DAX heute: Absturz um 22:10 befürchtet

DAX Prognose: Heute ab 22:10 könnte es zum Absturz an der Börse kommen. Wieso? Erfahren Sie selbst! (Foto: gopixa / Shutterstock.com)

Sicher provokativ, die Überschrift. Denn eine DAX Prognose heute auf die Minute genau zu stellen, das kommt einer Scharlatanerie gleich.

Und doch, wenn heute der Startschuss zum Abwärtstrend fällt, dann um 22:10 Uhr. Dieses Mal ist die minutengenaue DAX Prognose möglich.

DAX: Heute um 22:10 Uhr startet die Berichtssaison

Ab heute berichten die Unternehmen, wie sie in im abgelaufenen Quartal gewirtschaftet haben. Traditionell wird der Zahlenreigen in den USA vom Aluminiumkonzern Alcoa eröffnet.

Das geschieht etwa 10 Minuten nach US-Börsenschluss.

Also um 22:10 Uhr unserer Zeit. Die Ergebnisse von Alcoa waren in den vergangenen Jahren oft eine guter Indikator. Nicht selten gab Alcoa die Kursrichtung der Märkte für die folgenden Wochen vor.

Letzte Hoffnung der Bullen: Unternehmensgewinne

In den letzten Tagen haben die Indizes deutlich zugelegt. Der DAX schaffte im Vorfeld der Zahlen ein beeindruckendes Wochenplus von rund 4%. Fundamentale Gründe dafür gab es nicht.

Nun warten die Bullen (setzen auf steigende Kurse) darauf, dass es bessere Nachrichten für die weltweit belasteten Märkte gibt, die diese Kursgewinne der letzten Tage untermauern. Diese besseren Nachrichten sollen nun die Quartalszahlen bringen.

Dax Heute: Hohe Gewinnerwartungen des Analysten müssen übertroffen werden

Analysten erwarten für die Konzerne, die im breit gefassten US-Index S&P500 gelistet sind, dass die Gewinne für das zweite Quartal 2010 um knapp 35% über denen des zweiten Quartals 2009 liegen.

Es gab noch nie eine so hohe Prognose seitens der Analysten. Ich schließe gar nicht mal aus, dass es diese hohen Gewinne gibt. Denn die Vergleichszahlen stammen aus dem Frühjahr 2009, in dem die Indizes auf ihren Tiefständen der letzten Jahre notierten.

Hohe Gewinnerwartungen erreichen, ist zu wenig

Ein „nur“ Erreichen dieser Gewinne reicht aber nicht. Denn diese hohe Erwartungshaltung ist bekannt und in den aktuellen Kursen eingepreist. Der Logik der Börse folgend, muss es positive Überraschungen geben.

Nur diese sorgen für neue Kursphantasie.

Zu bedenken gebe ich auch, dass der DAX seit seinem Tief von 4.000 Punkten im zweiten Quartal 2009 (Vergleichsquartal) bis heute schon um rund 50% gestiegen ist. Für weitere Kursgewinne müssen also Zahlen kommen, die kaum zu schaffen sind.

Wichtig: Ausblick der Unternehmen bis zum Jahresende

Mindestens genauso wichtig wie die aktuellen Zahlen sind die Ausblicke der Unternehmen bis zum Jahresende und für 2011.

Denn an der Börse wird (nur) die Zukunft gehandelt.

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Da die Börsen nur nachhaltig zulegen, wenn die Gewinne der Unternehmen steigen, werden für die kommenden Jahre schlicht und ergreifend Rekordergebnisse beziehungsweise deren Ankündigung erwartet.

Wichtige Indikatoren zeigen auf, dass das fast unmöglich ist.

Baltic Dry Index zeigt düsteres Bild

Der Baltic Dry Index ist ein Frachtratenindex für die Schifffahrt. Er zeigt, wie sich die Kosten entwickeln, die Unternehmen bereit sind, für die Fracht zu bezahlen.

Sind sie bereit hohe Frachtraten zu bezahlen, „brummt“ die Wirtschaft und umgekehrt.

Aus diesem Grund gilt der Baltic Dry Index als wichtiger konjunktureller Frühindikator.

Die Kursentwicklung dieses Frühindikators verspricht wenig Gutes.

Der Baltic Dry Index fiel alleine im vergangenen Monat um fast 50%. Die Nachfrage nach Frachtern, die Eisenerz nach China verschiffen, brach sogar um 60% ein.

Das ist besonders dramatisch, denn derzeit wird gerade China als kommende Wirtschaftsweltmacht Nummer 1 gehandelt.

Und China kauft derzeit offensichtlich weniger Rohstoffe. Das spricht dagegen, dass von dort Wachstumsimpulse kommen.

Gerade in den letzten Tagen, während der DAX deutliche Kursgewinne verbuchte, gab es im Baltic Dry Index einen negativen Rekord.

Der Index fiel 28 Tage in Folge. Das ist die längste Verlustserie seit 6 Jahren.

DAX: Heute ab 22:10 Uhr keine andere Option als der Absturz?

Die Zahlen von Alcoa werden heute um 22.10 Uhr (MEZ) veröffentlicht. Wenn diese den sehr hohen Erwartungen nicht standhalten oder diesen „nur“ standhalten, sie aber nicht überbieten, dann wird der Dow Jones nachbörslich fallen.

In der Folge können der Dow Jones unter 10.000 und der DAX unter 6.000 Punkte fallen. Zum wiederholten Male. Irgendwann ist „Schluss mit lustig“.

Irgendwann geben auch die hartnäckigsten Bullen auf. Und wenn es dann zu weiterem Verkaufsdruck kommt, ist das eine …


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Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.