DAX-Index nach der FED-Entscheidung

Der China-Effekt ist deutlich abgeklungen. Der Shanghai Composite-Index pendelte in den vergangen Tagen um die 3.000 Punkte. Auch heute Morgen schwankte er zunächst nur geringfügig um die 3.000er Marke. Bis dann in der letzten Handelsstunde plötzlich starkes Kaufinteresse aufkam.

Der Shanghai Composite stieg in den letzten 30 Minuten um +130,22 Punkte oder +4,33% auf 3.135,39 Punkte an und schloss auf Tageshoch. Das ist ein positives Zeichen, kommt doch in der letzten Handelsstunde immer das so genannte „Smart Money“ in die Märkte.

Mit Spannung erwartete FED-Sitzung

Die US-amerikanische Notenbank FED tagt wieder einmal. Doch diesmal ist alles viel spannender als üblich. Grund: Die schon länger eingeplante Zinswende in den USA wurde mehrmals aufgeschoben. Alles dreht sich nun um die Frage: „Wird die Zinserhöhung erneut aufgeschoben oder läutet die FED jetzt die Zinswende ein und hebt den Zinssatz an und um wieviel?“.

Die Marktteilnehmer erhoffen sich Morgen endlich Klarheit über die künftige Zinspolitik. Eine kleine Zinserhöhung verbunden mit der Aussage von FED-Chefin Janet Yellen, dass nun eine lange Zeit Ruhe an der Zinsfront herrscht, wäre das Wunschkonzert der Marktteilnehmer.

Damit wäre endlich die Unsicherheit raus aus den Märkten und mit einer geringen Anhebung von 0,25% könnten die Börsianer gut leben.

Doch die zuletzt teilweise schwächer als erwartet ausgefallenen US-Konjunkturdaten und der China-Slowdown deuten für viele Experten auf eine weitere Verschiebung der Zinserhöhung hin. Wie die Aktienmärkte darauf reagieren, ist völlig unklar.

Das bedeutet für Sie: Warten Sie mit Engagements ab, bis die Katze aus dem Sack ist!

Charttechnisch sollten Sie einige markante Grenzen im Auge behalten, die nach der FED-Sitzung an Bedeutung gewinnen.

Wir beginnen zunächst mit der kurzfristigen Analyse und dem Blick auf den 1-Monatschart des DAX-Index:

DAX 1609 1m

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

Flaggenbildung

Seit dem „China-Crash“ konnte sich der DAX-Index stabilisieren. Er pendelt nun schon seit 3 Wochen unter teilweise hohen Schwankungen in einer Seitwärtsrange. (grüne Linien). Die hohen Schwankungen werden anhand der unüblich vielen GAP´s (Kurslücken, rote Ellipsen) deutlich.

Innerhalb dieser Seitwärtsrange konnte der DAX-Index bei genauer Analyse mit dem spitzen Bleistift eine leicht ansteigende Tendenz ausbilden (blaue Trendlinien). Charttechnisch wird dies als „Flagge“ bezeichnet.

In ansteigenden Märkten wird die Flagge meist nach oben aufgelöst, in fallenden Märkten allerdings oftmals nach unten.

Das bedeutet für Sie, achten Sie auf die Flaggenbegrenzung an der Unterseite. Die signifikante Ausbruchsmarke liegt bei unter 9.950 Punkten (unterer Pfeil).

Sollte allerdings die FED-Entscheidung überraschend wunschgemäß ausfallen, dann rückt die obere Begrenzung ins Blickfeld (oberer Pfeil). Von einem signifikanten Ausbruch nach oben können Sie ausgehen, wenn der DAX-Index die 10.550er Marke überspringt.

Welche der beiden Grenzen anvisiert wird, das liegt ganz allein in den Händen der FED und Janet Yellen. Deshalb sollten Sie bis Morgen nach der FED-Entscheidung abwarten, bevor Sie sich weiter am Aktienmarkt engagieren.

Wie sich die Lage mittelfristig darstellt, analysieren wir im 8-Monatschart:

DAX 1609 8m

DAX-Chart 8 Monate (Tagesbalken)

Mittelfristig noch im abwärts gerichteten Trendkanal

Sie erkennen im 8-Monatschart des DAX-Index den abwärtsgerichteten Trendkanal seit dem Jahreshoch vom April dieses Jahres (rote Trendlinien). Innerhalb dieses Trendkanals hat der DAX-Index -3.100 Punkte oder -25% abgegeben.

