DAX: Starker Start, aber nichts dahinter

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Die Bullenfalle, die der DAX gestern baute, war sowas von vorhersehbar! Wie es jetzt weitergehen könnte. (Foto: Deutsche Börse AG)

Es gibt unerwartete Bullenfallen und es gibt solche mit Ansage. Die gestrige im DAX war von der Art der letztgenannten.

Der DAX kannte zur Handelseröffnung kein Halten und sprang in der ersten halben Stunde um 85 Punkte auf das neue Rekordhoch von 13.640 Zählern. Doch das war’s dann auch schon.

In meiner gestrigen Analyse hatte ich die charttechnischen Auswirkungen des neuen Allzeithochs genannt: Neujustierung des Aufwärtstrends seit 2009 und verringertes Kurspotenzial.

Wir schauen zunächst auf die aktuelle Charttechnik. Anschließend werde ich meine gestrige Aussage zum langfristigen Kurspotenzial des DAX noch einmal präzisieren.

Bullenfalle mit Ansage

Beginnen wir mit der Bullenfalle, die genauso zu erwarten war.

Seit Wochen beschreibe ich Ihnen den Marktzustand im DAX (und übrigens auch an der Wall Street) als völlig überkauft. In einer solchen Marktlage fehlt schlicht und ergreifend die Nachfrage, um ein Rekordhoch nachhaltig ausbauen.

Wenn die Notierungen aus einer solchen Konstellation heraus nach oben ausbrechen, haben Sie es mit einer praktisch „garantierten“ Bullenfalle zu tun. Schauen wir uns die aktuelle Charttechnik einmal in einem 15-Minuten Chart an.

DAX: Bullenfalle mit Ansage

  • Die Bullenfalle (gelb unterlegt) ist prima zu erkennen. Nur 45 Minuten nach Handelseröffnung war der Spuk schon wieder vorüber.
  • Gegen 12.00 Uhr erfolgte ein erster Test der Unterstützung bei 13.560 Punkten. Um 16.45 Uhr war auch dieses Bremsniveau unterboten.
  • Am Donnerstagmorgen (also heute) eröffnete der DAX zunächst mit einer Abwärts-Kurslücke: Die entsteht immer dann, wenn ein massiv erhöhtes Angebot die Notierung über Nacht kräftig nach unten drückt und so das Tageshoch deutlich unter dem Tief des Vortags bleibt.

Diese Abwärts-Kurslücke hat aber nur dann Bestand, wenn der DAX im Tagesverlauf nicht mehr das Vortagestief erreicht – deshalb meine Formulierung „zunächst“.

Eine Kurslücke kündigt Ihnen mit einer sehr guten Wahrscheinlichkeit eine Fortsetzung der ihr vorausgegangenen Trendbewegung an. Je größer die Lücke – sprich: je größer der Angebots- oder Nachfrageüberhang – umso höher ist das Potenzial der sich anschließenden Trendbewegung.

Zwei denkbare, langfristige DAX-Szenarien

Sehen wir uns nun noch einmal gemeinsam den gestrigen Langfrist-Chart an:

DAX: 2 denkbare, langfristige Szenarien

Diesmal habe ich den Chart noch etwas weiter in die Zukunft gerichtet aufgezogen. Auf diese Weise wird sichtbar, dass die beiden Trend-Kanäle aus 2009 und aus 2003 bei grob 35.000 Punkten im Jahr 2025 zusammentreffen – das wäre das langfristige Kurspotenzial.

Dazu habe ich Ihnen mit den Pfadpfeilen einmal 2 denkbare, grobe Verlaufs-Szenarien eingezeichnet:

  • Der grüne Pfadpfeil zeigt Ihnen die wahrscheinliche Variante an: Rücksetzer auf den gestern neujustierten Aufwärtstrend und erst danach folgt der endgültige und nachhaltige Ausbruch über den jetzt bei 13.600 neu generierten Widerstand (pinkfarbene Linie).
  • Die klar schlechtere, aber ebenfalls mögliche Variante zeigt der rote Pfadpfeil: Rücksetzer auf den Aufwärtstrend aus dem Jahr 2003, Rückschlag an die zuvor durchbrochene Trendlinie und nach einem nochmaligen Aufsetzer geht es dann nachhaltig aufwärts.

Fazit

In Marktkommentaren konnten Sie in den letzten Wochen häufiger die Aussage lesen oder hören: „Der Markt will ein neues Rekordhoch sehen.“ Ich habe diesen Satz in meinen Anfangsjahren regelmäßig falsch interpretiert.

Meine frühere Erwartungshaltung war: Neues Allzeithoch = neujustierter Aufwärtstrend = neues Kurspotenzial. Heute weiß ich:

Wenn ein Markt einen derart langen Anlauf für ein neues Rekordhoch nimmt, wie jetzt der DAX, dann dient diese unbewusste Einflussnahme ausschließlich den Großinvestoren! Denn die können auf dem neuen Top wunderbar ihre Long-Positionen zu Höchstkursen glattstellen.

Und schwupp haben Sie Ihre Bullenfalle mit Ansage. Das neue Kurspotenzial kommt regelmäßig erst viel später!

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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