DAX-Jahreswechsel mit Kater: Ein China-Böller ist explodiert

Erstaunlich: Fast eine Kopie des vergangenen Jahres! Michael Sturm analysiert die Szenarien und benennt Grenzen und gibt Tipps. (Foto: Deutsche Börse AG)

Die zwischenzeitlichen Höhenflüge des DAX-Index zwischen den Feiertagen entpuppten sich als nicht aussagekräftige Bewegung. Grund: Umsatzarmut.

Am ersten Handelstag des neuen Jahres kam sofort der Gong aus China und die globalen Aktienmärkte starteten mit einem gehörigen Kater in das neue Börsenjahr 2016. Was war passiert? In der Nacht zum ersten Handelstag wurden Wirtschaftsdaten in China veröffentlicht. Der PMI-Index für das produzierende Gewerbe verfehlte die Erwartungen der Analysten mit 48,2 Punkten um 0,8 Punkte. Und es kam so, wie es auch schon im letzten Börsenjahr zu beobachten war. Die Börsen bewerten eine vorher von Experten geschätzte Erwartungshaltung. Eine Abweichung nach unten führt zu fallenden Kursen und umgekehrt.

So stürzten die Kurse in China nach der Veröffentlichung erst einmal ab. Diese Vorgaben schwappten dann nach Europa und der verkorkste erste Handelstag im neuen Jahr war perfekt.

Wenn Sie mich fragen, so waren die Schlussfolgerungen aus den Daten überzogen negativ und nicht vollständig analysiert. Denn bei genauem Hinsehen ist erkennbar, dass die PMI-Subindizes, wie beispielsweise für Dienstleistung, Service und Konsum im Dezember angestiegen sind. Zum Beispiel stieg der Wert für das Dienstleistungsgewerbe auf den höchsten Stand der vergangenen 16 Monate!

Aber auch die absolute Betrachtung des PMI ist gar nicht so schlecht, wie das kolportiert wird. Ich habe Ihnen hier die PMI-Daten der vergangenen 6 Monate aufgezeichnet:

china
       

         Caixin China Manufacturing PMI 6 Monate

Der Index ist zwar gegenüber dem Vormonat zurückgefallen, aber er befindet sich noch deutlich oberhalb der Werte vom Sommer 2015.

China befindet eben im Wandel von der „Old Economy“ zur „New Economy“. Da sind Rückgänge kein Beinbruch, wenn sich die neue Wirtschaft boomend entwickelt.

Ein Wachstum von über 6% auch in 2016 sind Traumzahlen, das ändert auch ein schwächer als erwarteter PMI nicht.

Vielmehr erstaunt mich die heftige Reaktion an den europäischen Aktienmärkten. Im August vergangenen Jahres hatten wir dieses Phänomen schon einmal. Sie erinnern sich bestimmt noch an den starken Kursrutsch vom 24.08., ausgelöst durch China. Im Nachhinein haben sich die dunkeln Wolken vergleichsweise schnell wieder verzogen und stiegen binnen 3 Monaten wieder auf Vor-China-Niveau.

Können Sie auch diesmal damit rechnen?

Die Antwort auf diese Frage kennt natürlich niemand. Aber wenn wir von Parallelen sprechen wollen, dann schauen Sie sich einmal diesen Chartverlauf des DAX-Index an:

DAX 0601 16m

DAX-Chart 16 Monate (4-Stunden-Balken)

Zum Jahreswechsel 2014/2015 haben wir ebenfalls zunächst einen Abschwung gesehen. Und nicht nur das, die Bewegung des DAX-Index im Vorfeld von Oktober bis zum Jahreswechsel verlief fast 1:1 zum Verlauf in diesem Jahr! Das ist schon eine verblüffende Ähnlichkeit. Was die Aktienmärkte nach dem verkorksten Jahresstart 2015 daraus gemacht haben kennen Sie. Niemand rechnete mit diesem rasanten Anstieg im 1. Quartal 2015.

Ob es in diesem Jahr ähnlich verläuft, bleibt natürlich abzuwarten. Aber die grundsätzlichen Rahmenbedingungen haben sich kaum verändert. Der Euro ist tief, das ist und bleibt gut für unsere Exportwirtschaft. Die Zinsen sind und bleiben tief, das ist gut für Investitionen, für die Bauwirtschaft und Automobilindustrie. Und die EZB kauft noch bis März 2017 jeden Monat für etwa 60 Milliarden Euro Anleihen.

Einziger Unterschied zu 2015 ist die begonnene Zinswende in den USA. Aber die FED und ihre Vorsitzende Janet Yellen wird dies behutsam an den Markt anpassen. Das hat sie zumindest des Öfteren bekräftigt.

Dies vorweg schauen wir kurz in die Chartanalytik. Wie wirkt sich der Kurssturz zu Jahresbeginn auf den DAX-Index und seine Ziele aus?

Dazu analysieren wir zunächst in derkurzfristigen Analyse den 1-Monatschart des DAX-Index:

DAX 0601 1m

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

Mit Riesen-GAP in Richtung Unterstützung bei 10.125 Punkte

Sie erkennen im kurzfristigen Chartbild den Kurssturz im DAX-Index. Mit einer großen Kurslücke (GAP) (grüne Ellipse) unterschritt der DAX-Index den kurzfristigen Aufwärtstrend (blaue Trendlinie), den er ab Mitte Dezember bei allerdings geringen Umsätzen ausgebildet hatte.

Aktuell ist er an der Unterstützung von Mitte Dezember angelangt (10.125 Punkte schwarze Linie), an der er nach der EZB-Enttäuschung wendete und aufgrund der positiven FED-Sitzung regelrecht nach oben schoss!