Aktuell hat er sich innerhalb des Trendkanals stabilisiert und zwischenzeitig sogar an das erste Erholungsziel in mittelfristiger Hinsicht herangearbeitet (untere grüne Horizontallinie).

Diese Marke stellt aber mittlerweile einen Kreuzwiderstand dar (blaue, rote und grüne Linie) und ist deutlich schwerer zu knacken Gelingt (vielleicht mit der FED) der Sprung darüber (über die obere Ellipse), dann wäre das nächste Ziel die 10.900er Marke.

Nach unten müssen Sie auf die untere Begrenzung des Abwärtstrendkanals achten. Sie liegt aktuell in der Nähe der China-Tiefs (untere Ellipse) bei etwa 9.600 Punkten.

MACD Fehlsignale

Der Moving Average Convergence Divergence, kurz MACD (gelb hellblauer Kurvenverlauf unten) ist immer ein sehr guter Indikator für den Zustand des Marktes. Ein Kaufsignal entsteht beim Kreuzen der hellblauen Linie durch die gelbe Linie von unten nach oben, ein Verkaufssignal umgekehrt.

Die vergangenen beiden MACD-Kaufsignale waren klare Fehlsignale

Sie sehen im Chartbild zwei klare Kaufsignale (schwarze Pfeile). Beide waren Kaufsignale, die durch die Unsicherheiten in China zu Fehlsignalen wurden.

Aktuell steht der MACD vor einem Kaufsignal. Allerdings befinden sich die Divergenzen (rote Balken) bereits oberhalb der Nulllinie und schwächen den Signalcharakter.

Fazit: Von der MACD-Indikatorseite können Sie daher aktuell keine klaren Anhaltspunkte gewinnen.

Abschließend schauen wir kurz auf den 5-Jahreschart:

DAX 1609 5j

DAX-Chart 5 Jahre

Langfristtrend intakt, noch Luft nach unten bis 9.850

Der seit dem Crash in 2011 ausgebildete Aufwärtstrendkanal (blauer Trendkanal) ist noch voll intakt. Die jüngsten Korrekturbewegungen im DAX-Index haben ihn zwar an die untere Trendbegrenzung zurückgeführt, aber da war er 2011 vor der großen Hausse auch schon.

Das Chartbild zeigt eindeutig, dass ein Kursabsturz wie in 2011 eigentlich schon geschehen ist. Prozentual war es damals zwar ein wenig mehr, aber -25% Kursrückgang im DAX-Index seit April dieses Jahres ist ein dicker Happen!

Bis zur Untergrenze des übergeordneten Trendkanals besteht noch Luft bis etwa 9.850 Punkte. Darunter sollte der DAX-Index nach Möglichkeit nicht fallen. Zumindest nicht auf Tagesschluss- oder sogar Wochenschlussbasis.

Denn dann wäre eine signifikante Verletzung des jahrelangen Aufwärtstrends gegeben. So weit ist es aber noch nicht und ich gebe dem DAX-Index gute Chancen auf eine Trendwende und damit verbunden eine Jahresendrally. Als Ziel sind da zunächst 11.100 Punkte zu nennen (grüne Horizontallinie).

FAZIT: Nach der FED-Sitzung am 17.09. endlich Klarheit.

Morgen wird die turnusmäßige Sitzung der US-amerikanischen Notenbank FED beendet und der Zinsentscheid verkündet. Sie wird von den Marktteilnehmern mit höchster Spannung erwartet, denn man erhofft sich Klarheit über die zukünftige Zinspolitik. Sollte sich die FED für eine kleine Zinserhöhung entscheiden, dann erwarte ich im Gegensatz zu einigen anderen Einschätzungen eine positive Reaktion der Aktienmärkte.

Denn dann herrscht endllich Klarheit. Es gibt nichts schlechteres für die Börse als Ungewissheit. Zusammen mit einer Beruhigung in China haben die Aktienmärkte dann eine gute Chance, den Boden endgültig gesehen zu haben und bis zum Jahresende die Verluste aufzuholen.

Achten Sie nach der FED-Entscheidung auf die Marktreaktionen und dabei ganz besonders auf die markanten Marken 10.550 oben und 9.850/9.950 unten. Wenn eine dieser beiden Marken durchstoßen wird, besteht beachtliches Folgepotenzial.

16. September 2015

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Von: Michael Sturm. Über den Autor

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