DAX-Prognosen 2016: So schnitten die Experten ab

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende zu. Heute und morgen wird zwar noch gehandelt – an den Ergebnissen für das Börsenjahr sollte sich indes nichts Gravierendes mehr ändern.

Da Sie jedoch gerade meinen letzten Chartanalyse-Trends-Beitrag aus 2016 lesen, nutze ich das für einen Rückblick auf die DAX-Prognosen der Experten. Als solche werden sie zumindest bezeichnet.

Und da das ZEW (Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung) vierteljährlich die Prognosen der Research-Abteilungen von 15 – 20 deutschen Banken zu DAX, STOXX 50, Zinsen, Ölpreis und Euro / USD in ihrem „ZEW Prognosetest“ festhält, gelten sie wohl auch als solche.

Die „Mechanik“ der ZEW Banken-Prognosen

Leider werden die Banken dieser „Expertenrolle“ eher selten gerecht.

Das ist z. T. auch darin begründet, dass stichtagsbezogene Vorhersagen für die jeweils bevorstehenden 3 und 6 Monate abgegeben werden müssen:

So wurden die Banken beispielsweise am 22. Dezember 2015 (DAX: 10.489) befragt, was sie glauben, wo der DAX am 31. März und am 30. Juni 2016 stehen wird.

3 Monate später wurden dann die Vorhersagen für Ende Juni und Ende September eingesammelt und so fort.

Daher beziehe ich mich im heutigen Beitrag auf die zur Jahresmitte und Ende September erstellten Prognosen.

Zumal ich eine Bilanz zum 30. Juni bereits in meinem Chartanalyse-Trends-Beitrag „Halbjahresbilanz: DAX-Prognosen der Banken lagen erneut daneben“ gezogen hatte.

Der Blick in die Kristallkugel

Für mich ähneln die von der ZEW eingesammelten Banken-Prognosen dem Blick in die berühmte Kristallkugel.

Als Investor ist Ihnen – meiner bescheidenen Ansicht nach – eher mit einer zeitraumbezogenen Vorhersage gedient, so wie ich Sie Ihnen z. B. gestern zum DAX für 2017 und 2018 präsentiert hatte.

(An dieser lasse ich mich im Übrigen auch gerne messen bzw. messe ich mich selbst.)

Ob nun sinnvoll oder nicht, so steht eines jedenfalls fest: Die Banken können frei entscheiden, sich an derlei Prognosen zu beteiligen oder auch nicht.

Der emotionale Einflussfaktor

Es gibt aber noch einen psychologischen Aspekt, der die ZEW-Bankenprognosen in meinen Augen ein Stück weit unglaubwürdig macht:

Die Vorhersagen werden nämlich deutlich erkennbar von den Ereignissen beeinflusst, die das gerade abgelaufene Quartal geprägt haben.

Schauen wir dazu einmal auf die beiden letzten Prognosen:

zew-prognosen-per-juni_29-12-2016

ZEW Banken-Prognosen per Juni 2016

zew-prognosen-per-september_29-12-2016

ZEW Banken-Prognosen per September 2016

Bei der Befragung am 29. Juni (DAX: 9.612) standen die Bank-Experten unter dem Eindruck des Brexit-Votums vom 23. Juni (DAX: 10.752):

Am Montag, den 27. Juni hatte der DAX noch bei 9.216 ein Tief markiert. Entsprechend sagten sie im Konsens einen Jahres-Endstand von 10.209 Punkten voraus.

Im August überwand der DAX seinen seit April 2015 gültigen Abwärtstrend und notierte bei der ZEW-Befragung vom 29. September bei 10.406 Zählern.

Diesmal erwarteten die Bank-Experten den DAX zum Jahresende im Mittel bei 10.694, mithin also fast 500 Punkte höher, als noch 3 Monate zuvor!

Fazit

Heute Vormittag pendelt der deutsche Leitindex um die Marke von 11.450 Punkten.

Mit ihrer Konsens-Prognose vom Juni (DAX: 10.209) lagen die Banken-Experten somit satte 1.241 Zähler daneben. Das entspricht einer Abweichung von immerhin +12,2%.

Etwas glimpflicher sieht es bei der Vorhersage vom September aus (die allerdings, wie gesagt, unter dem Einfluss eines kräftig verbesserten DAX im August stand):

Die Konsens-Prognose von 10.694 lag indes noch immer 756 Punkte zu niedrig. Anders ausgedrückt: Der DAX endete +7,1% höher.

Ich überlasse es Ihnen, die restlichen Voraussagen zu überprüfen, um sich selbst einen Eindruck von der Qualität dieser ZEW Banken-Prognosen zu verschaffen.

Damit Sie nicht lange suchen müssen, nenne ich Ihnen noch die jeweiligen Stände von heute:

Rendite 10-jähriger deutscher Staatsanleihen: +0,19% (Stand: 28.12.) / STOXX 50: 3.275 / Euro / USD: 1,0470 / Ölpreis (Brent): 56,24 USD je Barrel.

29. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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