DAX, Inflation & Zinsen: Worauf Sie jetzt achten sollten

Die Inflation ist seit dem Sommer 2016 weltweit deutlich gestiegen.

Die amerikanische Notenbank hat darauf bereits mit inzwischen 3 Leitzins-Anhebungen um jeweils +0,25% reagiert.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hingegen bleibt ihrer Nullzins-Politik treu und sieht derzeit auch (noch) keine Notwendigkeit für eine Kurs-Änderung.

Tatsächlich pumpt die EZB über Anleihe-Rückkäufe sogar noch monatlich 80 (ab April: 60) Mrd. € in den Markt.

Die Kernfrage für uns als Aktien-Investoren lautet daher: Was wird der DAX 30 aus diesem Szenario machen?

Inflationstreiber Energiekosten

Blicken wir zunächst einmal auf die Gründe für den Inflations-Anstieg.

Die von der Ölpreis-Entwicklung abhängigen Energiekosten sind dabei (und waren auch in der Vergangenheit) ein maßgeblicher Einflussfaktor.

Hinweis: Leider musste ich für meine Analyse in der nachfolgenden Grafik auf die deutsche Inflationsrate zurückgreifen.

Denn mir wird eine solche Datenreihe für die Eurozone von meiner Chart-Software nicht zur Verfügung gestellt.

dax 30 und inflation deutschand_21-03-2017

DAX 30 und die Inflationsrate in Deutschland im Zusammenspiel

Vom Sommer 2014 bis Januar 2016 fiel der Ölpreis um gut -75%.

Die Inflationsrate in Deutschland (aus Darstellungs-Gründen ist 100% hier gleich 0%) fiel in diesem Zeitraum von +1,0% auf -0,4% im Januar 2015 und stieg in den darauffolgenden 12 Monaten wieder auf +0,5%.

In der Zeit von Januar 2016 bis Februar 2017 hatte sich der Ölpreis von dem extrem niedrigen Niveau aus etwas mehr als verdoppelt:

Die deutsche Inflationsrate kletterte seither von +0,5% auf +2,2% im Februar.

Die Auswirkung der Inflation auf den Aktienmarkt

Die Grafik zeigt Ihnen aber noch mehr:

Nämlich die Auswirkung der Inflation auf den Aktienmarkt, hier in Gestalt des DAX 30. Die grün unterlegten Phasen zeigen einen Rückgang, die gelben einen Anstieg der Inflationsrate.

Grundsätzlich lässt sich sagen:

Sinkende Inflationsraten sind positiv für Aktien, insbesondere wenn sich der Rückgang von einem sehr hohen Niveau aus vollzieht, wie beispielsweise in den 1980er-Jahren.

Gefährlich für Aktien wird es indes dann, wenn wir deflatorische Tendenzen erleben, also eine Inflationsrate unter 0% (rot umrandete Phasen).

Eine negative DAX-Reaktion kann dabei sowohl zeitgleich, als auch im Vorgriff oder im Nachgang erfolgen.

Interessant sind die Phasen steigender Inflation:

Der DAX 30 reagiert darauf durchaus positiv – schließlich werden diese Phasen regelmäßig auch von einem Wirtschafts-Aufschwung begleitet.

Gefährlich wird es für den deutschen Leitindex meist dann, wenn die Marke von +2,5% (gestrichelte violette Horizontale) überschritten wird:

Hier liegt offensichtlich eine Toleranzschwelle der Investoren für Inflation. Aktuell sind wir davon in Deutschland nur noch 0,3% entfernt!

Notenbanken und Inflation

Damit die Inflation nicht auf und davon galoppiert, bremsen die Notenbanken den Konjunktur-Aufschwung meist frühzeitig mit vorsichtigen Leitzins-Anhebungen ab.

Die US-Notenbank FED (Federal Reserve Bank) geht hier also quasi lehrbuchmäßig vor.

Viele EZB-Beobachter begleiten daher die Nullzins-Politik der vergangenen Monate mit wachsender Skepsis:

Es könnte der Zeitpunkt kommen, an dem ein „Einbremsen“ in Form von Leitzins-Anhebungen zu spät kommt, um die Inflationsrate unter Kontrolle zu halten.

Die EZB sieht sich indes gut positioniert: Sie erwartet eine Stabilisierung der Inflation in der Eurozone bei langfristig +1,7% und begründet so ihre andauernde Untätigkeit.

Wie reagiert der Marktzins?

Ob der Markt das auf Dauer auch so sieht, ist allerdings fraglich.

Schauen wir dazu einmal auf einen aktuellen Chart des Bund-Futures, sozusagen das Barometer für den deutschen Marktzins:

bund-future_21-03-2017

Bund-Future: Es zeichnet sich ein Ausbruch aus der Flagge ab

Es ist unschwer zu erkennen:

Seit dem Zwischenhoch Ende Februar (blauer Ring) ist der Kurs des Bund-Future wieder deutlich zurückgefallen, was gleichbedeutend ist mit einem Anstieg des Marktzinses.

Das aus charttechnischer Sicht Brisante an diesem Chart ist die Flagge (orangefarbene Linien), die sich seit November 2016 ausgebildet hat:

Flaggen zählen zu den Konsolidierungs-Mustern, die sich nach kräftigeren Kurs-Veränderungen ausbilden. Sie sind dabei stets entgegen der vorherrschenden Markttendenz ausgerichtet.

Zudem lassen sich aus dieser Chart-Formation Mindest-Kursziele ableiten:

Der Abstieg vom Top der Bewegung bis zum Tiefpunkt der Flagge wird dabei ab dem Ausbruch aus der Flagge nach unten angesetzt (gelber Kreis, blaue Pfeile).

Sie sehen: Ein solches Kursziel würde den Bund-Future auf ein Niveau zurückführen, das zuletzt im Jahr 2015 erreicht wurde:

Die damalige Widerstands-Zone würde sich hier prima als Unterstützungs-Zone eignen (hellgrünes Band).

Fazit & Empfehlung

Die Inflation in Deutschland hat inzwischen mit +2,2% ein Niveau erreicht, das dem DAX 30 aus historischer Sicht durchaus gefährlich werden kann.

Die Untätigkeit der EZB erhöht hier noch das Risiko-Potenzial.

Möglicherweise ist genau das ein Grund dafür, warum sich der DAX im Vergleich zur Wall Street derzeit so unsäglich schwer tut.

Da bei 12.390 Punkten zudem das Allzeithoch wartet, könnte die freundliche Stimmung bei Erreichen dieser Marke durchaus auch einmal kippen.

Ein steigender Marktzins, wie er sich aus dem wahrscheinlichen Rückgang des Bund-Futures herauszukristallisieren scheint, wäre ebenfalls nicht gerade förderlich für die Einschätzung der Marktteilnehmer.

Noch muss es nicht so negativ kommen.

Allerdings sollten Sie dieses Szenario im Hinterkopf behalten und das Zusammenspiel von DAX, Inflation und Marktzins in den kommenden Wochen im Auge behalten.

21. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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