in diesem Chart ein Aufwärtstrend-Kanal konstruiert, bei dem der DAX soeben an dessen oberer Begrenzung „angedockt“ hat (gelber Kreis).

Demnach befinden wir uns also in einer Übertreibungsphase. Ist also das Kursziel bereits erreicht? Müssen wir also nun mit einem Absturz im DAX rechnen, wie wir ihn im Jahr 2011 erlebt haben (blau unterlegt)?

Bevor Sie jetzt in Panik geraten und sämtliche Aktien verkaufen, möchte ich Ihnen den gleichen DAX-Chart noch einmal zeigen. Diesmal allerdings mit einer kleinen Veränderung:

dax-wochenchart-variante2-24-10-2013

DAX: Anstieg auf über 12.000 möglich

Alles eine Sache der Darstellung!?

Auf den ersten Blick scheinen Sie die gleichen Aufwärtstrend-Kanäle zu sehen. Nur diesmal hat der DAX noch Aufwärtspotenzial bis über 12.000 Punkte! Wie ist das zu erklären?

Es ist – wie so oft – eine Sache der Perspektive. Wenn Sie genauer hinschauen, wird Ihnen die in beiden Charts unterschiedliche Skalierung auf der rechten Seite auffallen.

Im ersten Chart habe ich eine arithmetische, im zweiten Chart eine logarithmische Skalierung verwendet.

Bei der arithmetischen Skalierung werden Punktabstände immer gleich dargestellt. Die Veränderung von 4.000 auf 5.000 Punkte hat im Chart die gleiche Abmessung wie die Veränderung von 7.000 auf 8.000 Punkte – es sind ja auch jeweils Differenzen von 1.000 Zählern.

Wohlgemerkt: Ich möchte den Anwendern arithmetisch skalierter Charts keinesfalls eine falsche Darstellung unterstellen! Es ist eben, wie bei so vielen Dingen im Leben, vornehmlich eine Sache des „Geschmacks“.

Ich bevorzuge die logarithmische Skalierung

Ich persönlich (und die Masse der Charttechniker sieht das genauso) bevorzuge indes seit jeher die logarithmische Skalierung. Und dafür habe ich ein handfestes und – wie ich meine – „logisches“ Argument.

Denn: In der logarithmischen Skalierung werden die prozentualen Veränderungen gleich dargestellt. Zum Verständnis ein einfaches Rechenbeispiel:

Steigt der DAX von 4.000 auf 5.000 Punkte, dann entspricht das einem Anstieg um +25%. Die Veränderung von 7.000 auf 8.000 Punkte ergibt indes lediglich einen Zuwachs von +14,2%.

Obwohl der DAX in beiden Fällen 1.000 Punkte zugelegt hat, hat der Investor mehr verdient, der den Anstieg von 4.000 auf 5.000 Punkte mitgemacht hat. Um ab 7.000 einen vergleichbaren Wertzuwachs von +25% zu erhalten, muss der DAX auf 8.750 klettern.

Und genau diesen Unterschied macht der Chart in der logarithmischen Darstellung wett: Hier sind +25% Anstieg immer gleich skaliert, ob nun ab 4.000 oder ab 7.000 Punkten.

Wenn Sie also demnächst wieder einen Chart präsentiert bekommen, der Ihnen Untergangsstimmung vermitteln möchte, dann schauen Sie zunächst mal auf die Skalierung.

Ich gehe davon aus, dass wir am Aktienmarkt noch länger und weiter aufwärts streben werden, als sich das heute die meisten Anleger vorstellen können!

24. Oktober 2013

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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