Dax leidet unter Grexit-Angst

Die Ereignisse überschlagen sich seit einigen Tagen und so deutlich wie schon lange nicht mehr steht die Frage im Raum: Kommt jetzt die große, finale Griechenland-Pleite?

Bereits in der vergangenen Woche hatte der Internationale Währungsfonds sein Team aus Brüssel abgezogen. Am Wochenende überraschte nun auch Jean-Claude Juncker mit einem ergebnislosen Abbruch der Verhandlungen.

Alles halb so schlimm?

Die Fronten scheinen derzeit so verhärtet, dass die Beteiligten sich nicht imstande sehen, sich auf einen Minimalkonsens zu verständigen. Folgerichtig bereiten sich die anderen Euro-Staaten nun offenbar auf einen Plan B vor und spielen durch, welche Konsequenzen ein „Grexit“ zu diesem Zeitpunkt hätte.

Die Tendenz lautet: Es wäre nicht mehr so schlimm wie noch vor ein paar Jahren. Doch unterm Strich wird niemand seriös vorhersagen können, wie gravierend und langwierig die Auswirkungen eines solchen Schritts wären – sowohl für Griechenland als auch für die übrige Währungsunion.

Für die Märkte bedeutet das turbulente Zeiten. Denn während die Politik versucht, die Grexit-Folgen herunterzuspielen nach dem Motto „alles halb so wild“, zeigen sich die Anleger bereits seit Wochen höchst nervös, sobald es Signale über Griechenlands Schuldenproblem gibt.

Dax auf Achterbahnfahrt

Das zeigte sich einmal mehr zum Ausklang der vergangenen Handelswoche. Positiv gestartet rauschte der Dax am Donnerstagnachmittag binnen kürzester Zeit dramatisch in die Tiefe, gab sämtliche Gewinne ab und schloss im Minus. Das war der Tag, an dem die IWF-Unterhändler hinschmissen.

Ein ähnliches Bild zeigte die Kurve auch am Freitag. Hatte sich der Dax bis zum Mittag noch ins Plus gekämpft, ging es danach rapide abwärts. Unterm Strich ging der Leitindex 1,2 Prozent schwächer aus dem Handel mit 11.196 Zählern – und somit auf demselben Stand wie eine Woche zuvor.

Bei den Einzelwerten schaffte allein Infineon nach einem positiven Analystenkommentar den Sprung in die Gewinnzone und schloss 1,5 Prozent fester. Auf Rang zwei folgte die Aktie der Deutschen Telekom mit einem moderaten Minus von 0,4 Prozent. Hintergrund waren Gerüchte, wonach die Fusion der Tochter T-Mobile US mit dem Pay-TV-Anbieter Dish offenbar Fortschritte macht.

Es bleibt turbulent

Auch die Bankwerte schafften es ins obere Dax-Drittel: Die Commerzbank-Aktie gab um 0,8 Prozent nach, Anteilsscheine der Deutschen Bank verbilligten sich um 0,7 Prozent. Am stärksten verloren K+S mit einem Minus von 2,1 Prozent sowie Schlusslicht Adidas mit einem Abschlag von 2,5 Prozent.

Die neue Handelswoche dürfte – ebenso wie die letzten – stark durch die Entwicklungen rund um Griechenland geprägt sein. Es ist mit weiteren Kursturbulenzen zu rechnen.

15. Juni 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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