DAX: Ostern kann den DAX retten

Der Index kämpft mit einer wichtigen Zone! Wie es weitergeht und wohin es gehen kann, verrrät Ihnen Michael Sturm! (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Die vergangene Handelswoche war schwach und stark zugleich.

Der DAX-Index zeigte zwei Gesichter:

Zunächst verlief der Index schwach und es ging deutlich bergab. Aber dann zeigte sich der deutsche Aktienmarkt stark und versuchte mit aller Kraft die Unterstützung bei etwa 11.900 Punkten zu verteidigen. Die 11.900 muss nicht auf den Punkt zutreffen, es gibt in der Chartanalytik immer geringe Unschärfen. Fakt ist, die Zone um 11.900 Punkte ist enorm wichtig und es wird auch heute mit allen Zähnen versucht, sie zu verteidigen.

Ob dies gelingt, ist angesichts der späten Kursverluste in den USA schwer vorherzusagen. Vor allem die so genannten FANG-Aktien hat es erwischt. FANG sind Facebook, Amazon, Netflix und Google (eigentlich Alphabet). Schon seit über 1 Jahr predige ich, dass diese 4 Aktien die US-Börse fast im Alleingang nach oben gepusht (verzerrt) haben und sie deutlich rückschlagsgefährdet sind. Jetzt, wo es soweit ist, wird gejammert. Das kann ich nicht nachvollziehen und ich hoffe, dass Anleger dies nicht auf solide deutsche Aktien übertragen.

Denn eines ist sicher, Börsenkurse werden von den Anlegern selber gemacht. Und genau deshalb spielt auch die Charttechnik eine so wichtige Rolle. Sie spiegelt das Anlegerverhalten an wichtigen Marken wider. Denn wer bestimmt denn, dass eine runde Zahl wie 12.000 oder 13.000 beim DAX-Index einen Widerstand ausmacht? Es ist nur eine Kennzahl, die sich aus 30 DAX-Titeln in unterschiedlicher Gewichtung zusammensetzt. Aber immer wieder kommt es an diesen Marken zu besonderen Widerstands- bzw.- Unterstützungsbewegungen!

Fazit: Der Anleger, also auch Sie, machen die Kurse. Und solange die Zinsen derart tief stehen, kommt meines Erachtens kein Anleger an dem Investment Aktie vorbei. Die Historie belegt, dass Aktiencrashs und Bärenmärkte immer bei hohen Zinsständen geschahen und nicht bei 0,5%.

Ich erwarte, dass nach einer Konsolidierung die Börsen sich wieder fangen werden und am Jahresende deutlich höher stehen!

Wie tief diese Konsolidierung den DAX noch führen könnte, analysieren wir zunächst im kurzfristigen 1-Monatschart vom DAX-Index:

DAX-Chart 1 Monat (Stundenbalken)

Hält sie oder hält sie nicht?

Nach dem Tiefpunkt am 09. Februar, der nachbörslich sogar unter der 11.900er Marke lag, konnte sich der DAX-Index sachte, aber stetig stabilisieren und testete am 05. März erneut die 11.900er Marke (grüne Unterstützungslinie).

Der Test verlief erfolgreich und führte ihn bis zur 11.450 Punkte-Marke, die er aber nicht mehr knacken konnte. Nach weiteren Trump´schen Kapriolen wurde der DAX-Index erneut an den Unterstützungsrand gedrängt. Dort kämpft er nun seit 4 Tagen und konnte sich bisher erstaunlich gut halten (schwarze Pfeile).

Sollte der DAX-Index es schaffen, sich ohne Durchbruch in die Osterferien zu retten, dann könnte dies tatsächlich noch einmal gut gegangen sein.

Gelingt ihm das nicht, dann rechnen Sie bitte mit einem weiteren Rückfall, dessen Boden aber weder im 1-Monatschartbild, noch im 1-Jahreschartbild vom DAX-Index erkennbar wird:

DAX-Chart 1 Jahr (8-Stunden-Balken)

Es bleibt dabei: Der Kampf um die Unterstützung dauert an

Nach dem steilen Februar-Absturz des DAX-Index stabilisierte er sich erst an der 11.900er Marke (grüne Unterstützung). Diese Unterstützungsmarke ist nicht unbekannt. Das deutsche Aktienbarometer konnte hier bereits in 2017 zwei Mal eine Wende vollziehen.

Demnach wird um diese Marke auch vehement gekämpft. Ob nun 11.750 oder 11.800 mal gesehen werden, ist nicht relevant. Wichtig ist, dass die gesamte Zone hält und der DAX-Index in ein paar Tagen oberhalb der 11.900 wieder Fahrt nach oben aufnimmt!

