DAX-Index: Spannung vor der EZB-Sitzung

Morgen ist es soweit. Die EZB tagt in ihrer monatlichen Sitzung. Mario Draghi und seine Ratsmitglieder verkünden das milliardenschwere Anleihekaufprogramm zur Ankurbelung der Wirtschaft und zum Erreichen des Inflationsziels.

Marktbewegendes Ereignis

Je nach Ergebnis der Sitzung, kann dies die Aktienmärkte ordentlich durcheinanderwirbeln. Die Erwartungen im Vorfeld der Ratssitzung sind hoch. 550 Milliarden Euro (genannt wurden auch schon 750 Milliarden Euro) sollen zum Kauf von Anleihen verwendet werden und sie sollen zügig eingesetzt werden.

Sollte die EZB diese Erwartung nicht erfüllen, dann ist mit fallenden Aktienkursen zu rechnen. Die zuletzt gestiegenen Kurse haben schon viel Positives vom Anleihekaufprogramm vorweg genommen.

Dementsprechend abwartend verlaufen heute die meisten europäischen Aktienmärkte.

Doch auch wenn der Markt enttäuscht reagiert, erwarte ich  im Verlauf des Jahres weiter steigende Aktienkurse.

Wie morgen die Verkündung ausfällt, dass liegt in den Sternen. Aber welche Ziele und Grenzen sich in die eine oder andere Richtung ergeben, dabei kann die Chartanalytik deutliche Hilfestellung leisten.

Wir beginnen zunächst mit der kurzfristigen Analyse und dem Blick auf den 1-Monatschart des DAX-Index:

DAX 2101 1m

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

DAX in schmalem kurzfristigen Aufwärtstrend

Wir erkennen im kurzfristigen 1-Monats-Chartbild einen DAX-Index, der sich von seinem Januar-Tief am 06.01. gut erholt hat. Mal abgesehen vom schweizerischen Notenbank-Schock (Franken-Entkopplung) in der vergangenen Woche – dieser drückte den DAX kurzfristig unter den Trend – hat der DAX_Index einen schönen Aufwärtstrendkanal (blaue Trendlinien) befolgt.

Innerhalb dieses Trendkanals hat der Index ganz kurzfristig noch Luft nach oben bis knapp über 10.350 Punkte (blauer Kreis). Diese obere Begrenzung steigt mit etwa +50 Punkten pro Tag an.

Das bedeutet, nach der EZB-Ratssitzung Morgen liegt das kurzfristige Ziel oben schon bei 10.450 Punkten.

An der Unterseite liegt die Barriere des schmalen Aufwärtstrendkanals nach der EZB bei 10.150 Punkten. Sollte eine Enttäuschungsreaktion im Markt stattfinden, wäre diese Marke deutlich zu hoch und würde schnell unterboten werden.

Da ist auch aus kurzfristiger Perspektive der breitere Kanal mit seiner unteren Begrenzung bei etwa 10.000 Punkten das Ziel am EZB-D-Day (hellblaue unterbrochene Linie).

Kurzfristiges Fazit: Nach der EZB-Sitzung Morgen wird es eine Marktreaktion geben. Auch der DAX-Index wird sich stärker bewegen. In welche Richtung? Das weiß zurzeit wohl nur Mario Draghi.

Das Tagesziel oben liegt dann bei 10.450 Punkten und unten bei 10.000 Punkten für den DAX-Index.

Wie sich die Sachlage mittelfristig darstellt, analysieren wir im 8-Monatschart:

DAX 2101 8m

DAX-Chart 8 Monate (Tagesbalken)

Mittelfristig gute Aussichten, aber Parallelen zeigen 2-3 Tage Konsolidierung an

Sie erkennen den Durchbruch durch den Widerstand bei 10.100 Punkten (rote Widerstandslinie). Dies geschah nach dem überraschenden Schritt der schweizerischen Notenbank (SNB), die Mindestgrenze von 1.20 Franken gegenüber dem Euro aufzuheben.

Nach einem kurzen Intraday-Marktschock von -260 Punkten stieg der DAX-Index an den Folgetagen über den Widerstand und setzte damit seinen Aufwärtstrendkanal fort.

Der mittelfristige Aufwärtstrend (blaue Trendlinien) seit Mitte Oktober 2014 bietet dem DAX-Index zurzeit etwa 400-500 Punkte Platz in beide Richtungen.

MACD zwar im Kaufsignal-Modus, aber die Divergenz ist schon beträchtlich hoch

Der Moving Average Convergence Divergence, kurz MACD (hellblau violetter Kurvenverlauf unten) ist immer ein sehr guter Indikator für den Zustand des Marktes. Ein Kaufsignal entsteht beim Kreuzen der hellblauen Linie durch die violettfarbene Linie von unten nach oben, ein Verkaufssignal umgekehrt.

Seit dem letzten Kaufsignal sind die Divergenzen (orangefarbene Balken) auf Niveaus angestiegen, die auch im August und November 2014 erreicht wurden (schwarze gestrichelte Horizontallinie).

Bei beiden vorangegangenen Ereignissen hat der DAX zunächst ein paar Tage konsolidiert, bevor es weiter nach oben ging (schwarze Pfeile und Linien).

Das würde auf eine vorübergehende Enttäuschung nach der EZB-Sitzung hindeuten.

Fazit:

Der DAX-Index befindet sich wie auch schon im kurzfristigen Bereich mitten in einem mittelfristigen Aufwärtstrendkanal.

Je nach Ausgang und Reaktion der Märkte auf die EZB hat der DAX-Index Potenzial von etwa 400 – 500 Punkte in beide Richtungen.

Der MACD passt eher zu einer vorübergehenden Absenkung der Kurse.

Um zu analysieren, wie sich das auf längere Trends auswirkt, schauen wir auf den 5-Jahreschart:

DAX 2101 5j

DAX-Chart 5 Jahre (Wochenbalken)

Platz nach oben bis 10.650 Punkte, Stopps bei 9.200 Punkte setzen

Die längerfristige Aufwärtsbewegung (blauer Trendkanal) ist voll intakt. Dieser Trendkanal ist ein langjähriger Haussetrendkanal. Er kann noch eine ganze Weile Bestand haben.

Die Luft, die er sich mit den Kursrücksetzern im vergangenen Jahr 2014 verschafft hat, erhöht sogar die Chance auf DAX-Stände über 11.500 noch in diesem Jahr 2015.

Aber haben Sie Obacht auf die untere Begrenzung des Trendkanals. Sie rückt durch den ansteigenden Haussetrendkanal immer weiter nach oben. Aktuell ist sie mit 9.200 Punkten allerdings noch gut 1.000 Punkte entfernt, aber Ende des Jahres liegt sie bereits bei 10.150 Punkten. Bis dahin erwarte ich allerdings keinen direkten Durchbruch. Dennoch sollten Sie Ihre Long-Positionen auf diesem Niveau absichern.

21. Januar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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