DAX-Index-Analyse: Wie wirkt sich der VW-Skandal aus?

Nach China und FED jetzt VW! Dem DAX-Index bleibt nichts erspart! Michael Sturm analysiert die Szenarien und benennt Grenzen und gibt Tipps. (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

„Eins kommt zum Anderen“, diese Phrase scheint sich aktuell für den DAX-Index zu bewahrheiten.

Nach dem China-Schock mit seinem Gipfel am 24. August musste der DAX-Index am Donnerstag vergangener Woche die erneute Verschiebung der Zinserhöhung (warum?) seitens der FED verdauen.

Am Tag darauf, ausgerechnet auch noch der „dreifache Hexensabbat“ (Quartalsverfall von Optionen und Futures) quittierten die Anleger und Investoren die bleibende Unsicherheit bezüglich der US-Zinspolitik mit einem kräftigen Minus.

Gleich nach dem Wochenende schockierte dann die Meldung über die Manipulation von Abgaswerten durch Volkswagen die Börsianer.

Man braucht keinen Hehl daraus zu machen, die Belastungen für den deutschen Aktienindex reißen einfach nicht ab.

Das Kopfschütteln und das Unverständnis verstärken sich. In einem Jahr, in dem die DAX-Unternehmen hervorragende Gewinne einfahren und die Geschäfte brummen, verliert der DAX-Index fast 3.100 Punkte vom Jahreshoch im April bis zum Intraday-Tief in nur 5 Monaten!

Nehmen wir Beispiele aus der Vergangenheit, dann waren dies Kauftage. Denn eines ist klar! Die Aktien sind keinesfalls überbewertet und das wirtschaftliche Umfeld mit tiefen Zinsen und einem günstigen Euro bleibt weiterhin positiv für die DAX-Unternehmen.

Charttechnisch sollten Sie allerdings einige markante Grenzen im Auge behalten. Denn die „neue Börse“ wird auch massiv von einem Computerprogrammhandel gesteuert, der an charttechnisch markanten Punkten einfach Käufe bzw. Verkäufe auslöst.

Ob nun rational oder irrational, der Computer im Programmhandel wird nicht mit harten Unternehmensfakten gefüttert, sondern lediglich mit charttechnischen Daten. Deshalb ist es mehr denn je wichtig, hierüber Bescheid zu wissen.

Wir beginnen zunächst mit der kurzfristigen Analyse und dem Blick auf den 1-Monatschart des DAX-Index:

DAX 2309 1m

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

Flagge nach unten aufgelöst

Seit dem „China-Crash“ konnte sich der DAX-Index zunächst gut stabilisieren. Er zeigte dabei ein charttechnisches Flaggenmuster (blaue Trendlinien). Innerhalb dieser Flagge verhielt sich der DAX-Index sehr unentschlossen und schwankungsstark. Die hohen Schwankungen werden anhand der unüblich vielen GAP´s (Kurslücken, schwarze Ellipsen) deutlich.

Diese Flagge wurde nun nach unten aufgelöst. Der Hintergrund ist bekannt: Die bleibende Zinsunsicherheit nach dem FED-Entscheid und der VW-Skandal.

In den vergangenen 3 Tagen bildete sich ein steiler und schmaler Abwärtstrend (rote Linien). Außer den Begrenzungen dieses Trendkanals und den leichten Widerständen (grüne Treppen) kann aus dem 1-Montas-Chartbild des DAX-Index keine richtungsgebende Signalwirkung gewonnen werden.

Dazu müssen wir ein breiteres Zeitfenster wählen und analysieren zunächst den 8-Monatschart:

DAX 2309 8m

Dax30 – Dynamik lässt nach…

Dax30 – Dynamik lässt nach…Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Video-Newsletters „John Gossens Daily Dax.“ Täglich analysiere ich für Sie den Dax Index und einen Dax30 Einzeltitel. Der heutige Wochenstart Die Vorgaben der… › mehr lesen

DAX-Chart 8 Monate (Tagesbalken)

Fehlsignale im irrationalen Markt

Ich habe im 8-Monatschart des DAX-Index den abwärts gerichteten Trendkanal seit dem Jahreshoch vom April dieses Jahres eingezeichnet (rote Trendlinien). Innerhalb dieses Trendkanals hat der DAX-Index vom Hoch zum Intraday-Tief -3.100 Punkte oder -25% abgegeben.

