DAX-Index: Brexit-Nachlese! „Die Geister, die ich rief!“

Die Briten scheinen den Brexit schon jetzt zu bereuen. Die Mehrheit der jungen Briten war klar für einen EU-Verbleib. Aber die Wahlbeteiligung beim jungen Volk ließ zu wünschen übrig. Das erkennt auch die Politik und rudert bereits zurück. Wie jetzt der Brexit von statten gehen wird und ob die Briten nicht doch irgendwie EU-verbunden bleiben, steht in den Sternen.

Einzelreferenden in Nordirland und Schottland zur Abtrennung von England und dem Verbleib in der EU sind bereits in Arbeit. Selbst einer der Hauptinitiatoren der Anti-EU-Bewegung, Boris Johnson, zeigte sich überrascht von dem Wahlausgang und scheint irgendwie doch nicht so überglücklich zu sein.

Zumindest ist das seinen Kommentaren und seinem Verhalten zu entnehmen. Der englische Gesundheitsminister Jeremy Hunt schlägt sogar ein zweites Referendum vor.

Alles deutet daraufhin, dass die Briten sich da „verzockt“ haben und jetzt erst verwundert die Augen reiben, was sie sich da selber angetan haben. Es bleibt also spannend!

Der Schock und seine Folgen

Meine Analyse in der vergangenen Woche fand 1 Tag vor dem Referendum der Briten über den Verbleib in der EU statt. Ich riet Ihnen, sich da tunlichst rauszuhalten und Spekulationen anderen zu überlassen. Im unmittelbaren Vorfeld spekulierten Anleger und Investoren noch munter auf einen Verbleib der Briten in der EU. Sie zogen den DAX-Index bis auf knapp 10.350 Punkte nach oben.

Die Ernüchterung folgte dann prompt nach dem überraschenden Votum gegen einen EU-Verbleib. Der DAX und auch die meisten wichtigsten globalen Aktienmärkte fielen wie ein Stein!

Wie extrem diese Bewegung war, sehen Sie in der kurzfristigen Analyse und dem Blick auf den 1-Monatschart des DAX-Index:

DAX 2906 1M

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

Riesen-GAP von -650 Punkten

Sie sehen im kurzfristigen 1-Monats-Chartbild vom DAX-Index zunächst den Anstieg von fast +1.000 Punkten seit dem Mord an der britischen Pro-EU-Abgeordneten Jo Cox (roter Kreis). Weil die Stimmung unter den Briten in Richtung Pro-EU kippte, rechneten viele Investoren mit einem entsprechenden Wahlausgang.

Aber getreu dem Motto: „Unverhofft kommt oft“ stimmten die Briten gegen einen EU-Verbleib.

Vom unerwarteten Ausgang zutiefst geschockt eröffnete der DAX-Index am Freitagmorgen mit einem Riesen-GAP (Kurslücke). -650 Punkte tiefer begann die Sitzung. Im Tagestief verlor der Index sogar -1.000 Punkte, bevor er sich gegen Börsenschluss erholen konnte. So ein GAP habe ich trotz meiner nunmehr 32-jährigen Börsenkarriere noch nicht erlebt!

Zurückzuführen ist das eindeutig auf die Spekulationen im Vorfeld des Referendums. Die Spekulanten sahen sich am Freitagmorgen gezwungen, Ihre Long-Positionen zurückzuholen, das führte zu der Situation: „Alle durch eine Tür“.

Das zeigt wieder einmal, wie wichtig es ist, sich vor solchen Ereignissen besonnen zu verhalten. Ich riet Ihnen hier mehrfach zur Zurückhaltung. Alles andere ist Casinospiel und hat rein gar nichts mit seriöser Kapitalanlage zutun. Da können Sie auch auf rot oder schwarz beim Roulette setzen.

Erholung bis in den Widerstandsbereich 9.600 bis 9.700 Punkte

Nach einigen nervösen Börsentagen konnte sich der DAX-Index zuletzt etwas erholen. Die Erholung reichte bis an den Widerstandsbereich von 9.600 bis 9.700 Punkten (schraffierter Bereich zwischen den blauen Linien).

Ob der Index allerdings genug Kraft besitzt, diesen Bereich in Kürze zu überwinden, ist sehr fraglich. Sollte es gelingen, dann ist das nächste Ziel 9.850 Punkte. Hier verläuft die GAP-Grenze vom 20. Juni (blau punktierte Linie).

