DAX: Nutzen Sie Statistiken „richtig“

Wer sich 2017 auf das traditionelle Sommerloch verließ, lag bei seiner DAX-Einschätzung mächtig daneben. Andreas Sommer mit allen Infos dazu: (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Am 25. und 26. Juli dieses Jahres hatte ich in 2 Beiträgen folgende Frage untersucht:

„DAX 30: Bringt 2017 noch ein Sommerloch und eine Jahresend-Rallye?“

Dieser Fragestellung lagen 3 statistische Erkenntnisse in Bezug auf den deutschen Leitindex zugrunde:

  1. Für Jahrgänge, die auf 7 enden, wirft meine Datenbank ein durchschnittliches Endergebnis von +16,84% aus. Das ist das viertbeste Jahrgangs-Resultat.
  2. August und September sind die beiden statistisch schwächsten Monate des Jahres für den DAX. Zum Zeitpunkt meines Beitrages lag die durchschnittliche DAX-Performance im August bei -0,19% und für September bei -1,88%.
  3. Mit den im Mittel erzielten Gewinnen belegen der Oktober, November und Dezember die Performance-Ränge 7, 5 und 6 aller 12 Kalendermonate. Das letzte Quartal ist damit prädestiniert für eine Jahresend-Rallye.

Daraus ergab sich per Ende Juli ein Wertzuwachs für den DAX von +5,57%.

Bei einer statistisch zu erzielten Durchschnitts-Performance von 16,84% für 7er-Jahrgänge durften Sie bis Ende 2017 also noch ein Index-Plus von +11,27 Prozentpunkten erwarten.

Wenn Sie Umfang und Funktionsweise meiner privaten Datenbank nicht kennen, hier noch einmal eine kurze Erläuterung.

Andernfalls können Sie den folgenden Absatz auch überspringen.

Ein kurzer Trip durch 57 Jahre DAX-Statistik

Seit Anfang 1960 liegen mir in meiner Datenbank die Monats-Schlussstände des DAX vor.

Alle Daten vor der Einführung des deutschen Leitindex am 1. Juli 1988 basieren auf dem Index der Börsen-Zeitung, dessen Historie bis ins Jahr 1959 zurück reicht.

Berechnet werden von mir in der Datenbank die prozentualen Veränderungen zum Schlusskurs des Vormonats.

Die Jahres-Performance ergibt sich dann aus der Summe der Kursveränderungen aller 12 Kalendermonate.

September 2017: Gegen die Regel

Mittlerweile liegen August (-0,52%) und September (+6,41%) hinter uns. Somit verfügen wir über die neuesten Monatsdaten.

Für den DAX bedeutet das: Die durchschnittliche Performance im August bleibt bei -0,19%, die für den September verbessert sich auf -1,74%.

Damit beläuft sich der Wertzuwachs im DAX per Ende des 3. Quartals auf +11,47%.

Und somit dürfen Sie – aus rein statistischer Sicht – bis zum Jahresende noch ein Plus von +5,37% erwarten.

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Gewusst wie

Ich habe den Satzteil „aus rein statistischer Sicht“ bewusst in Paranthese gesetzt:

Der Juli und der September haben Ihnen in diesem Jahr nämlich bewiesen, dass Ihre Investment-Strategie keinesfalls AUSSCHLIESSLICH auf statistischen Daten basieren sollte!

Nichtsdestotrotz ist die Statistik keinesfalls nutzlos: Mit ihrer Hilfe können Sie Ihren Investment-Erfolg dennoch steigern, wie Sie später noch sehen werden!

Es geht nur um das „Gewusst wie“.

Die Statistik kündigte Ihnen für die Monate August und September ein Sommerloch an.

Tatsächlich startete der DAX diese Börsen-Phase bereits ab dem am 20. Juni 2017 erreichten Allzeithoch (12.951 Punkte):

Der Juli lief mithin schlechter, der August im Rahmen und der September signifikant besser, als es die Statistik erwarten ließ.

Ich hatte Sie übrigens bereits am 12. des Vormonats auf den kurz zuvor vom DAX generierten Trend-Bruch aufmerksam gemacht.

Fazit

Schauen wir uns die jüngste Entwicklung noch einmal gemeinsam im Saisonal-Chart an.

Dieser Kursverlauf bildet den addierten Durchschnitt der DAX-Stände der letzten 40 Jahre ab:

dax und saisonal-dax_09-10-2017

DAX: Das Sommerloch 2017 begann eher, dauerte länger und endete früher.

Das Sommerloch hält laut Saisonal-Chart im langjährigen Durchschnitt 8 Wochen (von Ende Juli bis Ende September) an.

Im Jahr 2017 begann das Sommerloch (pinkfarbene Linien) 6 Wochen früher und endete 4 Wochen eher, dauerte mithin 10 Wochen an.

Das heißt: Sie durften in diesem Jahr bereits ab Mitte August mit dem Ende des Sommerlochs rechnen.

Mit diesem statistischen Wissen ausgerüstet, war der Bruch des Abwärtstrends Anfang September im DAX keine wirkliche Überraschung mehr.


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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.