DAX-Index: Brexit-Jojo! Wie Sie sich als DAX-Investor verhalten sollten

Ich möchte dringend vorangestellt anmerken! Die Reaktionen nach der Abstimmung der Briten über den EU-Verbleib werden kurzfristig dramatisch erscheinen, aber mittel- und langfristig keinesfalls richtungsweisend sein. Es kann zu Überreaktionen kommen!

Deshalb rate ich allen Lesern: Halten Sie sich raus aus diesem Casinospiel !!!

Ich schrieb Ihnen ja schon vor genau einer Woche an dieser Stelle über den Brexit: Für mich gilt: „Politische Börsen haben kurze Beine!“ Dass sie so kurz sind, kommt überraschend. Meine langen Ausführungen zu diesem Thema sind allerdings in den Hintergrund getreten.

Ein sehr trauriges negatives Ereignis hat dazu beigetragen, dass die globalen Aktienmärkte und Währungsmärkte auf dem Fuße wendeten und sich erholten. Es ist die feige Ermordung der EU-Befürworterin und britischen Abgeordneten Jo Cox. Am 16. Juni geschah das abscheuliche Attentat und führte posthum zu einer Stimmungsumkehr bei den Briten. Das wirkte sich auch auf die Finanzmärkte aus.

Wie punktgenau dies zusammenhängt, sehen Sie in der kurzfristigen Analyse und dem Blick auf den 1-Monatschart des DAX-Index:

DAX 2206 1M

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

V-Umkehr durch Stimmungsumschwung bei den Briten

Sie sehen im Chartbild den scharfen DAX-Rückgang, seitdem die Brexit-Angst umgeht. Gut -850 Punkte verlor der DAX-Index in wenigen Tagen. Die Unsicherheit ist auch an den vielen GAPs (Kurslücken, schwarze Ellipsen) zu erkennen. Sie treten immer dann auf, wenn Investoren und Anleger schon vor dem Börsenstart durch eine Tür wollen.

Dann, am 16. Juni geschah das fürchterliche Attentat auf die Abgeordnete Jo Cox (roter Kreis). Der resultierende Stimmungsumschwung unter der britischen Bevölkerung machte auch auf dem Parkett schnell die Runde und sorgte für eine deutliche Erholung der Kurse.

An den Folgetagen setzte sich diese Meinung (Briten stimmen für EU) immer mehr durch und die Kurse stiegen dynamisch weiter an. Dabei wurde am Montagmorgen ein Riesen-GAP (Kurslücke) aufgerissen. Derartige GAPs haben in der Charttechnik die Bedeutung, dass sie in der Regel eine Art Anziehungskraft entwickeln, um diese aufgerissene Kurslücke zu schließen.

Das würde bedeuten, der DAX-Index müsste rein charttechnisch noch einmal in Richtung 9.650 Punkte marschieren, um dieses Kurslücke zu schließen. Das muss nicht zwingend in unmittelbarer Folge geschehen, sondern kann auch noch Wochen und Monate später akut werden..

Nach oben 10.250 Punkte als Widerstand

Es gibt außer der neuen Widerstandslinie (rote gestrichelte Trendlinie) bei etwa 9.250 Punkten im 1-Monatschart keine charttechnischen Anhaltspunkte für den weiteren Verlauf des DAX-Index.

Wesentlich mehr Anhaltspunkte liefert der Blick auf den 1-Jahreschart des DAX-Index:

DAX 2206 8M

DAX-Chart 1 Jahr (Tagesbalken)

Volatiler DAX-Verlauf in 2016: Mittelfristiger Abwärtstrend noch voll intakt

Sie erkennen im 1-Jahreschart vom DAX-Index einen mittelfristigen übergeordneten Abwärtstrend (rote Trendlinien). Innerhalb dieses Trendkanals hat der Index die Ober- und Unterseite mehrfach getestet. Zuletzt fehlte aber die Kraft, erneut an die Oberseite zu laufen. Gleich zweimal bestand die Chance, nach oben an den Trend heranzulaufen. Doch auch zweimal versagten den DAX-Bullen die Kräfte.

Die Brexit-Angst sorgte dann für den Abschwung bis auf die Unterstützung bei 9.500 Punkten (obere grüne Horizontallinie). Dort drehte der DAX-Index am 16. Juni aus den bekannten Gründen auf dem Fuße und marschiert in Richtung obere Begrenzung.

Widerstand bei 10.250 und bei 10.850 Punkten

Durch die gelungene V-Umkehr hat der DAX-Index nun Chancen, zunächst bis an die Widerstandslinie bei 10.250 Punkten heran zu laufen (rote gestrichelte Trendlinie). Sie resultiert aus den 3 Hochpunkten von April und Anfang Juni, hat aber auch durch die Zwischenhochs vom November und Dezember 2015 noch etwas mehr Gewicht erhalten.

