DAX noch frühjahrsmüde: Wacht er auf und wie geht´s weiter?

Nach dem schlechtesten Jahresbeginn seit Jahrzehnten scheint den Börsianern diese Last immer noch schwer im Magen zu liegen. Es gab zwar im März eine überfällige Erholung der Kurse, doch etwa -1.000 Punkte Verlust seit Jahresstart sind immer noch übriggeblieben. Zwischenzeitlich lag der DAX sogar um -2.000 Punkte tiefer als noch zu Jahresbeginn.

Zumindest die im Januar/Februar stark getrübte Stimmung ist seit einigen Wochen nicht mehr präsent. Aber so richtig in Kauflaune gerät aktuell auch niemand.

Im Umfeld weder Fisch noch Fleisch

Beim Blick auf die Lage an der Datenfront bietet sich dem Betrachter ein ebenso uneinheitliches wie richtungsloses Bild. Demnach sind auch die Aktienkurse in den vergangenen 4 Wochen vergleichsweise richtungslos unterwegs. Rauf und Runter wechseln sich munter ab. Lediglich einzelne Unternehmensnachrichten sorgen hier und da für Highlights und Bewegung in den Kursen.

Aber kurioserweise scheiden sich auch da die Analysten in getrennte Lager. Am Beispiel Daimler ist das gut erkennbar – Rekordergebnisse, wo man nur hinschaut, kräftige Dividendenanhebung – und der Aktienkurs sinkt unter 60 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit Oktober 2014! Das passt nicht zusammen und verdeutlicht die ungewöhnlich irrationale Börsenphase.

Umso mehr sollte der Fokus nun auf die Analyse gerichtet sein. Was hat sich verändert und wie ist die aktuelle Situation einzuschätzen?

Die starken Schwankungen im DAX-Index begleiten uns nun schon seit über 2 Jahren. Die durch die Notenbanken EZB und FED zur Heilung der Konjunktur verordnete  Geldschwemme auf den Kapitalmärkten findet nur langsam bis gar nicht Ihr Ziel.

Dafür haben aber Bullen und Bären beide massiv aufgerüstet. Sie sitzen in den Startlöchern, sobald sich klare Tendenzen abzeichnen. Das ist auch der Grund für manch einen hektischen Börsentag, egal ob rauf oder wieder runter. Das Signal ist noch nicht da und solange auch kein klares Zeichen kommt, wird diese Phase leider noch andauern.

Charttechnisch hat sich die Lage seit 6 Wochen nicht wesentlich verändert.

Welche Marken der DAX-Index überwinden muss, um die Rally zu starten oder bei welchen unteren DAX-Marken Sie aufpassen müssen, analysieren wir zunächst in derkurzfristigen Analyse und dem Blick auf den 1-Monatschart des DAX-Index:

DAX 1204 1M

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

10.100 bisher zu stark!

Sie erkennen im Chartbild zunächst die Seitwärtsbewegung von vor 4 Wochen. Zwischen 10.100 und9.800 Punkten verlief sie fast 3 Wochen in einem relativ schmalen Korridor. Dabei hat der DAX-Index 3 Mal versucht, die 10.100er Hürde zu überwinden.

Er scheiterte jedes Mal. Die 10.100er Punkte-Marke ist damit die neue starke Widerstandshürde (grüne Linie), die Sie sich merken sollten.

9.500 hat gehalten

Nach 3 Fehlversuchen an der Oberseite war es rein charttechnisch nur eine Frage der Zeit, bis die Unterseite des schmalen Korridors in den Fokus der DAX-Trader rückte. Sie wurde schließlich gebrochen und führte den DAX-Index zur nächsten Unterstützung bei 9.500 Punkten. Seither entwickelte sich ein flacher Aufwärtstrend (blaue Trendlinien). innerhalb des Aufwärtstrends hat sich seit ein paar Tagen eine etwas steilere Bewegung etabliert. Dies ist aber sehr kurzfristig gesehen und wird schon durch nur einen Tag mit schwachen Kursen zerstört.