Was gut erkennbar ist, dass die beiden Ausbruchsversuche an der Oberseite (rote Kreise und Pfeile) jeweils nicht von nachfolgendem Aufwärtspotenzial vervollständigt wurden. Das ist überraschend unüblich, weil es sogar 2 Ausbrüche hintereinander waren, in denen es dem DAX-Index nicht gelang, daran positiv anzuknüpfen. Das deutet auf einen irrationalen Markt hin, weil eben nicht rational.

Nun ist das Gleiche an der Unterseite geschehen! (blaue Kreise und Pfeile). Die Frage ist jetzt, sind das ebenfalls Fehlsignale? Zumindest besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass auch diese beiden Ausreißer vom irrationalen Markt getriebene Fehlsignale sind.

Das muss jetzt genau beobachtet werden, denn ein eintauchen in den vorher bestimmenden Trendkanal könnte dann zunächst eine Gegenreaktion bis zum Widerstand auslösen (grüne Horizontale). Dieser liegt aktuell bei 10.600 Punkten. Sollte eine Rückkehr allerdings nicht gelingen, dann sind tiefere Kurse vorprogrammiert.

Die nächsten Tage geben also Aufschluss über die weitere Entwicklung. Wenn Sie mich nach einer Wahrscheinlichkeit befragen, so würde ich mit 50:50 antworten.

Wohin dann die Reise führen kann, sehen wir erst im 5-Jahreschart:

DAX 2309 5j

DAX-Chart 5 Jahre

5-Jahrestrend leicht unterschritten, aber VW ist als Sonderfall zu betrachten

Der seit dem Crash in 2011 ausgebildete Aufwärtstrendkanal (blauer Trendkanal) ist in den vergangenen 5 Jahren an der Unterseite mehrfach erfolgreich getestet worden.

Die jüngsten Korrekturbewegungen im DAX-Index haben ihn jetzt kurzfristig unter die untere Trendbegrenzung zurückgeführt (schwarzer Pfeil). Ob dies ein signifikanter Ausbruch ist oder aufgrund des ungewöhnlichen VW-Effektes (VW ist für -130 Punkte im DAX verantwortlich) eine Ausnahme bildet, bleibt erst abzuwarten.

Für den Fall eines signifikanten Durchbruchs (DAX unter 9.700 zum Wochenschluss) ist als neues Ziel die 9.000er Marke auszumachen (grüne Horizontalunterstützung).

Aber das Chartbild zeigt auch eindeutig, dass ein Kursabsturz wie in 2011 eigentlich schon geschehen ist. Prozentual war es damals zwar ein wenig mehr, aber -25% Kursrückgang im DAX-Index seit April dieses Jahres ist ein dicker Happen!

FAZIT: Irrationaler Markt mit vielen Fehlsignalen

Die erhoffte Klarheit zur US-Zinspolitik blieb uns leider verwehrt. Zusätzlich belastet der VW-Skandal. Der DAX hat es nicht leicht in diesen Zeiten.

Und das bedeutet eindeutig für Sie: RAUSHALTEN! Pulver trocken halten und Liquidität aufstocken. Denn die nächste Hausse wird kommen und dann winken überhohe Profite.

 


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

Tauchen Sie ein in die neue Dimension des Handelns an der Börse. Mit seinen Börsendiensten 30-Prozent-Trader und 5-Minuten-Trader arbeiten mehr als 2 Jahrzehnte Erfahrung und geballte Leidenschaft für die Finanzmärkte für Ihr Depot. Seine ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Trading-Strategien sind dabei stets geprägt von Michael Sturms Motto: Gewinnen mit Verstand und ruhiger Hand!