Dax: Spielball der Notenbanker

Das Zwischenhoch am Donnerstag war nur von kurzer Dauer.

Nachdem Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), angedeutet hatte, die lockere Geldpolitik nötigenfalls zu verlängern und auszuweiten, hatte der DAX am Donnerstag kräftig zugelegt.

Doch obwohl die Börsen in China am Donnerstag und Freitag feiertagsbedingt geschlossen geblieben und von dort keine Negativ-Nachrichten zu verkraften gewesen waren, war es bereits am Freitag schon wieder vorbei mit dem Höhenflug.

Der Leitindex sackte um mehrere 100 Punkte ins Minus und rutschte zeitweise unter die 10.000-Punkte-Marke.

Letztere konnte der DAX am Ende immerhin verteidigen, schloss aber 2,7% schwächer bei 10.038 Punkten. Auch auf Wochensicht steht damit ein Verlust von 2,5%.

Notenbanken bestimmen den Kurs

Hintergrund des neuerlichen Sinkflugs waren diesmal die US-Arbeitsmarktdaten, die sehr gemischt ausfielen.

Einerseits wurden mehr Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gestellt und weniger neue Stellen geschaffen als gedacht – doch andererseits fiel parallel die Arbeitslosenquote auf 5,1%.

Damit bleibt fraglich, wie die Notenbanker der Federal Reserve um Chefin Janet Yellen die Arbeitsmarktdaten interpretieren – sie bilden einen wichtigen Indikator für den Zeitpunkt der geplanten Zinswende.

Zuletzt hatten sich die Stimmen gemehrt, die nicht mehr davon ausgingen, dass es bereits im September zu einer ersten Zinsanhebung kommen dürfte, doch nun schweben immer mehr Fragezeichen über dieser Aussage.

Klarheit wird erst die nächste Fed-Sitzung bringen, die in der kommenden Woche stattfinden soll.

Lufthansa-Aktie einsame Spitze

Bei den Einzelwerten stach die Lufthansa als einsame Spitze hervor. Als einziger DAX-Wert schaffte sie den Sprung ins Plus – und das mit einem gewaltigen Aufschlag von satten 5%.

Für Schub sorgte ein positiver Analysten-Kommentar, das Papier hatte bereits am Donnerstag kräftig zugelegt.

Bereits auf Rang 2 ging es allerdings deutlich abwärts: Dort verbuchte Infineon einen Tagesverlust von 0,9%, gefolgt von der Münchener Rück mit einem Minus von 1,2%.

Am deutlichsten unter Beschuss blieben unterdessen einmal mehr die Energiekonzerne E.on und RWE, die sich mit Abschlägen von jeweils 5,3% auf den letzten DAX-Rängen wiederfanden.

Beide leiden unter den Folgen der Energiewende sowie parallel sinkenden Einnahmen und stehen zunehmend mit dem Rücken zur Wand.

Die Aktien beider Konzerne sind mittlerweile auf rekordverdächtige Tiefstände gefallen: E.on-Papiere sind für 9,44 € zu haben, ein Anteilsschein von RWE kostete zuletzt 12,60 €.

7. September 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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