DAX-Index: Emotionen prüfen! DAX-Ziele

In den vergangenen Wochen wurde ich immer wieder von Lesern gefragt: „Herr Sturm, warum gehen wir jetzt nicht long?“

Basierend auf charttechnischen Analysen und Indikatorenauswertungen hat sich meine Skepsis jetzt leider doch bewahrheitet. Per heute sinkt der DAX-Index wieder unter 10.000 Punkte auf aktuell 9.850 Punkte (Stand 04.05.16 12:00 Uhr).

Damit beträgt das bisherige Jahresminus im DAX-Index -900 Punkte! Das ist einer der schlechtesten Börsenstarts in der Historie. Aber warum ist das so? Die Unternehmen melden doch Rekordgewinne und die Zinsen liegen auf historischem Tiefststand.

Das ist richtig, aber auf der anderen Seite der Waagschale liegen genau so schwere Gewichte! Massive Verunsicherung durch Terrorgefahr, Deflationssorgen, Angst vor einer China-Wachstumsdelle und Befürchtungen vor weiteren Konsequenzen aus dem Rohstoffpreisverfall. Die Ungewissheit über die Währungsverschiebungen, vor allem in den Emerging Markets kommt noch oben drauf.

Wenn Sie das lesen, erkennen Sie einen gemeinsamen Nenner auf der negativen Seite: Verunsicherung, Sorge, Angst, Befürchtung, Ungewissheit!

Das sind alles allzu menschliche Parameter, die hier gebündelt auftreten und einen massiven Einfluss auf das Anlegerverhalten haben.

Denn: Sie bilden eine Kette. Wenn die Kurse fallen, breiten sie sich aus und infizieren weitere Anleger usw. Der Abwärtsstrudel ist perfekt. Genau das haben wir zu Beginn des Börsenjahres 2016 gesehen, als bis Mitte Februar der DAX-Index sogar um -2.000 Punkte gefallen war.

Die gleichen Antreiber sahen wir aber auch auf der Käuferseite in der Rally von Mitte Februar bis April dieses Jahres!

Und so lange kein Vertrauen in den Markt fließt, werden die Aktienmärkte weiterhin hochdynamisch verlaufen. Egal, ob rauf oder runter!

Denn Aktienkurse werden in diesen Zeiten eindeutig vom Verhalten der Anleger und Investoren bestimmt und schon lange nicht mehr durch berechenbare Unternehmensbewertungen!

Was ich Ihnen damit sagen möchte: Der emotionale Zustand der Anleger und Investoren ist zurzeit eindeutig von schwererem Gewicht als die Fakten der wirtschaftlichen Analyse.

Ist der Aktienmarkt damit nicht mehr analysierbar und verkommt zu einem Glücksspiel?

Nicht ganz! Denn es gibt ein Analytisches Instrument, welches das emotionale Verhalten weitestgehend mit aufzeichnet. Die Chartanalyse.

In der Chartanalyse können Sie Punkte erkennen, an denen Anleger emotional agieren. Das können durchschlagene Trendkanäle sein oder einfache Unterstützungen und Widerstände etc. etc.. Wichtig ist, dass Sie in Ihren Anlageentscheidungen dieses Instrument zunächst befragen und mit in Ihre Entscheidungsfindung aufnehmen. So können Sie mehr Sicherheit für Ihre Investitionen gewinnen.

Welche Zielmarken und Umkehrpunkte beim DAX-Index wichtig sind und worauf Sie achten müssen, analysieren wir zunächst in derkurzfristigen Analyse und dem Blick auf den 1-Monatschart des DAX-Index:

DAX 0405 1M

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

Fahne nach unten aufgelöst

Sie erkennen im Chartbild zunächst einen kurzfristigen Aufwärtstrend seit 8. April (blaue Trendlinien). Nach einem Anstieg bis an die Obergrenze des Aufwärtstrendkanals wurde die Unterstützung bei 10.250 Punkte erneut getestet und der Trendkanal seitwärts verlassen. Die anschließende auch überfällige Korrekturbewegung des zu schnellen Anstiegs führte zu einer Fahnenkonstellation (rote Trendlinien). Diese Art der Konsolidierung ist nicht selten in ansteigenden Märkten zu beobachten. Allerdings werden Fahnenkonstellationen in der Regel nach oben aufgelöst.

Hier ist es seit gestern zu einem Bruch der Fahne nach unten gekommen. Das ist zwar selten, aber zeigt deutlich, warum ich immer warne, sich vorher zu positionieren!

