DAX: Irgendwie ist der Wurm drin

Same procedure as every day!

Irgendwie ist der Wurm drin. Denn rein charttechnisch steht der Markt seit Wochen vor einem Sprung über den mittelfristigen Abwärtstrend.

Bessere Steilvorlagen können die DAX-Bullen nicht bekommen.

Doch jedes Mal, wenn das deutsche Aktien-Barometer es eigentlich schon geschafft hat, kommt wieder ein Rücksetzer.

Viele DAX-Händler raufen sich seit Wochen schon kopfschüttelnd die Haare. Dieses nervenzerreibende Spiel findet schon seit Mitte August statt.

Zumal genug Liquidität vorhanden ist und es zur Aktien-Anlage weit und breit auch keine echte Anlage-Alternativen gibt.

Was also hält den DAX-Index davon ab?

Diese Frage stellen sich die Investoren täglich aufs Neue. Was ist so mächtig, dass es den Index immer und immer wieder vom Ausbruch abhält?

Ich habe die Antwort für Sie: Es ist die Unsicherheit und Angst, auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Niemand möchte sich zu weit aus dem Fenster lehnen.

Welche Unsicherheit? Vor was hat man Angst?

Das kann schnell in 2 Ereignisse zusammengefasst werden: Zum 1. die Zins-Entscheidung der US-Notenbank (FED) und zum 2. die US-Präsidentschaftswahl.

DAX im Wartezimmer!

Damit haben Sie 2 Termine als Vorgabe, den 02. November für die FED-Sitzung und den 08. November für die US-Präsidentschaftswahl.

Und ich versichere Ihnen, danach wird die Börsenwelt anders aussehen.

Ob es zu einer ausgedehnten Jahresendrally kommt oder zu einem Rückfall, das hängt vom Ausgang der beiden Ereignisse ab.

Um eine Chance/Risiko-Prognose abzugeben, brauchen wir eine Vorhersage dieser beiden Ereignisse.

Zur FED-Sitzung gibt es unter den Beteiligten Umfragen, die darauf hindeuten, dass die Zinsen im Dezember moderat angehoben werden

Zur US-Präsidentschaftswahl braucht man kein Prophet sein, um einen deutlichen Sieg Clintons vorherzusagen. Wenn beide Vorhersagen eintreffen, wäre das positiv für die Börse.

Damit wäre alles klar: Spätestens nach dem 08. November startet die Jahresendrally!

Aber…

…Börsianer sind eben ängstlich und vorsichtig!

Nicht zuletzt durch das überraschende und völlig unerwartete BrExit-Votum im Juni, welches den Börsianern noch gut im Hinterkopf steckt, wartet man das Ereignis diesmal lieber ab.

Die vorsichtige Abwarte-Haltung ist in der kurzfristigen Analyse und dem Blick auf den 1-Monats-Chart des DAX-Index gut erkennbar:

dax-2710-1m

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

Handel ohne Courage!

Im kurzfristigen Chartbild des DAX-Index hat sich im Vergleich zu den Vorwochen nichts verändert. Er pendelt seitwärts und schafft den Sprung über den Trend nicht – zumindest nicht signifikant.

Per heute liegt der DAX bereits wieder unter 10.700 Punkten. Signifikant würde bedeuten, Schlusskurs, besser noch Wochenschlusskurs über 10.850 Punkten!

Schon nächste Woche Mittwoch tagt die FED und Dienstag darauf findet die US-Präsidentschaftswahl statt. Es kann also durchaus sein, das die Hängepartie noch 8 Börsentage andauert, bevor Bewegung in die Sache kommt.

Ein vorheriger Sprung über die letzte Hürde wäre sicher zunächst positiv, müsste aber dann noch durch die beiden Ereignisse bestätigt werden, ansonsten geht es schnell wieder in die andere Richtung.

Als Fazit für den kurzfristigen Trading-Bereich bleibt festzuhalten: gute Chancen nach oben, aber an der kurzen Leine der beiden US-Ereignisse.

Sollte der Sprung endlich gelingen, dann sehen wir durch einen Blick auf den mittelfristigen 1-Jahres-Chart des DAX-Index, wo die nächsten Ziele liegen:

dax-2710-1j

DAX-Chart 1 Jahr (Tagesbalken)

Nach oben schnell 11.000/11.100, nach unten 9.900

Im mittelfristigen Chartbild des DAX-Index sehen Sie die beiden miteinander konkurrierenden Trendkanäle eingezeichnet.

Das ist zum einen der seit nunmehr über 17 Monaten gültige Abwärts-Trendkanal (obere rote Linie) und zum anderen der neue seit Jahresbeginn etablierte Aufwärts-Trendkanal (blauer Trend).

Sie erkennen, dass der DAX-Index am Montag dieser Woche kurz über den Widerstand gelaufen ist, aber schnell wieder in diesen zurückfiel (schwarze Pfeile).

Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis endlich der Sprung über diese seit über 8 Wochen angegriffene starke Widerstands-Marke gelingt.

