DAX-Index: Anzeichen für eine Wende!

-25% seit April! Gelingt jetzt die Wende? Michael Sturm analysiert die Szenarien und benennt Grenzen und gibt Tipps. (Foto: Deutsche Börse AG)

Der DAX-Index hat seit seinem Aprilhoch knapp 25% an Wert eingebüßt. Das sind Werte, die durchaus auf einen Crash passen. Aber dies hat er aktuell ja bereits hinter sich!

Die Knackfrage ist jetzt: „War es das oder entwickelt sich ein längerer Bärenmarkt?“

In der folgenden Analyse werden Sie erkennen, dass es doch eine ganze Reihe an positiven Merkmalen im Chartbild gibt, die auf einen Boden hindeuten.

Um der Frage nach einem eventuellen Boden nachzugehen, analysieren wir zunächst den kurzfristigen 1-Monatschart des DAX-Index:

DAX 3009 1m

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

Kurzfristigen Abwärtstrend beendet, Chance auf kurzfristigen Doppelboden

Seit dem „China-Crash“ konnte sich der DAX-Index zunächst gut stabilisieren. Er zeigte dabei ein charttechnisches Flaggenmuster (schwarze Trendlinien). Innerhalb dieser Flagge verhielt sich der DAX-Index sehr unentschlossen und schwankungsstark. Die hohen Schwankungen werden anhand der unüblich vielen GAP´s (Kurslücken, schwarze Ellipsen) deutlich.

Diese Flagge wurde nach unten aufgelöst. Der Hintergrund ist bekannt: Die bleibende Zinsunsicherheit nach dem FED-Entscheid und der VW-Skandal.

Verstärktes Kaufinteresse bei 9.350/9.400 Punkten zu beobachten

Nach Bruch der Flagge an der Unterseite bildete sich ein steiler und schmaler Abwärtstrend (rote Linien). Dieser wurde zum Wochenschluss am vergangenen Freitag endlich überwunden.

Der DAX konnte sich bis an den Widerstand bei etwa 9.725/9.750 Punkte erholen, bevor er dann abermals in Richtung Tiefpunkte bei etwa 9.350/9.400 abtauchte. In dieser Gegend kam mehrfach verstärkt Kaufinteresse auf und zog den Index wieder nach oben.

Mit dem heute stark begonnenen Börsentag (DAX aktuell bei 9.630 Punkte 9:18 Uhr) besteht eine gute Chance auf einen Doppelboden in kurzfristiger Hinsicht (blaue W-Linie). Ein Doppelboden in W-Formation hat in der Charttechnik eine sehr stabile und stark unterstützende Funktion. Oftmals sind dies Wendepunkte im Trend.

Die Bestätigung dieses positiven Szenarios ist allerdings erst mit Überwindung des Zwischenhochs gegeben. Es liegt bei etwa 9.725/50 Punkten (grüne Horizontallinie).

Achten Sie auf diese entscheidende Marke bei 9.725/50 Punkten

Gelingt dem DAX-Index hier der Sprung über diese Marke, dann winken schon bald wieder 10.000 Punkte. Prallt er ab, dann muss abgewartet werden, wie fest die doppelte Unterseite wirklich war.

Wie sich das mittelfristig auswirkt, analysieren wir im 8-Monatschart:

DAX 3009 8m

DAX-Chart 8 Monate (Tagesbalken)

Erst Doppeltop und jetzt Doppelboden?

Ich habe im 8-Monatschart des DAX-Index den abwärts gerichteten Trendkanal seit dem Jahreshoch vom April dieses Jahres eingezeichnet (rote Trendlinien). Innerhalb dieses Trendkanals hat der DAX-Index vom Hoch zum Intraday-Tief -3.100 Punkte oder -25% abgegeben.

Das sind durchaus Abschläge in der Größenordnung eines Crashs. Aber sie sind ja bereits geschehen und wir befinden uns nun auf diesem niedrigen Kursniveau. Wie geht es nun weiter?

Was gut erkennbar ist, dass die beiden Ausbruchsversuche an der Oberseite (rote Kreise und Pfeile) jeweils nicht von nachfolgendem Aufwärtspotenzial vervollständigt wurden. Das ist überraschend unüblich, weil es sogar 2 Ausbrüche hintereinander waren, in denen es dem DAX-Index nicht gelang, daran positiv anzuknüpfen.

