DAX: Sinkender Ölpreis belastet nur kurzfristig

Die am Wochenende gescheiterten Gespräche über eine Reduzierung der Ölfördermenge belasteten den deutschen Aktienmarkt zu Beginn der neuen Handelswoche nur kurzfristig. In den ersten Handelsminuten sackte der DAX unter die 10.000-Punkte-Marke. Am Ende setzten sich aber die „Schnäppchenjäger“ durch und der DAX kletterte sogar noch auf 10.120 Punkte.

Öl ist nach wie vor der wichtigste Energieträger. Die gescheiterten Gespräche der Öl-Förderländer am gestrigen Sonntag in Doha und ein in Folge dessen zwischenzeitlich um 4% gefallener Ölpreis sorgten daher heute zunächst für Verluste beim DAX. Aber was genau war passiert? Warum brach der Ölpreis heute zwischenzeitlich um mehr als 4% ein?

Gescheiterte Gespräche der Öl-Förderländer

Am gestrigen Sonntag scheiterten in Doha Gespräche der Öl-Förderländer zur Deckelung der Öl-Produktion, um dem Preisverfall auf dem Weltmarkt entgegenzuwirken.

Es wird vermutet, dass die verfehlte Einigung an der Absage des Irans an eine mögliche Deckelung des Ölpreises lag. Der Iran hatte im Vorfeld der Tagung in Doha mitgeteilt, dass man sich nicht an den Plänen der mächtigen Fördernationen Saudi-Arabien und Russland beteiligen wolle.

„Da wir einen Plan fürs Einfrieren nicht unterzeichnen wollen, gibt es auch keine Notwendigkeit, jemanden vor Ort in Doha zu haben“, sagte der iranische Öl-Minister Bijan Namadar Zanganeh am Sonntag nach Angaben der Nachrichtenagentur Shana. Der Iran werde seine Produktion wie geplant auf 4 Mio. Barrel pro Tag erhöhen, so der Minister.

Kurzer Rückblick: Hintergründe des Ölpreisverfalls

Bevor ich darauf eingehe, wie es weitergehen könnte, möchte ich noch einmal kurz einen Blick in den Rückspiegel werfen: Der Ölpreis war von Mitte 2014 bis Ende 2015 wegen eines Überangebotes um bis zu 70% eingebrochen.

Dieses Überangebot hatte wenig mit einer gesunkenen Nachfrage als vielmehr mit einer Ölschwemme zu tun. Sprich: Der Ölpreis ist nicht deshalb eingebrochen, weil die Nachfrage gesunken ist, sondern deshalb, weil die Nachfrage in etwa gleich blieb, das Angebot sich aber deutlich erhöhte.

Denn führende Öl-Förderländer wie Saudi-Arabien wollten im Zuge wachsender Konkurrenz – zum Beispiel durch die von US-Firmen eingesetzte Fördertechnik Fracking – ihre Marktanteile durch eine Erhöhung der Produktion verteidigen. Und der Plan ging auf: Viele der US-Frackingunternehmen, die größtenteils spätestens bei Ölpreisen von unter 60 US-Dollar nicht mehr profitabel sind, bekamen massive Probleme.

Aufgeschoben muss nicht aufgehoben sein

Wie aber geht der Kampf um die Marktanteile weiter? Hier heißt es: Aufgeschoben muss nicht aufgehoben sein. Denn: Der Iran rief heute alle betroffenen Länder dazu auf, ihre Verhandlungen um eine Drosselung der Fördermenge fortzusetzen. Auch Russland erklärte, die Tür für eine Einigung sei noch immer offen.

Nach Angaben des nigerianischen Öl-Ministers werde es wahrscheinlich ein erneutes Treffen im Juni geben. Das bedeutet, dass es im Juni doch noch zu einer Einigung der Öl-Förderländer kommen könnte und eine zeitnahe Drosselung der Fördermenge damit noch nicht vom Tisch ist.

Bis dahin können Sie sich weiterhin über das billige Benzin und billigen Diesel-Treibstoff an der Tankstelle freuen. Weiterhin sind Sie als Aktionäre von dem nach wie vor günstigen Öl begünstigt, denn die meisten Unternehmen profitieren vom billigen Öl. Sollte der Ölpreis zeitnah wieder etwas zulegen, wäre dies aber auch kein Beinruch – solange der Anstieg des Ölpreises nicht allzu schnell und stark ausfallen würde.

18. April 2016

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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