DAX: Jetzt auf die Jahresend-Rallye setzen?

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Ist der DAX derzeit der Aktienmarkt der Wahl? Und sollten Sie nun noch schnell auf den Zug aufspringen? (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Gestern hatte ich Sie darüber informiert, dass der Nasdaq 100 der bislang einzige US-Leitindex mit einem neuen Jahreshoch war. Zu Wochenbeginn hat sich nun der S&P 500 hinzu gesellt. Das heißt aber auch:

Dow Jones, Nasdaq Composite und NYSE Composite ist das bis dato noch nicht gelungen. Der DAX hingegen bewegt sich schon seit dem 15. Oktober 2019 auf Jahreshoch-Niveau. Das ist ungewöhnlich:

Denn traditionell vollzieht der deutsche Leitindex meist das nach, was die Wall Street vorexerziert. Ich zeige Ihnen, warum sich das vor kurzem – zumindest vorübergehend – geändert hat.

Die logische Schlussfolgerung wäre mithin, jetzt auf die Jahresend-Rallye im DAX zu setzen. Doch ich werde Ihnen auch aufzeigen, warum Sie sich damit nicht unbedingt beeilen müssen.

Die langfristige Einordnung der DAX-Trends

Bevor wir die eingangs von mir aufgestellten Behauptungen untersuchen, lassen Sie uns zunächst einen Überblick über die langfristigen Gegebenheiten im DAX gewinnen. Dazu habe ich den folgenden Monats-Chart für Sie vorbereitet:

DAX: Ein neues Allzeithoch würde alles ändern

Wie Sie sehen, ist der Aufwärtstrend aus dem Jahr 2003 völlig intakt. Der beschleunigte Aufwärtstrend aus 2009, der sich daraus entwickelte, ist hingegen im Oktober 2018 nach unten durchbrochen worden.

Durch das jüngste Erreichen eines neuen Jahreshochs wurde der Aufwärtstrend aus dem Dezember 2018 (blaue Linien) wieder reaktiviert. Das heißt: Die alte (blau gestrichelte) Trendlinie wurde neu justiert.

Wichtig ist für Sie nun: Die Reaktivierung des im Dezember 2018 gestarteten Aufwärtstrend können Sie auf den Aufwärtstrend aus 2009 übertragen. Auch dieser kann in dem Moment wiederbelebt (und neu justiert) werden, wenn der DAX ein neues Allzeithoch erreicht.

Genau das ist übrigens ein gravierender Unterschied zur Wall Street: Die historische Bestmarke im DAX wurde im Januar 2018 aufgestellt – den meisten US-Indizes ist dies zuletzt im Juli dieses Jahres (und zwischenzeitlich noch mehrere Male) gelungen.

DAX zeigt Relative Stärke

Und damit sind wir auch schon bei der ersten Behauptung: Derzeit hat der DAX die Nase gegenüber dem Dow Jones vorn.

Dies gilt nicht in Bezug auf die gerade genannten historischen Bestmarken. Vielmehr ist damit die Relative Stärke des deutschen Leitindex gegenüber seinem US-Pendant gemeint.

Schauen wir uns dazu einmal gemeinsam den folgenden Chart an:

DAX demonstriert Relative Stärke gegenüber dem Dow Jones

Hier sehen Sie im oberen Teil den Verlauf der beiden Leitindizes seit dem Jahr 2011. Auf den ersten Blick scheint das meiner Behauptung zu widersprechen: Der Dow Jones bewegt sich in einem deutlichen Abstand oberhalb des DAX.

Ausschlaggebend dafür ist stets der Beginn der vergleichenden Betrachtung. Hier kommt der Spread (Ausbreitung) ins Spiel: Dieser Indikator ermittelt rechnerisch die Relative Stärke zweier Märkte zueinander.

Da wir hier das Verhalten des DAX zum Dow Jones (und nicht umgekehrt) messen, zeigt uns ein sinkender Spread eine Relative Stärke des deutschen Leitindex an. Steigt die Indikator-Kurve, ist der Dow Jones im Vorteil.