Das Ziel läge dann schnell beim oberen Rand des neuen etablierten Aufwärts-Trendkanals. Aktuell sind das 11.100 Punkte (grüner Pfeil).

Prallt der Markt aber erneut ab und die eingangs geschilderten Ereignisse fallen für die Börse überraschend negativ aus, müssen Sie sich DAX-Stände am unteren Rand des Aufwärts-Trendkanals einstellen.

Zurzeit sind das etwa 9.900 Punkte (roter Pfeil).

Bis Jahresende auch 11.400 auf Trendbasis möglich

Der ansteigende Trendkanal hat eine Steigung von etwa +30 Punkten/Woche. Bis Jahresende sind also durchaus auch knapp 11.400 Punkte auf Basis dieses Trendkanals möglich, womit der DAX-Index genau bei seinem Zwischenhoch im Dezember 2015 vor einem Jahr liegen würde.

Aufgestautes Potenzial nicht unterschätzen

Aufgrund der sehr langen Phase immerwährender Angriffe und Kraftsammelns könnte nach FED und der US-Wahl auch ein riesiger Erleichterungs-Seufzer durch die Börsensäle gehen.

Genug angestautes Potenzial ist jedenfalls vorhanden. Das könnte dazu führen, dass der DAX-Index sogar sehr schnell und sehr stark ansteigt.

Dieses Optimal-Szenario für die DAX-Bullen würde in einem Trendausbruch nach oben münden. Das bedeutet, die 11.400 wird früher erreicht und der DAX bildet einen neuen steileren Trend aus.

In Anbetracht der ungewöhnlich langen Seitwärts-Phase und dem Zwang der Investmentfonds sowie Banken, bei ansteigenden Kursen ein „Window Dressing“ für die Bücher zum Jahresende durchzuführen, ist das Optimal-Szenario gar nicht so unwahrscheinlich.

Ich erwarte, dass nach FED und US-Wahl die Börsen erleichtert sind und befreit aufspielen können. Es gibt gute Chancen für eine ausgeprägte Weihnachtsrally!

Das wird auch vom langfristigen 10-Jahres-Chart des DAX-Index unterstützt:

dax-2710-10j

DAX-Chart 10 Jahre (Wochenbalken)

Es bleibt unverändert, der DAX hat gute Chancen. Er muss sie nur nutzen!

Eingehüllt vom ungefährdeten langfristigen blauen Hausse-Trend befindet sich der DAX-Index immer noch am oberen Rand des mittelfristigen Abwärts-Trendkanals (roter Trendkanal).

Er hat ihn sogar ganz leicht überboten (Schwarzer Pfeil), wenngleich dieses kleine Häkchen noch nicht als signifikant gewertet werden kann.

Pro Ausbruch nach oben spricht eindeutig die Bodenbildung in Form einer schrägen W-Formation (grünes W). In der Charttechnik gelten derartige Formationen als besonders stabil.

Gelingt die Überwindung, dann rückt die Zielmarke von 11.400 Punkten schneller in den Fokus, als sich das viele Investoren vorstellen können.

Denn eines ist klar: Je länger das Kräftesammeln andauert, desto wuchtiger wird die Bewegung ausfallen.

Es besteht somit eine gute Chance, dass die letztendliche Überwindung des mittelfristigen Abwärts-Trends einen schnellen und starken Anstieg des DAX-Index auslöst!

Dennoch muss Wachsamkeit herrschen.

Denn ein abermaliges Abprallen mit nachfolgender Unterschreitung der aus der mittelfristigen Analyse ersichtlichen unteren Begrenzung bei zurzeit 9.900 Punkten würde eine Baisse auslösen.

Die Ziele liegen dann bei 8.500 und 8.000 Punkten.

Meine Empfehlung lautet

Warten Sie den Bruch einer der Marken lieber noch ab, bevor Sie sich zu weit aus dem Fenster lehnen. Positionieren Sie sich erst dann, wenn sich wieder ein klarer Trend daraus ergeben hat.

Ihnen entgeht nichts, denn durch die in den vergangenen Monaten angestauten Kräfte besteht genügend Potenzial für eine längere Rally oder längere Abwärts-Strecke.

Nicht schon wieder unerwartet falsch liegen wie beim BrExit-Votum, lautet die Devise vieler Investoren.

Vielleicht ist Trump gefährlicher als vermutet und gewinnt doch noch, vielleicht erhöht die FED auch die Zinsen zu stark.

Aber eines ist klar: Nach dem 8. November sollte die Post abgehen – in welche Richtung auch immer.

27. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

Tauchen Sie ein in die neue Dimension des Handelns an der Börse. Mit seinen Börsendiensten 30-Prozent-Trader und 5-Minuten-Trader arbeiten mehr als 2 Jahrzehnte Erfahrung und geballte Leidenschaft für die Finanzmärkte für Ihr Depot. Seine ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Trading-Strategien sind dabei stets geprägt von Michael Sturms Motto: Gewinnen mit Verstand und ruhiger Hand!

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