DAX: Glauben Sie noch oder achten Sie schon?

Eine feste Meinung zur künftigen Markt-Entwicklung zu haben kann nur allzu leicht zum bösen Boomerang werden. Andreas Sommer klärt auf: (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Was glauben Sie, wie sich die Aktienmärkte in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln werden? Erwarten Sie vielleicht in Kürze den großen Crash?

Gründe dafür finden Sie gewiss haufenweise – wenn Sie danach suchen:

  • beispielsweise Donald Trump, dessen „America first“-Politik laut der neuesten Bertelsmann-Studie den USA langfristig schaden wird,
  • oder die Tatsache, dass die Aktienmärkte nun schon seit dem Jahr 2011 ohne größere Korrektur nach oben laufen. Da MUSS es doch bald einmal krachen, nicht wahr?!
  • Nicht wenige Analysten warnen, dass die Börsen – allen voran die Wall Street – in vielerlei Hinsicht überbewertet seien.

Ich könnte hier noch viele andere Punkte anführen. Aber ich belasse es dabei und möchte die genannten Punkte an dieser Stelle auch gar nicht diskutieren.

(M)eine Lektion für’s Börsianer-Leben

Was ich Ihnen jedoch weitergeben möchte, ist eine Lektion, die ich vor vielen Jahren gelernt habe:

Die Märkte entwickeln sich NIE so, wie Sie und ich es glauben, denn sie interessieren und scheren sich in keinster Weise um unsere Marktmeinungen.

Wenn Sie eine Einschätzung entwickeln möchten, wie sich die Aktienmärkte entwickeln könnten, dann müssen Sie auf deren Signale achten!

Sommerloch: Traditioneller DAX-Rückgang bis Oktober

Ich gebe Ihnen ein Beispiel:

Der deutsche Aktienmarkt fällt ab Ende Juli, Anfang August bis Ende Oktober traditionell in ein „Sommerloch“. Der nachfolgende Saisonal-Chart verdeutlicht das:

dax saisonal-chart1_12-09-2017

DAXSommerloch: Traditioneller Rückgang bis Oktober

Zur Erinnerung: Der Saisonal-Chart spiegelt den addierten Durchschnitt der Kurse der vergangenen – in diesem Fall 40 – Jahre wider.

Der Kursverlauf ist eindeutig: Der DAX gibt von Ende Juli / Anfang August bis Ende Oktober im Durchschnitt der vergangenen 40 Jahre deutlich nach.

Tatsächlich ist diese Phase laut Saisonal-Chart die einzige, in der man im DAX nicht unbedingt investiert sein sollte.

Untergeordnete saisonale Verkaufs-Signale werden traditionell im Januar und Mai generiert – aber eben mit weniger gravierenden Folgen.

Verpassen Sie nicht die besten Gelegenheiten!

Also sollten Sie sich von Ende Juli, Anfang August bis Ende Oktober von deutschen Aktien fernhalten, weil es ja eh nichts zu verdienen gibt, richtig? – Falsch!

Wenn Sie nur danach handeln, was Sie glauben, statt auf die Signale des Marktes zu achten, dann werden Sie die besten Gelegenheiten verpassen.

Das zeigt Ihnen der nächste Chart, in den ich nun zusätzlich auch den DAX-Verlauf der vergangenen 12 Monate eingeblendet habe.

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dax saisonal-chart2_12-09-2017

DAX ignoriert im Jahr 2017 die saisonalen Muster weitgehend

Überraschung, Überraschung: Der DAX handelt im Jahr 2017 entgegen seinem saisonalen Muster und durchbricht schon Anfang September den Abwärtstrend.

Wenn Sie noch einmal genauer hinschauen, dann fällt Ihnen eine weitere Besonderheit auf:

Das „Sommerloch“ begann für den DAX in diesem Börsenjahr bereits Mitte Juni, also rund 6 Wochen früher als „geglaubt“.

Schauen Sie bitte noch ein 3. Mal auf die Grafik:

Der DAX hat sich in diesem Jahr auch schon in den Phasen mit den saisonalen Zwischen-Signalen NICHT wirklich an die traditionellen Muster gehalten.

Fazit und Empfehlung

Ich habe Ihnen das an dieser Stelle schon unzählige Male geschrieben und wiederhole es gerne:

Vergessen Sie, was Sie in Marktkommentaren zum Börsen-Geschehen zu lesen oder hören bekommen!

Oder noch besser: Ignorieren Sie die Marktkommentare schlichtweg!

Denn diese bemühen sich ausschließlich darum zu erläutern, was warum an den Börsen geschehen ist. Doch das ist „Schnee von gestern“!

Weit wichtiger für Ihre Investments ist, was die Märkte TUN WERDEN und was sie Ihnen mit ihren Bewegungen vermitteln:

Signalisieren Ihnen die Aktienmärkte einen Angebots- oder Nachfrage-Überhang? Werden gerade Kauf- oder Verkaufs-Signale ausgebildet?

Um dies beurteilen zu können, hilft Ihnen die Charttechnik am besten. Daher noch einmal mein gut gemeinter Rat:

Glauben Sie nicht zu wissen, wie sich die Aktienmärkte entwickeln werden. Denn dann suchen Sie ausschließlich nach Hinweisen, die IHRE Ansicht bestätigen.

Und glauben Sie mir: Sie finden immer Belege, die Ihre Meinung stützen – und wenn nicht, dann „schnitzen“ Sie sich nur zu gerne selbst welche!

Nur wenn Sie „offen“ bleiben und bereit sind, aufgrund von Marktsignalen Ihre Markt-Einschätzung jederzeit anzupassen, werden Sie erfolgreich auf den Wellen des Marktgeschehens surfen.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.