DAX: Jetzt wird es interessant

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200-Tagelinie überwunden, 13.000er-Marke geknackt: Erfreulich! Worauf Sie jetzt jedoch beim DAX achten sollten. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Nachdem der DAX vor 12 Tagen die 200-Tagelinie überquert hat, konnte er sich seither darüber behaupten. Überdies gelang es dem deutschen Leitindex, Ende der vergangenen Woche die Marke von 13.000 Punkten zu überwinden.

Warum das erfreulich ist, werden wir gleich analysieren. Doch darüber hinaus gibt es noch eine Entwicklung, die – sagen wir mal – hoch interessant ist.

Aktien bewegen sich in Trends

Aktien(-märkte) bewegen sich in Trends. Damit sage ich den Chartanalyse-Trends-Veteranen nichts Neues.

Doch Trends zu bestimmen, ist nicht immer leicht. Das gilt insbesondere dann, wenn sich ein Markt über mehrere Wochen seitwärts bewegt hat, so wie das beim DAX vom Februar bis April der Fall war.

Die Charttechnik bietet Ihnen dafür indes eine ebenso einfache wie objektive Methode: Tagelinien.

Tagelinien: Einfach, objektiv, gut!

Tagelinien errechnen sich aus dem börsentäglich generierten Kursmaterial. Daher sind sie objektiv: Sie werden sozusagen vom Markt selbst generiert.

Für die Berechnung werden die Schlusskurse einer von Ihnen bestimmten Zahl an Handelstagen summiert und anschließend der Durchschnitt ermittelt. Für jeden neu hinzu kommenden Schlusskurs fällt der erste des Betrachtungszeitraumes heraus.

Aus diesem Grund finden Sie für die Tagelinie auch die Bezeichnung „Gleitender Durchschnitt“. Die Kurzform GD200 steht beispielsweise für den Gleitenden Durchschnitt über 200 Tage oder die 200-Tagelinie.

Trends zu bestimmen, ist eigentlich kinderleicht

Wenn Sie für diese Durchschnittslinien unterschiedliche Tageszahlen verwenden, können Sie auch unterschiedliche Trends bestimmen: Ich verwende in meiner Praxis beispielsweise 20 Tage für den kurzfristigen, 50 Tage für den mittelfristigen und 200 Tage für den langfristigen Trend.

Schauen wir uns das im nachfolgenden DAX-Chart einmal gemeinsam an:

DAX: Alle Trends (Tagelinien) weisen wieder aufwärts

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Bei der 20- und 50-Tagelinie ist es einfach zu erkennen: Beide Trends weisen wieder nach oben.

Das ist auch nötig, damit sich der langfristige Trend ebenfalls aufwärts ausrichten kann. Da dies im Chart schwerer zu erkennen ist, schreibe ich es Ihnen: Die 200-Tagelinie gewann in der letzten Handelswoche 14 Punkte und hat damit auch wieder aufwärts gedreht.

Das meinte ich eingangs mit der erfreulichen Entwicklung! Zudem war aus charttechnischer Sicht wichtig, dass sich der DAX oberhalb der 200-Tagelinie, also auch über dem langfristigen Trend, behaupten konnte.

Der gelbe Kreis zeigt Ihnen übrigens, dass der DAX zeitweilig aus seinem seit Februar 2016 bestehenden Aufwärtstrend herauszufallen drohte. Dass dies letztlich nicht geschah, signalisierte Ihnen schon früh, dass die Bullen wohl die Überhand gewinnen würden.

Momentum: Bald dürfte es so richtig interessant werden!

Die interessante Entwicklung sehen Sie im unteren Chartteil mit dem 50-Tage-Momentum: Dieser Indikator spiegelt Ihnen Schwung und Dynamik einer Kursbewegung wider.

Die für Sie wichtige Stelle habe ich Ihnen mit einem grünen Kreis gekennzeichnet: Das Momentum nähert sich nämlich nun wieder der seit November 2015 bestehenden Abwärtstrendlinie an.

Fazit:

Sie erinnern sich vielleicht: Im November des vergangenen Jahres narrte der DAX viele Charttechniker mit seinem Ausbruch (blauer Kreis), der sich dann wenig später als Bullenfalle entpuppte.

Ich hatte dieses Kaufsignal seinerzeit mit „Bauchschmerzen“ gesehen. Die Information hatte ich Ihnen auch an dieser Stelle weitergegeben – und damit recht behalten.

Nun könnte der DAX also einen neuen Ausbruchsversuch starten.

Angesichts des steilen Anstiegs im Momentum gehe ich indes davon aus, dass der Indikator spätestens nach Erreichen der Trendlinie erst noch zurücksetzen wird, um vorher sozusagen noch einmal „Anlauf zu nehmen“.

Bevor Sie also jetzt – voller Begeisterung über die jüngste DAX-Entwicklung – gleich einmal langfristig in den Leitindex investieren, sollten Sie zunächst ein entsprechendes Kaufsignal des 50-Tage-Momentums abwarten!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.