Dax mit moderaten Verlusten

Alle Blicke waren an diesem Mittwoch nach Brüssel gerichtet, alle Hoffnungen in die Finanzminister der Euro-Gruppe gesetzt. Doch es kam, wie es kommen musste: Am späten Vormittag machte die Meldung die Runde, Griechenlands jüngste Reformliste werde von den Gläubigern abgelehnt.

Augenblicklich drehte der anfangs optimistisch gestartete Dax ins Minus und rauschte in die Tiefe. Zum Ende des Handelstages hin konnten die Verluste zumindest eingedämmt werden, unterm Strich schloss der Dax 0,6 Prozent leichter bei 17.471 Zählern.

Weit entfernt von jedweder Lösung

Es sind die letzten paar Tage, die den Beteiligten noch für ihre Verhandlungen bleiben. Am Dienstag wird eine milliardenschwere Kreditrate fällig, die Griechenland nur bedienen kann, wenn sich die Regierung in Athen vorher mit ihren Geldgebern auf einen modus vivendi verständigt.

Doch davon scheint man in dieser Woche weiter entfernt denn je. Die Anspannung, die sich in den vergangenen Monaten zäher Verhandlungen und immer wieder gescheiterter Vorschläge aufgebaut hat, ist deutlich zu spüren.

Nun ist man gezwungen, innerhalb weniger Tage zu einer Lösung zu kommen, auf die man sich in monatelangem Gezerre nicht verständigen konnte. Inzwischen sind selbst die Gläubiger gespalten: Der IWF unter Führung von Christine Lagarde legt andere Maßstäbe an die Reformpläne aus Athen als die EU-Politiker in Brüssel.

Juncker und Co. wollen aus politischen Gründen einen Kompromiss finden, und sei er noch so teuer und unvorteilhaft. Der IWF argumentiert hingegen streng ökonomisch und fordert daher größere Anstrengungen von den Griechen.

Finanzministertreffen nach einer Stunde abgebrochen

Nach Börsenschluss wurde am Mittwochabend noch einmal deutlich, wie vertrackt die Lage ist. Nach gerade einmal einer Stunde vertagten die Finanzminister ihre Beratungen, am späten Abend trafen die Spitzen der Geldgeber noch einmal zusammen. Der EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag wird sich wohl auch maßgeblich mit Griechenland beschäftigen müssen.

Es dürfte schwierig sein, zu einer Entscheidung zu gelangen, und noch scheint völlig offen, ob man sich in Brüssel in letzter Sekunde doch noch zusammenreißen und einigen wird – oder ob am Ende die Streithähne vor einem Trümmerhaufen stehen werden.

Aus Sicht der Märkte scheint es inzwischen zweitrangig zu sein, wie genau die Lösung aussieht – Hauptsache, es wird endlich eine Entscheidung getroffen. Die anhaltende Hängepartie sorgt stattdessen für steigende Nervosität und hohe Volatilität an den Börsen.

Tops und Flops am Mittwoch

Trotz der schwierigen Gemengelage schafften einige Einzelwerte auch am Mittwoch den Sprung ins Plus. Die Dax-Spitze eroberte RWE mit einem Aufschlag von 2 Prozent, nachdem Gerüchte um ein Ende der geplanten Kohleabgabe die Runde gemacht hatten. Konkurrent Eon rutschte leicht ins Minus und schloss 0,6 Prozent schwächer.

Mit der Lufthansa gehörte ein weiterer Vortagsverlierer zu den stärksten Titeln im Dax. Die Kranich-Aktie legte um 1,2 Prozent zu und landete damit auf Rang zwei, gefolgt von Merck und den beiden Fresenius-Aktien, die um 0,4 bis 0,9 Prozent vorrückten.

Nach den Kursaufschlägen der Vortage zählten die Automobilwerte zu den Tagesverlierern. Aktien von Volkswagen, Daimler und BMW gaben um 0,8 bis 1,1 Prozent nach. Schlusslicht war BASF mit einem Minus von 1,6 Prozent.

25. Juni 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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