Erst, wenn ein klares signifikantes Signal zu erkennen ist, sollte sich ein Investor positionieren. Es sah zwar zeitweise danach aus, aber ein richtiges Kaufsignal wurde nie signifikant bestätigt.

Damit hat der Vorsichtige Anleger alles richtig gemacht.

Unterstützungen bei 9.750, dann 9.500

Die kurzfristigen Zielmarken für die Abwärtsbewegung liegen aktuell bei 9.750 Punkten (obere punktierte Linie) und 9.500 Punkten (untere punktierte Linie). Sie resultieren aus den Begrenzungen eines großen GAPs (Kurslücke) vom 13. April. GAPs haben die merkwürdige Eigenschaft, dass sie wie ein Magnet die Kurse noch einmal anziehen und die Kurslücke geschlossen wird.

Wie sich die charttechnische Lage mittelfristig darstellt, analysieren wir im 8-Monatschart:

DAX 0405 8M

DAX-Chart 8 Monate (Tagesbalken)

Mittelfristiger Abwärtstrend weiterhin voll intakt

Sie erkennen im 8-Monatschart des DAX-Index den Absturz im August vergangenen Jahres und seit Dezember vergangenen Jahres bis heute.

In beiden Fällen kam die rasante Abwärtsbewegung an der unteren Begrenzung des Abwärtstrendkanals zum Erliegen (untere rote Trendlinie). Der DAX-Index konnte anschließend ansteigen.

Der Anstieg seit Mitte Februar manifestierte sich in einem schönen mustergültigen Aufwärtstrend (blaue Trendlinien). Aktuell wird die Untergrenze getestet. Sie ist ganz aktuell sogar bereits ein wenig unterschritten.

Damit ist bei den Szenarien (lila Pfeile) eher mit einem der beiden unteren zu rechnen.

Mögliche Wendepunkte: 9.500, danach maximal 8.800

Sollte die 9.500er Marke nicht halten, müssen wir uns auf einen Test der unteren Begrenzung einrichten. Das wäre auch der für mich maximal vorstellbare Abschwung.

FAZIT: Warten Sie den Test der Marken ab! Erst, wenn der DAX hier dreht und anschließend Kaufsignale generiert, sind Long-Positionen angesagt. Sie verpassen nichts. Und ein sicheres Long-Engagement mit wenigen hundert Punkten ist auf Dauer immer lukrativer, als ein unsicheres Glücksspiel.

Die langjährige Hausse ist übrigens noch nicht annähernd in Gefahr: Das sehen Sie in der kurzen Analyse des 10-Jahres-Charts vom Dax-Index:

DAX 0405 10J

DAX-Chart 10 Jahre (Wochenbalken)

Alles im Lot!

Im 10-Jahreschartbild vom DAX-Index erkennen Sie ganz eindeutig, dass der Abschwung seit April vergangenen Jahres (bisher -3.600 Punkte!) das Bild noch nicht eingetrübt hat. Der Index befindet gerade einmal ungefähr in der Mitte des langjährigen Haussetrends (blauer Trendkanal).

Sie sehen aber auch den mittelfristigen Abwärtstrend, in dem wir uns zurzeit befinden und der uns noch große Mühe macht (roter Trendkanal). Er ist weder auf der Oberseite, noch auf der Unterseite in Gefahr.

2 Szenarien: Entweder Angriff auf die obere Begrenzung des mittelfristigen Abwärtstrendkanals oder Anlauf auf die nächste Unterstützung.

Ein weiteres Abgleiten sehe ich nicht! Denn der DAX-Index hat gute Chancen, sich in diesem Bereich zu stabilisieren und einen Boden zu finden. Ich habe Ihnen eine fast 12 Monate andauernde Bewegung aus 2014 schwarz umrahmt. Dort hatte der DAX-Index massiv Mühe, hindurch zu gelangen. Genauso stark wirkt diese Zone nun als Unterstützung!

FAZIT:

Geduld! Der DAX hat durchaus gute Chancen, sich in den nächsten Wochen zu stabilisieren. Gelingt das, dann steht einem Anlauf in Richtung obere mittelfristige Begrenzung nichts im Wege.

Durch einen möglichen Doppelboden würde auch das Vertrauen der Anleger und Investoren gestärkt.

Warten Sie aber bitte das Kaufsignal erst ab! Eine zu frühe Positionierung birgt erhebliche Gefahren.

4. Mai 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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