DAX erreicht Allzeithoch: Doch es gibt zu wenige Aktionäre

DAX mit Allzeithoch, aber noch immer keine ausgeprägte Aktienkultur in Deutschland. Japan: Gleiche Diagnose - andere Ursache. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Der DAX erreichte in dieser Handelswoche ein neues Allzeithoch und ist der 10.000-Punkte-Marke wieder ein ganzes Stück näher gekommen. Soweit die gute Nachricht.

Die schlechte Nachricht (zumindest für die Mehrzahl der Deutschen): Sie konnten davon nicht profitieren. Um genau zu sein, haben etwa 93% der Deutschen von den steigenden Aktienkursen in den vergangenen gut 2 Jahren nicht profitiert, da sie keine Aktien besitzen.

Stattdessen konnten sich vor allem ausländische Investoren über die positive Wertentwicklung der börsennotierten Unternehmen freuen. Selbst die Schweizer und Schweden, die sicherlich nicht als „Zocker“ gelten, besitzen deutlich höhere Aktionärs-Quoten.

Deutschland ist allerdings kein Einzelfall. Auch in Japan verzichten viele Sparer auf Aktien und damit langfristig auf einen zusätzlichen Vermögensaufbau.

Gleiches Ergebnis – andere Ursache

Während in Deutschland vor allem die im Crash 2000 bis 2003 erlittenen Verluste mit Aktien und die fehlende politische Unterstützung für eine Börsenverdrossenheit sorgen, sind die Ursachen im Land der aufgehenden Sonne überwiegend anderer Natur.

In Japan führen hauptsächlich zwei Ursachen dazu, dass es keine erwähnenswerte Aktienkultur gibt: Zum einen herrschte in Japan über viele Jahre Deflation (Deflation bedeutet vereinfacht gesagt: der Wert des Geldes steigt) und zum anderen waren zuletzt viele Großunternehmen wenig rentabel.

Seit Jahren besitzen sowohl institutionelle als auch private Anleger in Japan nur kleine Aktienbestände. Bargeld und Anleihen wurden dagegen stark übergewichtet. Die Zins-Rendite der beliebten Sparformen lag in etwa bei 0%. Dadurch, dass infolge der Deflation die Vermögenswerte risikofrei zunahmen, war diese Strategie trotzdem für viele sinnvoll.

Dax30 – Erneut an der 200 Tage-Linie gescheitert!

Dax30 – Erneut an der 200 Tage-Linie gescheitert!Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Video-Newsletters „John Gossens Daily Dax.“ Täglich analysiere ich für Sie den Dax Index und einen Dax30 Einzeltitel. US Börsen im Höhenflug Während der… › mehr lesen

Und so kommt es, dass in Japan derzeit nur rund 8% des Sparvermögens in Aktien investiert sind. Zum Vergleich: Das ist in etwa die Hälfte des europäischen Durchschnittswertes. Ähnlich sieht es übrigens bei den japanischen Firmen aus. Deren Barbestände sind seit Beginn der Finanzkrise um etwa ein Drittel gestiegen.

Doch im Augenblick erlebt Japan eine Zeitenwende. Die japanische Regierung und die Notenbank kurbeln mit aller Macht die Inflation an. Die Hoffnung besteht darin, dass sich eine Inflation stark auf das Sparverhalten in Japan auswirkt und im Idealfall der Faktor Kapital wiederbelebt wird.

So will Japan den Kurswechsel einleiten

Wie schon erwähnt, ist die erste gemeinsame Maßnahme von Regierung und Notenbank, dass alles getan wird, um die Inflation anzukurbeln. Denn in einem inflationären Umfeld müssen Investoren den Bestand an risikoreicheren Kapitalanlagen ausbauen, um nach Abzug der Inflation noch eine positive Realrendite zu erzielen.

Tritt dieses Szenario so ein, würde dadurch das bislang „tote“ Kapital zurück in den Wirtschaftskreislauf fließen.

Weitere Schritte bestehen beispielsweise darin, dass einige Unternehmen Aktiensplits durchführen und die Mindesthandelseinheiten verringern. Zudem kletterte die Dividendensumme japanischer Unternehmen bereits im vergangenen Jahr auf einen neuen Rekordwert von insgesamt 4,6 Billionen Yen.

Verbesserung der Aktienkultur nötig – Fortsetzung folgt

In der kommenden Woche folgt hier im „Schlussgong“ eine Fortsetzung zu diesem Thema. Darin werde ich mich noch intensiver mit der Aktienkultur in Japan und den Maßnahmen zur Verbesserung dieser beschäftigen.

Festzuhalten bleibt schon jetzt: Die Aktienkultur muss in Ländern wie Deutschland und Japan verbessert werden. In Anbetracht eines noch über Jahre niedrig bleibenden Zinsniveaus ist dies nahezu der einzige Weg, keinen Kaufkraftverlust mit den Spareinlagen zu erleiden.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.