DAX-Prognose 2012 aus statistischer Sicht

Für das neue Jahr 2012 wünsche ich Ihnen Gesundheit und Zufriedenheit, wunderbare Momente, freudige Überraschungen und regelmäßig Glückssträhnen.

Ein Jahresbeginn ist immer eine gute Gelegenheit, einen abschließenden Blick auf das alte Jahr zu werfen: Die Kursdaten für das abgelaufene Jahr stehen unverrückbar fest – es kann Bilanz gezogen werden.

Aber es bietet natürlich auch eine Gelegenheit vorauszuschauen. Das hatte ich in der letzten Woche aus Sicht der Charttechnik getan. Heute möchte ich dieses mit einer Prognose aus statistischer Perspektive „abrunden“.

Dabei gibt es durchaus Positives, doch leider auch skeptisch stimmendes zu berichten.

Danke. Endlich ist es vorbei!

Zunächst einmal bin ich persönlich jedoch hocherfreut darüber, dass mir ab heute für die nächsten 9 bis 10 Monate das Wort Jahresendrallye erspart bleibt. Offen gestanden: Selten ist mir dieses Wort derart „auf den Keks“ gegangen, wie im abgelaufenen Börsenjahr.

In meinem Beitrag Die Jahresend-Rallye 2011 steht bevor! Wirklich? schrieb ich Ihnen am 14. November:

„Ich möchte hier mit meinen Anmerkungen nicht sagen, dass wir 2011 keinesfalls eine Jahresend-Rallye bekommen werden.

Vielmehr möchte ich Sie ermuntern, sich nicht alles von den Medien weismachen zu lassen (die sind ohnehin meist zu spät), sondern Statements wie „die übliche Jahresend-Rallye steht bevor“ kritisch zu hinterfragen.

Manch einer scheint bei der ganzen „Jahresend-Rallye-Euphorie“ nämlich noch einen, nicht unbedeutenden Punkt vergessen zu haben:

Der DAX hat im Oktober dieses Jahres bereits eine Performance von +11,62% hingelegt. In den vergangenen 51 Jahren haben wir es jedoch nur 11x erleben dürfen, dass der DAX 3 Monate in Folge mit einem Zuwachs abgeschlossen hat.

Das entspricht einer Wahrscheinlichkeit von lediglich 21,57%…“

So viel zur Jahresendrallye 2011!

Nun: Die Bilanz der letzten beiden Monate in 2011 sah für den DAX dann wie folgt aus:

November: -0,85%

Dezember: -3,13%

Die Wahrscheinlichkeitsrechnung hat also wieder einmal gesiegt!

2012: Perspektiven aus statistischer Sicht

Doch nun zum Blick nach vorn: Welche Perspektiven bietet denn die Statistik für den DAX für 2012?

Zuvor ein Hinweis: Meine Erkenntnisse ziehe ich aus einer von mir gehegten und gepflegten Datenbank mit DAX-Daten (teils rückgerechneten), die bis Februar 1960 zurückreichen.

In dieser erfasse ich die Monatshochs und -tiefs sowie die Monatsschlusskurse. Die statistischen Berechnungen beziehen sich fast ausschließlich auf eine Auswertung der jeweiligen Monatsschlusskurse.

Positiver Start möglich…

Die ersten 4 Monate eines Kalenderjahres zählen aus statistischer Sicht zu den besten des Jahres für den DAX:

  • Der Januar belegt mit einer Wahrscheinlichkeit von 64,71% für eine positive Performance Rang 1 im Kalenderjahr. Im Schnitt der vergangenen 51 Jahre wurde ein Plus von +1,33% erzielt.
  • Der Februar belegt mit einer Wahrscheinlichkeit von 50,00% für eine positive Performance Rang 10. Im Schnitt der vergangenen 52 Jahre wurde ein Plus von +0,62% erzielt.
  • Der März belegt mit einer Wahrscheinlichkeit von 59,62% für eine positive Performance Rang 4. Im Schnitt der vergangenen 52 Jahre wurde ein Plus von +1,21% erzielt.
  • Der April belegt mit einer Wahrscheinlichkeit von 63,46% für eine positive Performance Rang 2. Im Schnitt der vergangenen 52 Jahre wurde ein Plus von +1,62% erzielt.

Das klingt doch schon mal sehr erbaulich.

…aber:

Leider muss ich jedoch etwas Essig in den Wein gießen.

Meine statistische Auswertung nach Jahrgängen stimmt mich nämlich nicht gerade optimistisch: In den 5 Jahren, die mit einer 2 endeten, erzielte der DAX im Durchschnitt seit 1960 ein Ergebnis von -9,19%.

Das ist mit Abstand die schlechteste Performance aller Jahrgänge mit derselben Endziffer!

Einschränkend muss ich dazu allerdings anmerken: Von den 5 ausgewerteten Jahrgängen waren 2 Plus-Jahre und 3 Minus-Jahre.

2 dieser 3 Minus-Jahre hatten es indes in sich: 1962 wurde ein Minus von -21,18% und 2002 ein Minus von -49,67% eingefahren. Das letztere war übrigens das größte Jahres-Minus, dass der DAX in den vergangenen 52 Jahren hinnehmen musste.

Jahre, die mit einer 0 endeten erbrachten ein durchschnittliches Ergebnis von -2,04%. Jahre, die auf einer 1 endeten (also unter anderem das Jahr 2011) erbrachten ein durchschnittliches Ergebnis von -2,27%.

Dafür wird es ab 2013 aus statistischer Sicht wieder sehr erfreulich: Jahre, die mit einer 3 enden, fuhren seit 1960 im Mittel einen Jahresgewinn von +19,63% ein. Und alle darauf folgenden Jahre mit derselben Endziffer erbrachten im Schnitt positive Resultate.

Fazit:

Fassen wir also zusammen: Die ersten 4 Monate eines Jahres zählen aus statistischer Perspektive zu den ertragreichsten des gesamten Kalenderjahres. Allerdings steht dem die schlechte Performance der Jahre entgegen, die mit einer 2 enden.

Ein Widerspruch also?

Mitnichten: Eine gute Performance in den ersten 4 Monaten 2012 muss ja nicht bedeuten, dass am Ende trotzdem ein negatives Gesamtergebnis unter dem Strich steht…

2. Januar 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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