DAX: Korrektur-Ende oder Bullenfalle?

Der DAX 30 erreichte in der vergangenen Handelswoche erstmals seit April 2015 neues Rekord-Terrain: Das bisherige Allzeithoch von 12.390 wurde auf 12.486 Punkte hochgeschraubt.

Neue Hochs bestätigen in der Charttechnik bekanntlich bestehende Aufwärtstrends. Demnach wäre die seit Anfang April zu beobachtende Korrektur aus charttechnischer Sicht beendet.

Doch wie realistisch ist es, dass der DAX 30 aus der aktuellen Konstellation heraus seinen Aufwärtstrend fortsetzt?

Die Charttechnik hält hier ein bemerkenswert gut funktionierendes Werkzeug bereit: die 200-Tage-Linie.

Der DAX und der Canale Grande

Genauer gesagt ist es ein Kanal oder eine Hülle um die 200-Tage-Linie herum, die quasi eine Verschiebung des Gleitenden Durchschnitts (GD) darstellt. Doch der Reihe nach:

Wie Sie wissen, wird die 200-Tage-Linie aus dem Durchschnitt der letzten 200 Schlusskurse ermittelt. Bei üblicherweise 5 Handelstagen pro Woche deckt der GD200 somit einen Zeitraum von etwa 40 Wochen ab.

Langfrist-Indikator GD200

Das qualifiziert die 200-Tage-Linie als einen Indikator für die langfristige Tendenz eines Marktes:

  • Ein steigender G200 zeigt einen intakten langfristigen Aufwärtstrend an, ein fallender einen langfristigen Abwärtstrend.
  • Das Verhalten eines Kurses an der 200-Tage-Linie lässt Rückschlüsse auf die Trendstärke zu: Ein Dreh nach oben oberhalb des GD200 zeigt Ihnen beispielsweise eine hohe Trendstärke an.

Das unsichtbare Gummiband

Der Abstand eines Kurses zur 200-Tage-Linie ist ebenfalls hilfreich:

In der Historie lässt sich nämlich immer wieder feststellen, dass sich die Kurse eines Marktes auch an „Parallelen“ zur 200-Tage-Linie orientieren.

Dazu wird die 200-Tage-Linie um einen Prozentsatz nach oben und unten verschoben, der möglichst viele Hoch- und Tiefpunkte des analysierten Marktes – wie ein unsichtbares Gummiband – eingrenzt.

Schauen wir uns das einmal für den DAX 30 an:

dax mit gd200-kanal_02-05-2017

DAX mit 200-Tage-Linie-Kanal im Abstand von 7% und 11%

DAX: Aktuell sind die Abstände 7% und 11% interessant

In der Grafik habe ich gleich 2 Kanäle im Abstand von 7% und 11% zur 200-Tage-Linie eingeblendet:

  • Der Abstand von 7% fängt sehr gut die Tiefpunkte von März bis Juli 2016 sowie den Hochpunkt im August 2016 ein.
  • Der Abstand von 11% grenzt wiederum prima die Tops in 2017 ein.

Wie Sie im Chart erkennen, erweist sich die frühere Obergrenze bei 7% im laufenden Jahr als Unterstützung für den DAX 30 auf der Unterseite.

Was Sie der Grafik indes auch entnehmen können:

Fazit

Mit der jüngsten Aufwärts-Bewegung hat sich der DAX wieder an die Oberseite des 11%-Kanals herangearbeitet. Somit erscheint das weitere Aufwärts-Potenzial des DAX doch recht limitiert.

Die von mir gewählte Darstellung bietet Ihnen aber noch einen weiteren Vorteil:

Sie wissen nun, dass sich im DAX DANN etwas gravierend verändert, WENN das seit Jahresbeginn zu sehende Gleichgewicht gestört wird.

Ein Abrutschen unter die Unterstützung der 7%-Hülle lässt einen Rücksetzer bis auf die 200-Tage-Linie erwarten.

Gelingt dem DAX andererseits ein Durchbruch durch die 11%-Kanal-Begrenzung, dann ist eine Euphorie-Rallye wahrscheinlich.

Ich weiß allerdings nicht, ob ich Ihnen als Investor die letztgenannte Entwicklung wünschen möchte.

Gewiss würde das noch einmal schöne DAX-Gewinne bedeuten, jedoch: Mit einer Euphorie-Rallye endet i. d. R. auch die Aufwärts-Bewegung eines Marktes.

2. Mai 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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