DAX: Es hapert an der Charttechnik

Solange sich die Charttechnik nicht gravierend bessert, bleibt es schwer für den DAX. (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Von Februar bis Anfang November 2017 kletterte der DAX von etwa 11.700 auf 13.525 Zähler. Das bedeutete seinerzeit ein neues Rekordhoch für den deutschen Leitindex.

Wenn Sie einmal von dem ausgesprochen kurzlebigen und nur marginalen Allzeithoch (13.596) vom 23. Januar dieses Jahres absehen, bewegt sich der DAX seit 10 Monaten in der eingangs genannten Handelsspanne.

Während die Wall Street zuletzt schon wieder neue Bestmarken erklomm, herrscht beim deutschen Leitindex „Tristesse pur“. Verantwortlich dafür sind vor allem auch die Börsenmedien.

Doch wie ich Ihnen schon einmal vor anderthalb Wochen aufgezeigt hatte: Die wahre Ursache liegt woanders.

Die Stimmung ist besser, als man Ihnen weismachen möchte

In den Marktkommentaren muss seit Beginn des Handelsstreites Mitte Januar 2018 dieser immer wieder als Begründung für die schwache Markttendenz herhalten. Und Sie wissen:

Wenn uns nur lange genug etwas eingeredet wird, glauben wir am Ende noch selbst daran: Irgendwann nagt der Zweifel an unserer eigenen Einschätzung und wird stärker.

Der Handelsstreit soll die betroffenen Unternehmen viel Geld kosten – wenn er sich denn zu einem Krieg ausweitet. Der ifo-Geschäftsklimaindex sagt indes etwas anderes:

Er kletterte im August von 101,7 auf 103,8. Das ist der höchste Stand seit Februar dieses Jahres! Falls Sie diesen Indikator nicht kennen:

Was ist der ifo-Geschäftsklimaindex?

Hinter dem Kürzel ifo verbirgt sich das ifo Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München.

Der seit 1972 ermittelte Index basiert auf rund 7.000 monatlichen Meldungen von Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes, des Bauhauptgewerbes, des Großhandels und des Einzelhandels.

Die Unternehmen beurteilen darin ihre Geschäftslage und Erwartungen für die nächsten 6 Monate. Werte über 100 belegen eine positive Einschätzung der beteiligten Firmen.

Die deutschen Unternehmen sind positiv gestimmt

Sie sehen: Die deutschen Unternehmen beurteilen ihre eigene Geschäftslage gegenwärtig und für die kommenden 6 Monate positiv. Nicht nur das: Die Erwartungen sind gerade im abgelaufenen Monat so kräftig gestiegen, wie seit langer Zeit nicht mehr!

Der wahre Grund für die Schwäche der DAX-Aktien liegt woanders: Ich hatte Ihnen die Hintergründe schon einmal vor 12 Tagen erläutert – es ist die Charttechnik.

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Aktuelle Charttechnik-Auswertung der DAX-Aktien

Die Charttechnik bietet uns zahlreiche Möglichkeiten, um die Aktienmärkte zu analysieren. Indikatoren geben Ihnen Aufschluss über den Zustand der Märkte.

In meiner Datenbank werte ich – rechnerisch – auch für die 30 DAX-Aktien charttechnische Kriterien wie Tagelinien, MACD, Relative Stärke Index, Relative Stärke, Momentum und viele andere aus.

In dem von mir kreierten Punktesystem sind 0 bis 15 Zähler erreichbar. Eine Aktie mit einer Punktzahl von 15 wird mithin als charttechnisch überragend eingestuft.

Charttechnik DAX-Aktien: Besser, aber noch lange nicht gut!

Für einen besseren Vergleich habe ich in die Tabelle auch die Daten der letzten Auswertung vom 22. August 2018 eingearbeitet. So können Sie schnell ablesen, welcher DAX-Titel sich seither charttechnisch wie verbessert oder verschlechtert hat.

Fazit

10 Aktien haben aktuell einen überdurchschnittlichen Charttechnik-Wert, also von mehr als 7. Das sind immerhin 3 DAX-Titel mehr als noch vor 12 Tagen.

Und tatsächlich hat sich die Charttechnik insgesamt um 34 Punkte verbessert: Der Mittelwert erhöhte sich von 4,00 auf 5,13. Das ist erfreulich, aber eben auch noch immer unterdurchschnittlich.

Wenn Sie einmal genauer hinschauen, dann sind die Ursachen für die miese Charttechnik bei vielen Unternehmen „hausgemacht“:

  • Die Auto-Hersteller begleitet weiterhin der Abgasskandal.
  • Bayer wird von der übernommenen Monsanto belastet.
  • Die Banken bemühen sich um einen Strukturwandel.
  • Die Versorger leiden unter der Atomkraft-Diskussion.

Das sind nur einige stellvertretende Beispiele. Nicht wenige dieser charttechnisch unterdurchschnittlichen DAX-Unternehmen haben auch noch Probleme, Gewinne zu erwirtschaften oder sie zumindest zu halten.

Doch das alles hat nichts oder sehr wenig mit dem von den USA in die Welt getragenen Handelsstreitigkeiten zu tun. Ich halte die Charttechnik für die DAX-Aktien für Sie weiter im Blick!


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.