Das Ziel der Bewegung sind 9.800 Punkte (untere rote Linie). Diese stellt auch die untere Begrenzung der ehemaligen Seitwärtsphase dar und gilt als etwas stabilerer Widerstand. Erst bei einem signifikanten Überwinden des 9.800er Widerstands sollte man mit Ziel 10.100 Punkte (obere grüne Linie) an Longpositionen denken.

Wie sich die Sachlage mittelfristig darstellt, analysieren wir im 8-Monatschart:

DAX 1204 8M

DAX-Chart 8 Monate (Tagesbalken)

Gleiche Schlußfolgerung: Oben 10.100, unten 9.500, respektive 9.300

Sie erkennen im 8-Monatschart des DAX-Index den aufwärts gerichteten Trendkanal (rote Trendlinien) seit Mitte Februar dieses Jahres.

Diesen hat er im Kurzfristchart an der 9.500er Marke wie beschrieben bisher erfolgreich bestätigen können.

Sie erkennen aber auch, dass selbst ein Bruch der 9.500er Marke sofort an der nur 200 Punkte tiefer liegenden 9.300er Marke an eine weitere massive Unterstützung angelangt (grüne Horizontale). Sie wurde in den vergangenen 8 Monaten bereits 3 Mal erfolgreich getestet und bietet einen ungleich festeren Boden!

W-Bodenformation in Arbeit

Diese 9.500 oder auch 9.300 passt in das Bild einer mustergültigen charttechnischen Bodenbildungsbewegung (blaues schräges W).  Derartige Bodenbildungsformationen werden in der Charttechnik häufiger beobachtet und gelten als sehr guter Boden mit einem Doppelhalt.

Bleibt der DAX-Index innerhalb seines Aufwärtstrendkanals, dann reicht eine Wende an der 9.500er Marke aus. Das bedeutet aber auch, wir hätten den Tiefpunkt schon gesehen. Verletzt er den Trendkanal an der Unterseite, dann riecht es nach einem schnellen 9.300er Test.

An der 10.100 wird es sich entscheiden:

Geht es nach dem W-Bodenmuster weiter, dann steht einem neuerlichen Anlauf auf den wichtigen 10.100er Widerstand nichts im Wege (obere gestrichelte blaue Linie). Da muss er drüber, um den Katalysator für die Nachfolgebewegung dieser W-Bodenformation anzuwerfen. Nächstes Kursziel oben wären dann durchaus etwa 10.800 Punkte.

Beobachten Sie einen Durchbruch an der Oberseite, dann wird mit hoher Wahrscheinlichkeit eine weitere dynamische Aufwärtswelle starten.

Sie sollten dann durchaus mutig einsteigen. Die Ziele bis zum Jahresende entnehmen wir dem längerfristigen 5-Jahreschart:

DAX 1204 10J

DAX-Chart 10 Jahre

Auch längerfristig Bestätigung der 10.100 als wichtige Kernmarke

Auch im 10-Jahreschart erkennen wir einen stärkeren Widerstand an der Grenze 10.100/10.150. Knackt der DAX-Index diese Marke, dann stünde einer Aufwärtsbewegung im Sinne einer Sommerrally nichts im Wege.

Ich habe Ihnen im Chartbild die wichtigsten Unterstützungen eingezeichnet (3 grüne Horizontalen). Sie befinden sich bei 9.000/8.200/7.500 Punkten und resultieren aus verschiedenen markanten Hoch- und Tiefpunkten der vergangenen Jahre.

FAZIT:

Der nach den starken Jahresanfangsverlusten deutlich überverkaufte DAX-Index konnte sich zuletzt in einer 6-wöchigen Seitwärtskonsilidierung stabilisieren.

Der DAX-Index befindet sich in einer Range von 9.300 bis 10.100 Punkten.

Sollte eine Überwindung des Widerstandsniveaus von 10.100 Punkten gelingen, dann hat er gute Chancen, bis auf 10.800 Punkte zu laufen.

13. April 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Sturm. Über den Autor

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