Dax rauscht wieder unter 11.000

Das Griechenland-Gezerre war den Dax-Anlegern am Mittwoch mal wieder zu viel. Mehrfach wechselte der Leitindex die Vorzeichen, rutschte aber am Ende wieder in die Verlustzone und gab letztendlich um 0,6 Prozent nach. Der Schlusskurs von 10.978 Punkten ist der niedrigste seit vier Monaten.

Grexit-Angst und guter Wille

Bereits vor einigen Tagen hatte der Dax den Handel unterhalb der 11.000er-Marke beendet. Den Verhandlungspartnern läuft die Zeit davon. Sie müssen sich bis Ende des Monats auf ein weiteres Vorgehen verständigen, andernfalls droht die Staatspleite Griechenlands – und in der Folge der „Grexit“, also das Ausscheiden aus der Währungsunion. Das wurde in den vergangenen Tagen immer deutlicher von verschiedenen Akteuren betont.

Auffällig waren am Dienstag und Mittwoch jedoch auch die mahnenden Worte mehrerer hochrangiger Politiker, die den starken Willen bekundeten, Griechenland in der Euro-Zone zu halten und die Pleite zu verhindern. Nach Angela Merkel hat sich auch Österreichs Regierungschef entsprechend positioniert.

Der gute Wille ist also vorhanden, allerdings scheint es nach den zahlreichen Konfrontationen der vergangenen Monate schwierig, einen gangbaren Weg zu finden, bei dem keiner der Beteiligten das Gesicht verliert. Es wird hoch gepokert. Die Finanzmärkte können dem Treiben nur zusehen. Sie reagieren schreckhaft.

Fed: Zinswende noch im laufenden Jahr?

Für Gesprächsstoff sorgte am Mittwoch allerdings auch die US-Notenbank Federal Reserve, die am Abend – nach deutschem Börsenschluss – ihr weiteres Vorgehen in Sachen Zinspolitik erläuterte. Fed-Chefin Janet Yellen hielt sich zwar bedeckt, was einen konkreten Zeitplan betrifft, betonte jedoch, die volkswirtschaftliche Lage habe sich soweit stabilisiert, dass eine schrittweise Zinsanhebung noch in diesem Jahr verkraftbar erscheine.

Beobachter rechnen nun im September und Dezember mit der Zinswende, die ursprünglich schon für Mitte 2015 angepeilt und dann immer wieder verschoben worden war. Die US-Börsen reagierten positiv auf die Meldungen der Fed, dieser Effekt könnte am Donnerstag auch den Handel in Frankfurt beeinflussen.

Linde an der Spitze, Autowerte schwach

Bei den Einzelwerten schafften nur vier den Sprung in die Gewinnzone: Infineon und Lanxess mussten sich mit 0,1 und 0,7 Prozent zufriedengeben. Besser lief es für die Telekom, deren Aktien sich nach Gerüchten um Verkaufsverhandlungen um die Tochter T-Mobile US um 1,1 Prozent verteuerten.

Spitzenreiter war Linde mit einem Aufschlag von 1,9 Prozent. Einem Interview mit Konzernchef Wolfgang Büchele zufolge rechnet das Unternehmen mit einem starken Ergebnis für das zweite Quartal.

Die Deutsche Post profitierte zeitweise von einem positiven Analystenkommentar, rutschte am Ende aber um 1,2 Prozent ins Minus. Auch die Automobilwerte liefen schwach: Die Papiere von Volkswagen, BMW, Daimler und Continental verbilligten sich um 1,2 bis 1,8 Prozent.

Schlusslicht war die Lufthansa, deren Kurs um 2 Prozent nachgab. Hintergrund ist vor allem die Ausbreitung des Mers-Erregers in Südkorea. Anleger befürchten in diesem Zusammenhang negative Effekte auf die Reiselust der Kunden.

18. Juni 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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