DAX: Jetzt kann es hässlich werden

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Wer es beim Feiern übertreibt, den erwischt der Kater umso heftiger. Genau das blüht nun dem DAX. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Vor gut 2 Wochen hatte ich an dieser Stelle von einer „spannenden Charttechnik im DAX“ gesprochen. Worum ging es?

Der deutsche Leitindex hatte kurz zuvor ein neues Jahreshoch bei 13.300 Zählern ausgebildet. Damit war der DAX nur noch 296 Punkte bzw. +2,2% von seinem im Januar 2018 markierten Allzeithoch entfernt.

Seit gestern liegt das Jahreshoch bei 13.374 Punkten. Abstand von der historischen Bestmarke somit nur noch +1,7% bzw. 222 Zähler. Ein neues Rekordhoch ist aus charttechnischer Sicht bedeutsam, weil es die Spielregeln drastisch abändern würde.

Daher heute mein Beitrag zur aktuellen Lage des DAX.

Worum es geht

Was ist mit den „sich drastisch ändernden Spielregeln“ gemeint?

Nun, wie Sie aus zahlreichen Chartanalyse-Trends-Beiträgen wissen, definiert sich ein Aufwärtstrend durch immer höhere Hochs und damit verbunden höhere Tiefs. Doch im Markt existieren mehrere Trends zur gleichen Zeit:

Wir unterscheiden für gewöhnlich kurz-, mittel- und langfristige Trends. Die kurzfristige Entwicklung gestaltet sich in Zeiträumen von Tagen bis Wochen.

Bei der mittelfristigen Tendenz schauen wir auf den Verlauf von Wochen bis Monate. Nun ahnen Sie schon, worauf es beim langfristigen Trend hinausläuft: Richtig! Hier werden die Monate bis Jahre analysiert.

In der Charttechnik können Sie diese Trends auf diverse Arten betrachten: Besonders beliebt sind die Trendlinien und die Tagelinien.

So ziehen Sie Trendlinien korrekt

Eine Aufwärtstrendlinie zeichnen Sie im Chart ein, indem Sie ein bedeutsames Zwischentief mit dem Tief verbinden, das dem letzten Top vorausgeht. Dabei soll die Trendlinie keine dazwischen liegenden Tiefpunkte schneiden.

Wenn Sie in dieser Regel die Worte Tief durch Hoch und Top durch Tief ersetzen, dann wissen Sie zugleich, wie eine Abwärtstrendlinie einzuzeichnen ist.

Auf diese Trendlinien wollen wir uns zunächst konzentrieren.

Warum die Trends jetzt so bedeutsam sind

Dazu schauen wir auf einen Monats-Chart des DAX, der bis ins Jahr 1999 zurückreicht.

DAX: Kein neues Allzeithoch wäre fatal für den DAX

Sie sehen es hier sehr schön: Der eigentlich schon durchbrochene Aufwärtstrend aus dem Dezember 2018 (gestrichelte blaue Linie) wurde durch das neue Jahreshoch im Oktober 2019 „wiederbelebt“ (durchgezogene blaue Linie; gelber Kreis).

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Dasselbe würde nun für den im Jahr 2009 gestarteten Aufwärtstrend gelten, wenn dem deutschen Leitindex ein neues Allzeithoch gelänge.

Genau diese Vorgabe macht die derzeitige Charttechnik des DAX so spannend!

Noch immer und noch stärker überkaufter DAX

Im darauffolgenden Chartanalyse-Trends-Beitrag vom 12. November 2019 schrieb ich Ihnen, dass der Index „völlig überkauft“ sei. Dazu hier noch einmal der Chart, den ich dafür als Beleg anführte:

DAX: Nun droht ein zügiger Abbau der überkauften Lage

Hier arbeiten wir nun mit den Tagelinien. Sie bilden den Durchschnitt der Schlusskurse über einen vorgegebenen Zeitraum ab: Die gezeigten 50- und 200-Tagelinien zeigen den mittel- und langfristigen Trend im deutschen Leitindex.

Zusätzlich habe ich hier einen Kanal um diese Durchschnittslinien in einem prozentualen Abstand eingeblendet: Die Höhe dieses Abstandes richtet sich daran aus, dass der betrachtete Markt damit möglichst viele Widerstands- und Unterstützungspunkte abbildet.

Die blauen und roten Kreise zeigen Ihnen hier die Widerstände, die der DAX bei Erreichen der oberen Kanalgrenzen um die Tagelinien generiert hat. Das Verhalten an den mit grünen Kreisen markierten Stellen zeigt jeweils eine Übertreibungsphase: Im April dieses Jahres folgte darauf eine kräftige Korrektur.

Diesmal hat der DAX gleich noch eine zweite Übertreibungsphase folgen lassen (gelber Kreis). Bedeutsam ist nun der Verlauf des gestrigen Handelstages:

Warum der Dienstag charttechnisch wichtig war

Wie Sie im Chart erkennen, startete der Leitindex am Dienstagmorgen bei 13.235 Zählern. Dann schwang er sich auf ein Tages- und Jahreshoch von 13.374 auf (+139 Punkte).

Am Dienstagnachmittag beendete das deutsche Aktien-Barometer den Handel bei 12.221, also sogar noch 14 Zähler unter dem Eröffnungskurs. Ein solcher Verlauf zeigt Ihnen, das etwas Bedeutsames geschehen ist:

Die Bullen haben versucht, den Index weiter in Richtung Rekordhoch zu treiben. Doch die Bären haben sie nicht nur abgefangen, sondern ihnen noch etwas mehr als den gesamten Terraingewinn des Tages wieder abgenommen.

Daher verwundert es nicht, dass der DAX am heutigen Mittwochmorgen mit einer Abwärts-Kurslücke von 39 Punkten (Stand: 13.15 Uhr) in den Handel startete.

Fazit

Fassen wir zusammen:

  1. Der DAX benötigt für eine Wiederbelebung des Aufwärtstrends aus dem Jahr 2009 ein neues Allzeithoch, mithin also einen Punktestand von mehr als 13.596,89. Das ist trotz mehrerer Anläufe bis dato nicht gelungen.
  2. Der deutsche Leitindex ist nach einem Anstieg von in der Spitze +18,7% seit Mitte August bzw. +12,6% seit dem letzten Zwischentief vom 4. Oktober 2019 heillos überkauft.
  3. Die überkaufte Lage bestand – wie im zweiten Chart zu sehen – schon Ende Oktober. Eine weitere Übertreibungsphase macht diese Ausgangslage nicht besser, sondern eher noch schlimmer. Denn je länger und höher die Übertreibung ausfällt, umso größer fällt das Korrekturpotenzial aus.
  4. Der Handelsverlauf am Dienstag offenbarte eine signifikante Schwäche der Bullen. Sie waren nicht in der Lage, das neu eroberte Terrain zu verteidigen. Ja sie büßten sogar noch weiteres Gebiet ein.
  5. Die sich für heute abzeichnende Abwärts-Kurslücke signalisiert Ihnen weitere bevorstehende Indexverluste: Das ist immer dann der Fall, wenn das Angebot urplötzlich die Nachfrage derart übersteigt, dass das Vortagestief nicht mehr erreicht werden kann.

Machen Sie sich nun darauf gefasst, dass der DAX kräftiger und sehr wahrscheinlich auch heftiger zurückfällt: Mein Mindestziel ist die derzeit bei 12.660 verlaufende 50-Tagelinie, die als Unterstützung wirken könnte.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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