Das deutet auf einen irrationalen Markt hin, weil eben nicht rational. Die Ausbildung eines Doppeltops außerhalb der Trendrange habe ich Ihnen rot eingezeichnet.

Doppelboden im Doppelboden?

Nun ist das Gleiche an der Unterseite geschehen! (blaue Kreise und Pfeile). Die Frage ist jetzt, sind das ebenfalls Fehlsignale mit der Ausbildung eines Doppelbodens in W-Formation?

Zumindest besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass auch diese beiden Ausreißer vom irrationalen Markt getriebene Fehlsignale sind. Der VW-Skandal ist ja ein unkalkulierbares und ebenfalls völlig irrationales Element, welches den Gesamtmarkt deutlich verzerrte.

Rein charttechnisch deutet sich ein Doppelboden an (blaues W). Diese größere mittelfristige W-Formation ist allerdings erst bestätigt, wenn der Dax-Index auch hier (wie schon im kurzfristigen Chartbild) das Zwischenhoch des W überwindet. Es liegt bei etwa 10.500 Punkten. Gelänge hier der Durchbruch, dann können Sie mit einer fulminanten Weihnachtsrally/Jahresendrally rechnen.

2 Stützen für ein positives Szenario

Es ist allerdings noch ein gutes Stück bis dahin. Positiv wäre aber zunächst schon, wenn die W-Formation aus der kurzfristigen Analyse bestätigt werden würde. Dann könnte der DAX-Index einen W-Boden in einem W-Boden markieren, was die Chancen auf das positive Szenario durchaus stark erhöhen würde.

Zusätzlich stützend wirkt sich die deutlich überverkaufte Marktlage aus. Der MACD-Indikator (hellblau-orangene Linie unter dem Chartbild) hat zurzeit stark netgative Werte, welche auf ein deutlich überverkauftes Szenario hinweisen.

Das bedeutet, eine Rally könnte sehr schnell durch eine „Short-Squeeze“ (DAX-Bären müssen Ihre massiven Short-Positionen zurückkaufen) ausgelöst werden. Damit würden die Chancen auf eine positive Ausbildung eines mittelfristigen W-Doppelbodens deutlich steigen.

Die nächsten Tage geben also Aufschluss über die weitere Entwicklung. Wenn Sie mich nach einer Wahrscheinlichkeit für das positive Szenario befragen, so würde ich mit 60:40 antworten.

Abschließend ein Blick auf den 10-Jahreschart:

DAX 3009 10j

DAX-Chart 10 Jahre

5-Jahres-Haussetrend leicht unterschritten, aber VW ist als Sonderfall zu betrachten

Der seit dem Crash in 2011 ausgebildete übergeordnete Aufwärtstrendkanal (blauer Trendkanal) ist in den vergangenen 5 Jahren an der Unterseite mehrfach erfolgreich getestet worden.

Die jüngsten Korrekturbewegungen im DAX-Index haben ihn kurzfristig unter die untere Trendbegrenzung gedrückt. Ob dies ein signifikanter Ausbruch ist oder aufgrund des ungewöhnlichen VW-Effektes (VW ist für -150 Punkte im DAX verantwortlich) eine Ausnahme bildet, bleibt erst abzuwarten.

Für den Fall eines signifikanten Durchbruchs (DAX unter 9.700 zum Wochenschluss) ist als neues Ziel die 9.000er Marke auszumachen (rote Horizontalunterstützung).

Aber das Chartbild zeigt auch eindeutig, dass ein Kursabsturz wie in 2011 eigentlich schon geschehen ist. Prozentual war es damals zwar ein wenig mehr, aber -25% Kursrückgang im DAX-Index seit April dieses Jahres ist ein dicker Happen!

FAZIT: Herbstlich stürmisch, aber durchaus Chancen auf einen positiven Jahresendverlauf.

Eventuell hilft noch die US-amerikanische FED diesmal. Denn die aus der vergangenen Sitzung noch versprühte Unsicherheit könnte bei der nächsten Sitzung schon einer Klarheit über die US-Zinspolitik weichen. Janet Yellen kündigte ja bereits konkretere Aussagen an.

Zusammengenommen mit dem zum Jahresende üblichen „Window Dressing“ hat der DAX-Index einige positive Pfeile im Köcher, um das Jahr noch deutlich positiv zu beschließen.

Aktuell gilt aber: NOCH RAUSHALTEN! Pulver trocken halten und Liquidität aufstocken. Die nächste Hausse wird kommen und dann winken überhohe Profite.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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