Wichtig ist jetzt, dass diese Unterstützung nicht gerissen wird. Sollte der DAX diese allerdings nach unten durchbrechen, dann stehen weitere Tiefpunkte auf dem Plan, die aber erst im mittelfristigen Chartbild definiert werden können.

Wiederholt an der 10.850er Marke gescheitert

Im Dezember wurde die horizontale Widerstandsmarke bei 10.850 Punkten (rote Horizontallinie) dreimal getestet, zu Beginn, in der Mitte und am Jahresende. Und dreimal scheiterte der Index.

DAX: Das ist schon enttäuschend!Es bleibt dabei: Mit dem DAX ist weiterhin kein „Staat“ zu machen. Die Wall Street eilt ihm einmal mehr davon. › mehr lesen

Diese Marke sollten Sie sich gut merken, sie ist ab sofort der wichtige Widerstand in 2016, den es zu knacken gilt!

Schauen wir nun auf den mittelfristigen 8-Monatschart:

DAX 0601 8m

DAX-Chart 8 Monate (Tagesbalken)

Entweder hält die 10.125, ansonsten lockt die 9.300

Im mittelfristigen Chartbild erkennen wir neben der angesprochenen Unterstützung bei 10.125 Punkten (grüne Horizontale) die nächste festere Unterstützung erst bei den Jahrestiefs von 2015 (blaue Horizontale). Sie liegt bei etwa 9.300 Punkten. Ein bisschen mehr Hoffnung für die Stabilität der 10.125er Marke gibt die Erkenntnis, dass sie schon im August und Oktober vergangenen Jahres einen gewissen Stabilitätscharakter erlangt hat. Das gibt ihr charttechnisch mehr Gewicht und eine stärkere Bedeutung.

Der DAX-Index kann nur 2 Wege einschlagen:

Entweder hält die 10.125er Marke, dann läuft er in einer ersten Gegenbewegung bis an die obere Begrenzung des neuen Abwärtstrends heran (roter Trendkanal). Diese liegt aktuell bei etwa 10.500 bis 10.600 Punkten. Danach entscheidet sich, ob ein erneuter Anlauf in Richtung des markanten erwähnten Widerstands bei 10.850 Punkten gestartet wird.

Oder er bricht die Unterstützung und läuft auf die 9.300er Marke zu.

MACD-Kaufsignal aus Dezember war ein durch Umsatzarmut erzeugtes Fehlsignal

Der MACD-Indikator(rote Balken unterhalb des Chartbildes) hat sich im neuen Jahr sofort auf den Weg nach unten gemacht. Aus dem möglichen klaren Kaufsignal wurde nichts. Die beiden Indikatorenlinien (hellblau und orange), welche kurz vor einem Kaufsignal standen, haben sich ebenfalls nach unten verabschiedet. Dieses entsteht immer dann, wenn die hellblaue Linie die orangenfarbene Linie von unten nach oben kreuzt.

Das Fehlsignal ist einzig dem umsatzarmen Feiertagsverlauf zu schulden.

Die Ziele für das Jahr 2016 entnehmen wir dem längerfristigen 5-Jahreschart:

DAX 0601 5j

DAX-Chart 5 Jahre

Haussetrend noch voll intakt

Im längerfristigen 5-Jahreschart wird deutlich, dass der jahrelange übergeordnete Hausse-Trendkanal (blauer Trendkanal) weiterhin voll intakt ist.

Widerstand besteht an der Obergrenze der Toplinie (rote Trendlinie). Diese kann auch gleichzeitig erstes Ziel einer Aufwärtsbewegung im 1. Quartal 2016 sein, wenn die Märkte sich stabilisieren.

Unterstützung bei 10.000/10.125 viel stärker als anzunehmen

Ich habe Ihnen im Chartbild die horizontale Unterstützungsmarke bei 10.000/125 Punkten eingezeichnet (grüne Horizontale). Sie resultiert bereits aus den Jahreshöchstständen im Jahr 2014! Das bedeutet, die charttechnische Unterstützungskraft ist stärker, als aus den beiden Kurz- und mittelfristigen Chartbildern abzulesen.

Es gibt also durchaus eine gewisse Chance, den Trend nach oben neu aufzunehmen.

Dennoch müssen Sie im Hinterkopf behalten:

Im Falle weiterer Enttäuschungen und unvorhergesehener negativer Ereignisse kann der DAX-Index diese Marke nicht halten und wird bis 9.300 Punkte fallen. Dann ist allerdings eine Neubewertung notwendig.

Denn betrachten wir die Untergrenze des übergeordneten langjährigen Trendkanals (blauer Trendkanal), dann wäre bei 9.300 Punkten die Begrenzung an der Unterseite verletzt.

FAZIT:

Die vergangenen 2 Monate inklusive der Jahresanfangsschwäche waren eine Kopie von 2015. Es besteht eine gewisse Chance auf eine Trendwende nach oben.

Die aktuelle charttechnische Lage trübt sich ein, wenn der DAX signifikant unter die 10.000 fällt.

Mein Rat zurzeit: RAUSHALTEN! Kein Trade ist auch ein Trade! Sie verpassen nichts, denn in 2016 werden wir eine weiter hoch volatile Börse erleben, die in beide Richtungen viele profitable Trademöglichkeiten offen hält.


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Von: Michael Sturm. Über den Autor

Tauchen Sie ein in die neue Dimension des Handelns an der Börse. Mit seinen Börsendiensten 30-Prozent-Trader und 5-Minuten-Trader arbeiten mehr als 2 Jahrzehnte Erfahrung und geballte Leidenschaft für die Finanzmärkte für Ihr Depot. Seine ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Trading-Strategien sind dabei stets geprägt von Michael Sturms Motto: Gewinnen mit Verstand und ruhiger Hand!