DAX: Kommen nun endlich wieder bessere Zeiten?

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Der DAX zeigte sich im bisherigen Wochenverlauf von seiner Schokoladenseite: Gibt es be-reits ein Kaufsignal? (Foto: Deutsche Börse AG)

Der DAX konnte sich an den ersten beiden Tagen dieser Woche kräftig erholen: Von dem am vergangenen Mittwoch erreichten Wochenhoch bei 12.778 war der deutsche Leitindex bis zum Freitag um etwas mehr als 300 Punkte abgestürzt.

Gestern lag das Tageshoch bei 12.755 Zählern: Damit hat der Index den Rückschlag von Donnerstag und Freitag ebenso schnell wieder (nahezu) egalisiert.

Hat sich der DAX damit nun wieder die Aussicht auf bessere Zeiten erarbeitet? Wir schauen uns das heute einmal genauer an.

Gewinnen Sie an Höhe!

Den besten Überblick erhält man aus einer erhöhten Position:

Im flachen Land sehen Sie nicht sehr weit – auf einer Anhöhe reicht die Sicht schon weiter. Noch besser wird es auf einem höheren Berg und das Nonplusultra ist gewiss die Vogelperspektive.

Das ist in der Charttechnik nicht anders: Je größer Sie den Zeitrahmen einer Kurshistorie wählen, umso besser erkennen Sie langfristige Trends und Zusammenhänge.

Lassen Sie uns daher zunächst einmal auf einen DAX-Chart schauen, der rund 12 Jahre zurückreicht:

DAX: Langfristiger Aufwärtstrend seit 2009 noch intakt

Die gute Nachricht lautet: Der im Jahr 2009 begründete Aufwärtstrend ist noch immer intakt – der DAX bewegt sich oberhalb der (grünen) Aufwärtstrendlinie.

Eine weitere Erkenntnis ist: Innerhalb des Trend-Kanals seit 2009 notiert der deutsche Leitindex am unteren Ende der Bandbreite. Das bedeutet:

Nach oben wäre für den DAX reichlich Anstiegs-Potenzial. Allerdings besteht auf dem derzeitigen Niveau durchaus auch die Gefahr, dass der Aufwärtstrend seit 2009 nach unten verlassen wird.

Exzellente Langfrist-Signale mit dem RSI

Weiteren Aufschluss bietet Ihnen der Relative Stärke Index (RSI). Dieser Indikator für die Trendintensität ist – falls Sie schon länger Chartanalyse-Trends lesen, wissen Sie das – besonders wertvoll in einem Chart mit monatlicher Kursdarstellung.

Da der RSI ebenfalls Trends ausbildet, lassen sich diese prima mit Trendlinien verdeutlichen. Im Chart habe ich Ihnen die so generierten Kauf- und Verkaufssignale mit grünen bzw. roten Vertikalen gekennzeichnet.

Ich denke, Sie sehen selbst, welch exzellente Ergebnisse Sie mit dieser Art der Chartanalyse erzielen können. Und noch eines sollten Sie nicht unterschätzen:

Die so ausgebildeten RSI-Signale verleihen Ihnen ein langfristiges Vertrauen in den gerade herrschenden Trend: Die mit dem gelben Kreis markierte Börsenphase nach dem Kaufsignal im Februar 2012 ist dafür ein prima Beispiel.

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Der RSI zeigt Ihnen aber auch: Seit Februar dieses Jahres befindet sich der DAX in einem Verkaufssignal. Um den seither etablierten Abwärtstrend zu „knacken“, müsste der Leitindex noch etwas mehr „Rückenwind“ erhalten.

DAX: Aufwärtstrend seit 2016 nach unten verlassen

Ausgestattet mit diesen Erkenntnissen aus dem „Blick vom Berg ins Tal“, schauen wir nun einmal auf die mittelfristige Kurshistorie:

DAX: Aufwärtstrend seit 2016 nach unten verlassen

Für einen besseren Überblick zeige ich Ihnen in der Grafik nicht den kompletten Aufwärtstrend seit 2016: Dafür habe ich diesen entsprechend betitelt.

Sie erkennen es selbst: Im März dieses Jahres konnte ein Bruch des Aufwärtstrends nach kurzer Austrittsphase wieder „geheilt“ werden – der DAX kehrte in den Aufwärtstrend zurück.

Allerdings fiel der Index in der letzten Juniwoche schon wieder aus dem Aufwärtstrend. Und seither bemüht sich der DAX erneut um eine Rückkehr – bislang jedoch noch ohne Erfolg.

DAX und Momentum: Eine Geschichte zahlreicher Missverständnisse

Im unteren Chartteil finden Sie einen weitere Indikator: Das Momentum klärt Sie über Schwung und Dynamik einer Kursbewegung auf. Ich verwende standardmäßig das 50-Tage-Momentum, also die Betrachtung im Rahmen eines mittelfristigen Zeitfensters.

In meinem Beitrag vom 27. Juni 2018 analysierte ich für Sie, „Warum Sie dem DAX zurzeit nicht trauen können“: Der Index generierte seit November des vergangenen Jahres zahlreiche Bullen- und auch einige Bärenfallen.

Das Momentum dokumentiert Ihnen, das der DAX schon wenige Tage später – Anfang Juli – eine weitere Bullenfalle aufstellte (gestrichelte rote Linie).

Fazit

Fassen wir für den DAX zusammen:

Langfristiger Aufwärtstrend seit 2009 noch intakt. Laut Relative Stärke Index indes seit Februar dieses Jahres in einem Verkaufssignal.

Seit Ende Juni bewegt sich der DAX unterhalb des Aufwärtstrends, der im Februar 2016 begonnen wurde. Seit November bildete der Leitindex diverse Fehlsignale aus – zuletzt Anfang dieses Monats.

Aktuell „riecht“ es nach einem neuerlichen Kaufsignal im Momentum: Der Indikator notiert am Abwärtstrend seit Mitte Juni. Allerdings:

Der Schwung-Indikator bewegt sich derzeit unter der Nulllinie: Somit wird in der laufenden Börsenphase negatives Momentum aufgebaut.

Beurteilen Sie selbst, ob Sie unter all diesen Voraussetzungen JETZT einem potenziellen Kaufsignal im DAX trauen mögen!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.