DAX springt weiter | Amazon & Co. vor massivem Abverkauf?

Der DAX setzt seine Hüpfpartie fort. Es gab erneut eine Kurslücke. Jedoch ist der heutige Tag nicht so positiv zu bewerten wie der gestrige. (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Der deutsche Aktienindex setzt seine hüpfende Partie weiter fort.

Sie vermuten es bereits: Ja, es gab erneut eine Kurslücke. Jedoch ist der heutige Tag nicht so stark positiv zu bewerten, wie es gestern der Fall war.

Wir haben gerade einmal 1/2 Prozentpunkt gutgemacht. Dafür wurde aber, wie angekündigt, die Durchschnitts-Linie geknackt.

100-Tage-Linie ist bezwungen

Blau eingezeichnet sehen Sie noch einmal die 100-Tage-Linie. Diese hatte ich gestern irrtümlich als 200-Tage-Linie beschrieben.

Deshalb hier noch einmal die Korrektur: Grün im Chart sehen Sie jetzt tatsächlich auch die 200-Tage-Linie. Wir liegen über beiden, und das ist gut für den DAX.

chart1

Als nächste Messlatte wartet der Bereich um 12.675 im Chart. Danach kommt fast schon das Allzeithoch knapp unter 13.000 Punkten.

Der September verläuft bisher unglaublich stark für den DAX und seine Anleger.

Welchen Einfluss wird der Ausgang der Bundestagswahl haben?

Ein Faktor könnte die Bundestagswahl am 24.9. sein; den Umfragen zufolge sieht es nach einer erneuten Großen Koalition aus.

Wir erinnern uns, wie die Märkte speziell in Frankreich, aber auch in Deutschland nach oben gingen, als Macron die Wahl gewann.

Da war viel Unsicherheit mit im Spiel. Erst kurz vorher zogen die Kurse an. Spekuliert hier also die Börse bereits auf eine neuerliche Amtszeit von Angela Merkel?

Die Dunkelziffer der AfD-Stimmen wird wohl entscheiden, mit wem die CDU/CSU koalieren muss.

Denn es könnte sein, dass es nicht für Schwarz-Rot reicht. Die aktuellen Umfragen sprechen zwar von insgesamt 60% für CDU/CSU und SPD.

Sollte die AfD aber anstatt der momentanen 9 – 11% plötzlich 20% holen, könnte es knapp werden.

Warum sollte die AfD ihren Anteil bis zur Wahl verdoppeln?

Erinnern Sie sich noch an Trump? CNN gab dem Sieger vor der Wahlnacht eine 1-stellige Prozentzahl als Chance.

Wundern Sie sich also nicht, wenn nicht alle AfD-Wähler bei Umfragen die Wahrheit gesagt haben!

Wer in einer Demokratie medial eine Partei so in die Ecke stellt, muss sich am Ende nicht wundern, dass die Wähler sich erst in der Kabine dazu bekennen.

Wenn der potentielle Wähler und die gesamte Partei öffentlich bei jeder Gelegenheit einen vor den Bug bekommt, ist das wenig demokratisch und im Sinne der Meinungsfreiheit.

Nur zur Info: Ich habe bereits per Briefwahl meine Stimme abgegeben – und nein: Ich habe nicht für die AfD gestimmt.

Wall Street – Kippt der Nasdaq100?

Wall Street – Kippt der Nasdaq100?Neue Rekordmarken an der Wall Street aber gleichzeitig wurden zahlreiche Technologieaktien verkauft. Während der amerikanische Dow Jones und S&P 500 Index neue Rekordstände erzielten, verlor der Nasdaq100 fast zwei Prozent… › mehr lesen

USA: Anleger zahlen Rekordpreise

Ist es schon wieder so weit, dass der Markt bereit ist für einen mittleren Crash?

Historisch gesehen sind die Aktien des S&P 500 so teuer, wie noch nie – v. a., wenn wir das KGV betrachten:

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis verrät, wie viele Jahre ein Unternehmen dieselben Gewinne erzielen müsste, um den Aktienkurs zu rechtfertigen.

Macht es 1 Mrd. Gewinn und hat einen Börsenwert von 10 Mrd., so beträgt das KGV 10. Je höher der Wert, desto teurer ist die Aktie.

Beispiele für den Wahnsinn und die Übertreibung in den USA gefällig? – Starten wir bei den Schrotthändlern:

  • Die Ford Motor Company hat ein KGV von 6,5.
  • Hewlett Packard liegt bei 9,6.

Das sind ideale Kaufpreise, sofern Sie daran glauben, dass die beiden ehemaligen Giganten schnelle Chancen auf einen Wiederanstieg haben…

Teurer wird es schon bei Caterpillar und 3M: Beide liegen bei einem KGV von etwa 22. Das ist noch bezahlbar und wirklich kein Ausreißer.

Paypal und Facebook finden wir bereits bei 33 und die Hotel-Gruppe Hilton bei 35.

Richtig teuer wird es dann ab Nvidia: Der Grafikkarten-Hersteller hat ein KGV von 53 und wird damit bereits übertrieben viel gekauft.

Doch das ist noch lange nicht das Ende… Halten Sie sich fest: Netflix hat ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 150!

Und damit immer noch nicht genug – das kann Amazon sogar noch toppen: Hier liegen wir aktuell bei sage und schreibe 255!

Und es kommt noch besser: Spitzenreiter ist die Apache Corporation mit Sitz in Houston.

Sie fördert Öl und Gas sowohl in den USA als auch in Ägypten und in den nördlichen Wasser-Gebieten des Vereinigten Königsreichs – das KGV: unglaubliche 439!

Und das alles bei einem Kurs von gerade einmal 40 US-Dollar – ein Schnäppchen im Vergleich zu Amazon, dessen Kurs knapp unter 1.000 US-Dollar liegt.

Fazit

Wir steuern also glasklar auf den nächsten ordentlichen Rücksetzer zu.

Warum sollten Sie Amazon-Anteile kaufen, wenn der aktuelle Gewinn 255 Jahre wiederholt werden muss, damit er den Börsenwert – und damit auch den Aktienkurs – rechtfertigt?!

Machen Sie sich also auf holprige Zeiten gefasst!

Es kann noch eine Weile gut gehen, aber behalten Sie besonders die teuren Aktien im Hinterkopf! Diese rauschen bei einem Crash extrem stark nach unten.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.