DAX: Schwungvolles Kaufsignal?

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Ob Sie es glauben oder nicht: SIE entscheiden selbst, ob Sie an den Aktienmärkten Gewinne oder Verluste machen! (Foto: solarseven / Shutterstock.com)

Sind Sie ein Investor, der zu wissen glaubt, wohin sich die Aktienmärkte in den kommenden Wochen oder Monaten entwickeln werden oder gar „müssen“?

Oder zählen Sie sich eher zu den Anlegern, die sich recht unsicher auf dem Börsenparkett fühlen und daher händeringend Rat und Hilfe bei (vermeintlichen) Experten und Profis suchen?

In beiden Varianten schlummern immense Gefahren für Sie: Lassen Sie mich Ihnen dazu eine Begebenheit aus meinen Anfangsjahren als „Börsen-Jungspund“ erzählen!

Kontakt mit Elliott

Ich hatte 1992 das Buch „Gezeitenwechsel“ von Robert A. Prechter und Alfred J. Frost aus dem Jahr 1990. Es war sozusagen mein erster Kontakt mit den sogenannten „Elliott-Wellen“.

Die ursprünglich von Ralph Nelson Elliott aufgestellte Theorie geht davon aus, dass sich soziale sowie Massenpsychologische Trends und Trendumkehrungen in erkennbaren Mustern entwickeln. Elliott identifizierte 13 Muster oder Wellen, die in den Märkten wiederholt auftreten.

Prechter & Frost: Die „Einmal-Gurus“

Prechter und Frost setzten die Arbeit Elliotts fort. Sie verfassten 1978 den Wall-Street-Bestseller „Das Elliott-Wellen-Prinzip“. In diesem Buch prognostizierten sie drei große Entwicklungen:

– eine gewaltige Aktienhausse in den 1980er-Jahren

– einen Börsenkrach im Stil des Jahres 1929, nachdem der Aktienmarkt seine Spitze erreicht habe

– eine danach einsetzende lange Periode der wirtschaftlichen und finanziellen Schrumpfung

Mit ihrer ersten Prognose landeten Prechter und Frost einen absoluten Volltreffer und wurden fortan als „Gurus“ angesehen. Und auch die zweite Vorhersage schien zunächst einzutreffen:

Sie sahen nämlich den 1987er-Crash als den „Börsenkrach im Stil des Jahres 1929“ an.

Als dieser Börsenkrach indes nicht in dem prognostizierten Ausmaß eintrat und sich stattdessen die Kurse 1988 und 1989 gleich wieder nach oben entwickelten, verlegten sie den Termin dafür kurzerhand auf den Anfang der 1990er-Jahre – allerdings trat das Ereignis erneut nicht ein.

Ist doch klar, dass es so kommen MUSS!

Nichtsdestotrotz hatte das Buch „Gezeitenwechsel“ eine derart faszinierende Wirkung auf mich, dass ich 1994 kurzerhand den vom Autor Prechter herausgegebenen Börsendienst „The Elliott Wave Theorist“ abonnierte.

Prechter prognostizierte in seinem Börsendienst zu jener Zeit, dass ein Ende des Aktien-Booms unmittelbar bevorstünde und bereitete seine Leser auf das Eintreten dieses „Ernstfalles“ vor.

Da ich seine Prognosen und ihre Herleitung ausgesprochen plausibel fand, „hing“ ich förmlich an Prechter’s Einschätzungen. Und dementsprechend deckte ich mich vorsorglich mit Put-Optionsscheinen auf den Standard & Poors 500 Index ein: Schließlich wollte ich aus dem bevorstehenden großen Zusammenbruch der Börse den größtmöglichen Nutzen ziehen! Indes:

Es kommt an der Börse nie so wie man glaubt!

Es kam einmal mehr anders als Prechter glaubte und ich seinen Prognosen: Der S&P 500, der 1994 noch dreimal an der Marke von 480 Punkten gescheitert war, überwand dieses Niveau Anfang Februar 1995.

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

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Anschließend stürmte der Index, in einer geradezu unglaublichen Rallye, innerhalb von nur 7 Monaten um 105 Punkte oder knapp +22% in die Höhe, bevor er eine erste ernsthafte Pause einlegte.

Das Fatale war, dass ich so sehr an den Niedergang des Aktienmarktes „glaubte“, dass ich sämtliche Warnsignale des Marktes übersah. Selbst als er immer weiter nach oben kletterte, hatte ich nicht nur die Hoffnung, dass das Ende nahe sei, sondern war vielmehr überzeugt, dass der Absturz nur umso größer werden würde.

Nun, Sie können sich das Endresultat vermutlich selbst ausmalen: Ich verlor nahezu mein gesamtes Anlagekapital. Immerhin reichte es so gerade für einen Neuanfang.

Die Märkte haben immer recht (und nicht wir Investoren)

Das geschilderte Erlebnis hat meine Sichtweise auf Aktien und Märkte komplett und radikal verändert. Ich verfahre seither nach dem Motto: „Die Märkte haben immer Recht!“ und bemühe mich, ihre Trendrichtung mit Hilfe der Charttechnik zu ergründen.

Seit damals vertraue ich ausschließlich nur noch meinen eigenen Analysen. Und ich habe gelernt, bei meinen eigenen Trend-Einschätzungen flexibel zu bleiben und diese auch um 180 Grad zu drehen, wenn mir die Finanzmärkte entsprechende Signale liefern.

Warum erzähle ich Ihnen das alles? Weil ich in den vergangenen Wochen an den Aktienmärkten ausgesprochen vorsichtig agiert habe:

DAX: Kaufsignal mit Schwung

Das von mir für meinen Börsendienst „Die Wachstumsaktien-Strategie“ entwickelte Markt-Barometer und die Charttechnik signalisierten mir einen möglichen Trendwechsel.

Doch seit Dienstag haben sich die Vorzeichen umgekehrt: Das zeigt Ihnen der nachfolgende Chart des DAX:

DAX: „Schwung“-Indikator Momentum generiert Kaufsignal

Der Indikator für Schwung und Dynamik einer Kursbewegung, das Momentum, hat am Dienstag seinen seit Anfang November 2017 bestehenden Abwärtstrend nach oben verlassen (gelber Kreis) und damit ein Kaufsignal generiert.

Die pinkfarbenen Linien zeigen Ihnen noch eine Besonderheit: Seit September des vergangenen Jahres hat sich bei 12.600 ein Widerstand ausgebildet. Die Marke 12.800 hingegen diente in den beiden letzten Monaten des Jahres 2017 als solide Unterstützung.

Warum es bis 12.800 sehr schnell gehen kann

Da sich der DAX beiden Niveaus nun von unten nähert, wirken jetzt beide als Widerstand. Aber:

Der Bereich dazwischen wurde im September 2017 sehr schnell nach oben und im Februar dieses Jahres in nur 1 Tag nach unten durchquert. Das bedeutet:

Zwischen 12.600 und 12.800 Punkten sind nur sehr wenige Anleger investiert. Somit existieren hier nur wenige Long-Positionen, die darauf warten, endlich verlustfrei wieder aufgelöst zu werden.

Aus diesem Grund sollte der DAX diese Zone jetzt mit viel Schwung wieder nach oben durchqueren können.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.