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Sollte dies tatsächlich über Ostern gelingen, dann besteht Hoffnung, dass der Index zunächst die obere Begrenzung des kurzfristigen Abwärtstrends (orangener Trendkanal) anläuft. Dort hat er es mit einem kleinen Kreuzwiderstand zu tun (roter Kreis). Überspringt er dieses Niveau, welches bei etwa 12.300 Punkten liegt, dann ist der erste Schritt in Richtung nachhaltiger Bodenbildung gemacht. Allerdings ist erst über 12.600 Punkten (obere gestrichelte Linie) eine Bodenbildung endgültig und signifikant vollzogen.

Die Szenariobetrachtung für den Fall, dass dies nicht gelingen sollte, ist auch im 1-Jahreschartbild nicht durchführbar. Dazu werfen wir abschließend einen Blick in den langfristigen 10-Jahres-Chart vom DAX-Index:

DAX-Chart 10 Jahre (Wochenbalken)

Langfristtrend vollkommen intakt, Konsolidierung maximal bis 11.000.

Der übergeordnete Langfristtrend (blauer Trendkanal) bleibt weiterhin auf langfristige Sicht vollkommen intakt. Innerhalb dieses sehr breiten Trendkanals kann dem DAX-Index ein weiterer flacherer Trend zugeschrieben werden (Hellblauer Trend).

Und hier sehen Sie auch das vorhandene Abwärtspotenzial, sollte die angesprochene 11.900er Zone (obere rote Linie) nicht halten.

Ein Abgleiten bis auf die untere hellblaue Trendbegrenzung ist einzukalkulieren, falls der DAX die 11.900 nicht halten kann. Aktuell liegt sie bei etwa 11.000 Punkten. Dazwischen befindet sich noch eine gute Unterstützung im Bereich 11.400/500 Punkten (mittlere rote Linie).

Eine gelungene Wende eröffnet hingegen +1.000 Punkte Aufwärtspotenzial.

Fazit: Lange Baisse aktuell vollkommen ausgeschlossen

Sie brauchen aktuell keine Angst vor einer langen Baisse zu haben. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, denn spätestens der hellblaue Trendkanal hat sehr gute Chancen, noch mindestens 1 Jahr lang befolgt zu werden. Wir sprechen hier lediglich von einer möglichen ausgedehnten Konsolidierung, die im Falle Ihres Eintreffens günstige Einstiegsmöglichkeiten schaffen kann.

 In welche Richtung es geht, bleibt noch im Nebel verborgen.

Die Zinsen steigen zwar, aber nur moderat. Die US-Konjunktur ist weiter im Aufwind. In Europa sind die Zinsen noch tief. Im Grunde genommen führt kein Weg an der Aktie vorbei.

Ein möglicher Handelskrieg wird in meinen Augen zu hochgespielt. Es gab schon immer Zölle auf ausländische Waren. Stimmen von Experten aus China beziffern die US-Strafzölle auf chinesische Waren als wenig konjunkturbeeinflussend. Die chinesische Wirtschaft wird weiter mit über 6% pro Jahr wachsen, Strafzoll hin oder her.

Da sehe ich eher die Gefahr, dass bei einem weiteren scharfen Einbrechen der FANG-Aktien die Anleger nervös werden. Es ist zwar unlogisch, weil eben nur diese 4 Aktien auch lange Zeit nichts anderes kannten, als den Weg nach oben, aber Anleger sind halt nur Menschen, die ihr Handeln auch an Ängste anpassen.

Eine ausgedehntere Konsolidierung ist natürlich aus diesem Grunde nicht auszuschließen, aber spätestens an der 11.000er Marke winken günstige Einstiegskurse.

 „Bleiben Sie an der Außenlinie“!

Für DAX-Trader ist Raushalten angesagt, wenn sie nicht auf dem falschen Fuße erwischt werden wollen.


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Von: Michael Sturm. Über den Autor

Tauchen Sie ein in die neue Dimension des Handelns an der Börse. Mit seinen Börsendiensten 30-Prozent-Trader und 5-Minuten-Trader arbeiten mehr als 2 Jahrzehnte Erfahrung und geballte Leidenschaft für die Finanzmärkte für Ihr Depot. Seine ebenso ungewöhnlichen wie erfolgreichen Trading-Strategien sind dabei stets geprägt von Michael Sturms Motto: Gewinnen mit Verstand und ruhiger Hand!