Wahrscheinlicher ist zurzeit aber ein abermaliges Zurückfallen und Kräftesammeln.

Unterstützung bei 9.225 Punkten

Nach unten gibt es eine horizontale Unterstützung bei 9.225 Punkten (grüne Horizontallinie). Dort kam an 2 Tagen der DAX-Abschwung zum Erliegen. Sie ist allerdings massiver, als im Kurzfristchart ersichtlich.

Wesentlich mehr Anhaltspunkte liefert der Blick auf den 1-Jahreschart des DAX-Index:

DAX 2906 1J

DAX-Chart 1 Jahr (Tagesbalken)

Mittelfristiger Abwärtstrend noch voll intakt

Sie erkennen im 1-Jahreschart vom DAX-Index einen mittelfristigen übergeordneten Abwärtstrend (rote Trendlinien). Innerhalb dieses Trendkanals hat der Index die Ober- und Unterseite mehrfach getestet. Zuletzt fehlte aber die Kraft, erneut an die Oberseite zu laufen.

Seit Mai versagten den DAX-Bullen die Kräfte. Die obere Begrenzung wurde nicht mehr angelaufen. Positiv zu werten ist aber, dass auch ein Test der unteren Begrenzung bisher ausblieb.

Die aus der Kurzfristanalyse erwähnte Unterstützung bei etwa 9.225 Punkten erhält hier mehrfache Bestätigung. Schon im September und Oktober vergangenen Jahres sowie auch im Januar 2016 hat diese Marke zu Wendepunkten geführt (hellblaue Kreise).

Innerer Kanal etabliert: aktuell bei 9.225 bis 10.225

Die Bewegungen seit Mai haben einen inneren Trendkanal im übergeordneten mittelfristigen Abwärtstrendkanal erzeugt. Dieser ist etwa 1.000 Punkte breit und reicht aktuell von etwa 9.225 Punkten bis 10.225 Punkten (schwarzer Trendkanal). Für einen weiteren dynamischen Verlauf müssten die Grenzen signifikant über- bzw. unterboten werden. Danach sieht es zurzeit nicht aus.

Achten Sie auf diese Grenzen (grüne Kreise, rote Kreise), denn ein Bruch führt zu deutlichem Auf- bzw. Abwärtspotenzial!

Inmitten des Trendkanals befindet sich noch eine Widerstandslinie bei etwa 9.750/9.850 Punkten. Diese kann als Indiz für den Verlauf der nächsten Wochen dienen. Wird sie überwunden, dürfte der DAX die obere Grenze des inneren Kanals anlaufen (grüne Schraffur). Prallt er ab, müssen Sie mit einem Verlauf im rot schraffierten Bereich rechnen.

Langfristiges 10-Jahres-Chartbild des DAX-Index:

DAX 2906 10J

DAX-Chart 10 Jahre (Wochenbalken)

Alles nach Plan im langfristigen Chartbild!

Im 10-Jahreschartbild vom DAX-Index erkennen Sie einen aktuell trotz Brexit völlig ungefährdeten Trend (breiter blauer Trendkanal).

Diesem untergeordnet ist der seit 14 Monaten bestehende Abwärtstrend (roter Trendkanal). Hier befindet sich der DAX-Index etwa in der Mitte. Somit ist auch dieser Trend noch nicht in Gefahr.

Für das Jahresende könnte es in 2 unterschiedlichen Szenarien zum Test einer der beiden Trendbegrenzungen kommen.

Damit leitet sich ein oberes Kursziel bei 10.500 Punkten ab und ein möglicher maximaler Tiefpunkt bei etwa 8.000 Punkten (schwarze Kreise). Bei 8.000 Punkten begegnet dem DAX-Index am Jahresende auch die untere Begrenzung des langfristigen Haussetrends. Ein Bruch der 8.000 ist damit nicht zu erwarten und äußerst unwahrscheinlich.

FAZIT:

Der Brexit dominiert weiterhin ganz klar den Handel!

Je nach Nachrichtenlage wird es zu einem Angriff der Begrenzungen des inneren Trendkanals kommen. Diese liegen aktuell bei 9.225 Punkten und 10.225 Punkten. Beide Grenzen sinken durch den abfallenden Charakter des Trendkanals um etwa -100 Punkte pro Monat.

Mein Rat: Halten Sie sich im DAX solange raus, bis diese Trendbegrenzungen gebrochen werden.

29. Juni 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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