Neuer 2016er Aufwärtstrend in Arbeit

Es besteht die Chance, dass der DAX-Index einen neuen 2016er Aufwärtstrend etabliert. Wie schon in der vergangenen Ausgabe von mir geschlussfolgert, hatte diese Trendausbildung nur Aussicht auf Erfolg, wenn der DAX-Index die 9.500er Marke hielt und dort drehte. Das hat er nun tatsächlich geschafft und Sie müssen die untere Trendbegrenzung dieses neuen aufwärts gerichteten Trendkanals (blauer Trendkanal) nun beachten.

Sie wird dem Index neben den tiefer angesiedelten Horizontalunterstützungen bei 9.500 und 9.300 Punkten (grüne Horizontallinien) eine weitere Stütze bieten. Aktuell liegt sie bei 9.650 Punkten, welches auch gleichzeitig die GAP-Untergrenze des Montags-GAPs darstellt.

Dreiecksformation in Aussicht

Zusammengenommen mit der oberen Begrenzungs-Trendlinie des Abwärtstrends bildet die untere Begrenzungslinie des Aufwärtstrends eine Dreieckzone (schwarz schraffierter Bereich)!

Wenn nicht Morgen die überaus wichtige und vielbeachtete Abstimmung der Briten über den EU-Verbleib wäre, dann würde der DAX-Index mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächsten Wochen bis in den Hochsommer hinein innerhalb dieser Dreieckszone verweilen.

„Brexit-Abstimmung“ dominiert

Aber die „Brexit-Abstimmung“ kann die Märkte gehörig durcheinanderwirbeln. Ein Austrittsvotum würde an den globalen Aktienmärkten zu massiven Kursverlusten führen. Vor allem die Währungsmärkte dürften sehr empfindlich reagieren. Ein Absturz des Pfundes gegenüber dem US-Dollar und auch des Euro gegenüber dem US-Dollar ist zu befürchten.

Im Brexit-Falle ist es wohl sehr wahrscheinlich, dass in einer ersten Überreaktion das Unterstützungsbündel von 9.650/9.500/9.300 Punkten wie Butter durchstoßen wird. Danach ist die 8.750-Punkte-Marke – das bisherige Jahrestief aus Februar – die Testgröße. Hält auch sie nicht, müssten Sie sich auf ein Abgleiten bis auf die untere Begrenzung des mittelfristigen Abwärtstrendkanals einstellen. Dieser liegt bei etwa 8.200 Punkten.

Langfristiges 10-Jahres-Chartbild des DAX-Index:

DAX 2206 10J

DAX-Chart 10 Jahre (Wochenbalken)

DAX erhält Unterstützung bei 9.000 Punkten aus dem Jahr 2014

Ich habe Ihnen im langfristigen 10-Jahres-Chartbild des DAX-Index die Unterstützung bei 9.000 Punkten eingezeichnet (untere grüne Horizontallinie). Sie stammt aus dem Jahr 2014 und bildete dort gleich 3 Mal den Wendepunkt für den DAX.

Langfristige Hausse nicht in Gefahr, Mittelfristig Abwärtstrend, kurzfristig unentschieden.

Im 10-Jahreschartbild vom DAX-Index erkennen Sie ganz eindeutig, wie sich aktuell je nach zeitlicher Betrachtung 3 verschiedene Trends ineinander verschachteln.  Als ungefährdeter Trend ist der langfristige Haussetrendkanal (breiter blauer Trendkanal) zu erkennen.

Diesem untergeordnet ist der seit 14 Monaten bestehende Abwärtstrend (roter Trendkanal). Es gibt sogar eine gute Chance, nach der am 16. Juni erfolgreich verteidigten 9.500er Marke einen kurzfristigen Aufwärtstrend für das Börsenjahr 2016 zu etablieren (hellblauer Trendkanal).

FAZIT:

Die Brexit-Abstimmung dominiert ganz klar den Handel!

Szenario 1: Briten bleiben in der EU

Sollten sich die Briten besonnen haben und Ihren Alleingang (ohne EU) abblasen, dann dürften die Märkte kurzfristig jubeln!

Ich betone kurzfristig aus zweierlei Gründen. Denn 1. hat es bereits im Vorfeld durch die geänderte jetzt Pro-EU-Stimmungslage eine dynamische Aufwärtsbewegung gegeben. Ein guter „Schluck aus der Pulle“ ist also schon geschehen. Und 2. haben „politische Börsen kurze Beine“. Denn rein wirtschaftlich hat sich bei einem Pro-EU-Votum nichts verändert.

Szenario 2: Briten stimmen für Brexit

Dies dürfte in erster Reaktion für sehr hektische Bewegungen an den Finanzmärkten sorgen. Und zwar nicht nur in Großbritannien und Europa, sondern global. Vor allem die Währungsmärkte würden höchstwahrscheinlich einen historisch noch nie da gewesenen Handelstag erleben!

Mein ganz ernst gemeinter Rat: Halten Sie sich bitte raus! Beteiligen Sie sich nicht am Casinospiel! Es wird geniale Chancen geben und einige Möglichkeiten, von diesem „Brexit“-Getöse mit guten Gewinnen zu profitieren. Aber erst, wenn es soweit ist!

 

22. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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