DAX-Prognose 2012: Wichtige Kursmarken

Das Börsenjahr 2011 neigt sich immer mehr dem Ende zu. Und das Börsenjahr 2012 naht mit großen Schritten.

Höchste Zeit also, zu schauen, was 2012 auf uns zukommen könnte.

Doch keine Sorge: Ich werde nicht an die alberne, jährliche Tradition der Banken anknüpfen, HEUTE einen Jahresendstand 2012 für den DAX zu prognostizieren.

So etwas ist nichts anderes als Glücksspiel.

Ich persönlich arbeite lieber mit Wahrscheinlichkeiten. (Deshalb ziehe ich die Börse auch dem Lotto-Spielen vor!)

Und in diesem Sinne möchte ich Ihnen heute und morgen aufzeigen, welche Perspektiven uns der DAX im kommenden Jahr zu bieten hat. Genauer gesagt möchte ich Ihnen einige „Wenn-dann-Szenarien“ aufzeigen.

Denn: Wenn Sie eine Vorstellung davon haben, was der DAX für Sie in petto haben könnte, dann ist es für Sie keine Überraschung mehr, wenn sich ein Szenario letztlich so oder so entwickelt. Und wenn etwas Sie nicht mehr überraschen kann, dann können Sie sich darauf vorbereiten und sogar einen Plan entwickeln.

Den Blick für die großen Zusammenhänge schärfen

Wir sind zumeist gewohnt, auf den Kursverlauf der letzten Tage oder maximal Wochen zu schauen. Das kann jedoch sehr gefährlich werden.

Denn: Jeder Trend, den wir auf dem Tageschart sehen, ist Teil eines Trends auf dem Wochenchart und kann diesem durchaus entgegenlaufen. Beispiel: Im Wochenchart zeigt der Trend abwärts, im Tageschart jedoch aufwärts, weil die Kurse zurzeit eine Erholungsbewegung nach einer Abwärtsbewegung durchlaufen.

Und natürlich ist der Wochen-Trend seinerseits Teil des Monats-Trends und dieser wiederum Teil des Trends im Jahreschart.

Je höher wir also die Zeitebene unserer Betrachtung wählen, umso mehr wird unser Blick für die großen Zusammenhänge geschärft.

Daher möchte ich Ihnen einmal die höheren Zeitebenen präsentieren, um zu sehen, welche Schlüsse wir daraus ableiten können. Heute beginnen wir mit dem Jahreschart, also der obersten Zeitebene. Morgen werden wir uns dann dem Monatschart und dem Wochenchart zuwenden.

Ach ja: Indikatoren wie Tagelinien oder Momentum habe ich ganz bewusst weggelassen, um nicht abzulenken. Also sozusagen DAX pur!

Hinweise zum Jahreschart

Wie Sie sehen, habe ich die Kursspitzen mit den Kurstiefs der letzten 34 Jahre durch pinkfarbene Linien verbunden. Auf diese Weise lässt sich ein Trend besser visualisieren.

Noch ein Hinweis vorweg: Die Kerze des laufenden Jahres hat ein höheres Hoch und ein tieferes Tief als die Kerze des Jahres 2010. Eine solche Kerze bezeichnen wir in der Charttechnik als „Außenkerze“.

Bildet sich eine Außenkerze im Aufwärtstrend, dann wird ihr Hoch als neues Hoch im Aufwärtstrend gewertet. Bildet sie sich hingegen in einem Abwärtstrend, dann wird ihr Tief als neues Tief im Abwärtstrend gewertet.

30 Jahre Aufwärtstrend

Die grünen Pfeile verdeutlichen, dass wir uns seit den 1980er-Jahren in einem intakten Aufwärtstrend befinden: Auf jedes neue Zwischenhoch folgte ein höheres Zwischenhoch und auf jedes Zwischentief folgte ein höheres Zwischentief.

Mit einer Ausnahme: Das Top aus dem Jahr 2007 (bei 8.151) wurde bislang noch nicht überboten. Das Hoch der Aufwärtsbewegung seit 2009 lag lediglich bei 7.600 Zählern.

Das ist noch kein Beinbruch, denn immerhin könnte der DAX im kommenden Jahr ja durchaus dieses Allzeithoch überwinden.

Allerdings müssen wir auch konstatieren, dass der DAX seit dem Hoch vor 11 Jahren nicht mehr wesentlich vorangekommen ist. Bis zu jenem Jahr lag jedes neue Hoch signifikant über dem vorangegangenen.

Tatsächlich lag das Allzeithoch aus dem Jahr 2007 ganze 15 Punkte über dem Top des Jahres 2000. Dies könnte also ein ernst zu nehmender Hinweis darauf sein, dass dem DAX nach 30 Jahren Dauer-Aufwärtstrend langsam die Puste ausgeht.

3 Kursmarken sind in 2012 von entscheidender Bedeutung

Daher werden im kommenden Jahr 3 Kursmarken sehr wichtig sein.

Die erste wichtige Kursmarke (grüne Linie) liegt beim diesjährigen Hoch von 7.600: Kann diese überboten werden, steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich an, dass wir ein neues Allzeithoch erreichen können.

Die zweite wichtige Kursmarke (orange Linie) liegt beim diesjährigen Tief von 4.965: Wird diese unterboten, dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit dafür, dass wir einen weiteren, kräftigen Abwärtsschub bekommen.

Die dritte wichtige Kursmarke (rote Linie) rückt genau dann in den Fokus, wenn die zweite Kursmarke unterboten werden sollte. Sie liegt beim Tief des Jahres 2009, also bei 3.588. Sollte auch dieser Punkt unterschritten werden, dann hätte dies mit hoher Wahrscheinlichkeit ziemlich üble Folgen.

In diesem Fall wäre nämlich der seit 1982 intakte Aufwärtstrend des DAX gebrochen. Und das dürfte einen massiven Ausverkauf nach sich ziehen.

So viel für heute. Morgen schauen wir dann auf den Monats- und Wochenchart.

28. Dezember 2011

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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