Wie Sie sehen, hat der Spread Mitte Oktober 2019 den seit dem Sommer 2017 bestehenden Aufwärtstrend (gestrichelte grüne Linie) nach unten durchbrochen: Der DAX zeigt also Relative Stärke gegenüber dem Dow Jones an.

Anders als in der Zeit von 2011 bis 2015 bewegt sich der Spread allerdings nun in einem langfristigen Aufwärtstrend. Und das bedeutet, dass die Relative Stärke des DAX zunächst einmal vorübergehender Natur sein dürfte.

Spätestens bei einem Aufsetzen des Spreads auf dem Aufwärtstrend aus 2015 dürfte sich das Bild erneut umkehren: Dann sollte der Dow Jones wieder im Vorteil gegenüber dem DAX sein.

DAX jetzt kaufenswert?

Der DAX ist derzeit also dem Dow Jones vorzuziehen. Doch ist er damit auch nun direkt kaufenswert?

Dazu habe ich einen dritten Chart vorbereitet, für den es vorab jedoch einer kurzen Erläuterung bedarf.

Seit dem letzten Zwischentief am 4. Oktober 2019 – also in etwas mehr als 3 Wochen – hat der deutsche Leitindex in der Spitze 1.108 Punkte bzw. +9,3% zugelegt. Damit ist der DAX derzeit deutlich überkauft. Wie erkennen Sie das?

Wie bereits im gestrigen Beitrag beschrieben, lassen sich Trends in einem Markt mit Hilfe von Tagelinien offenlegen: Dazu wird der Durchschnitt der Schlusskurse über eine von Ihnen vordefinierte Zahl von Handelstagen ermittelt.

Die 200-Tagelinie zeigt Ihnen beispielsweise den langfristigen, die 50-Tagelinie den mittelfristigen Trend des betrachteten Marktes.

Im folgenden Chart habe ich nun Kanäle im Abstand von +-5,5% um die 50- und +-8,5% um die 200-Tagelinie eingeblendet:

Tagelinien zeigen: DAX derzeit massiv überkauft

Durch diese Darstellung wird deutlich, dass der DAX immer dann eine Korrektur eingeleitet hat, wenn er an die Oberseite dieser Kanäle angestoßen ist (blaue und rote Kreise). Exakt das ist soeben geschehen.

Übrigens: Die Oberseiten der Kanäle der beiden Tagelinien werden sich vermutlich morgen oder übermorgen überkreuzen. Somit ist der DAX gleichsam doppelt überkauft.

Fazit

Wie gezeigt, demonstriert der DAX seit Mitte Oktober dieses Jahres Relative Stärke gegenüber dem Dow Jones. Was bedeutet das?

Relative Stärke heißt, dass sich ein Markt besser entwickelt, als der mit ihm verglichene. Es bedeutet jedoch nicht, dass nun der deutsche Leitindex auf jeden Fall Gewinne verbuchen wird!

Relative Stärke besagt lediglich, dass (in unserem Beispiel) der DAX mit guter Wahrscheinlichkeit in nächster Zukunft stärker steigen oder weniger stark fallen wird, als sein US-Pendant. Das wird häufig übersehen.

Das Gesagte bedeutet ebenfalls nicht, dass Sie sich nun blindlings in die Jahresend-Rallye im DAX stürzen sollten. Meine Analyse hat Ihnen aufgezeigt, dass der DAX nach einem Zugewinn von fast +10% in nur 3 ½ Wochen klar überkauft ist.

Ein Marathonläufer muss es nach einem Zwischensprint vorübergehend etwas langsamer angehen lassen, wenn er das Ende des Rennens erleben will. Wenn der Aktienmarkt spurtet, benötigt er anschließend auch eine Verschnaufpause – sonst droht eine massive Korrektur oder schlimmstenfalls ein Kollaps.

Morgen werden wir einmal schauen, auf welchem Niveau der DAX in den kommenden Tagen oder Wochen wieder kaufenswert sein könnte. Damit Sie dann von der potenziellen Jahresend-Rallye profitieren können!

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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