DAX stürzt weiter ab! Türkische Lira im Chartcheck nach der Wahl

Der DAX läuft entgegen der WM. Das Last-Minute-Goal beeindruckt ihn nicht. Es geht deutlich bergab. Dagegen war heute viel Action bei der türkischen Lira zu sehen. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Da hat nicht einmal das Tor für Deutschland in letzter Sekunde geholfen: Der DAX markiert heute eine große rote Kerze. Wir befinden uns bereits unter 12.400. Derartige Kurse hatten wir zuletzt Ende April.

DAX: Alle Anzeichen für weiteren Abverkauf?

Im Chart sehen wir deutlich, dass sich die beiden Durchschnittslinien nicht kreuzen. Das wäre ein positives Zeichen gewesen, wenn die blaue 50-Tagelinie die grüne 200-Tagelinie nach oben schneidet. Doch jetzt haben wir noch mehr negative Anzeichen.

Wir befinden uns natürlich unter beiden Durchschnittslinien – aber auch unter der in Schwarz eingezeichneten Aufwärtstrendlinie, die seit Ende März existiert und letzte Woche zwei mal bestätigt wurde!

Was soll uns jetzt noch aufhalten? Die orangefarbene Horizontale vom Tief Ende April vielleicht. Zugegeben, die Hoffnung ist gering. Vielleicht rauschen wir sogar durch bis 12.000 Punkte. Spätestens dort sollte es ein wenig Hindernisse geben.

Immerhin wiegelt der Slow Stochastic Indikator schon ab. Laut ihm sind wir bereits im unteren Bereich angekommen und dort könnte sich bald ein Kaufsignal bilden. Doch wann das kommt, wissen wir nicht. Schauen Sie sich den Indikator im Februar an. Damals verliefen dessen Werte lange im roten Bereich.

Wenn es diesmal ähnlich kommt, sollten wir uns sogar die 11.800 noch einmal anschauen können. Aber soweit ist es noch nicht.

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Türkische Lira nach der Erdogan-Wahl

Es war definitiv viel Bewegung heute im Chart. Ein kurzer Rutsch runter auf die hier wichtige 50-Tagelinie und danach ging es steil bergauf. Zu steil, für die Türkei. Denn wir kratzen schon wieder an der 5,50!

Deutlich zu sehen: Vor der Wahl gab es eine Menge Ungewissheit. Die Kurse traten auf der Stellen. Auch hier war bei etwa 5,50 EUR/TRY der Deckel vorerst drauf.

Wer allerdings Erdogan wählt, möchte einen weiteren Verfall der türkischen Lira sehen. Das kann klappen und somit könnten die Kurse durchaus weiterhin steigen.

Es sei denn, es geschieht das, was viele nach der Wahl befürchten: Erdogan wird sich in die Nationalbank einmischen. Das bedeutet, er könnte die Leitzinsen bestimmen und auch selbst entscheiden, wie weit die Lira verwässert wird. Das würde natürlich für einen weiter steigenden EUR/TRY sprechen. Doch das wird kaum sein Plan sein.

Ähnlich wie andere Zentralbanken, könnte die Türkei jetzt auch massiv Geld investieren, um die eigene Währung zu stabilisieren. Das gab es vor Jahren bereits in der Schweiz, als der Franken an den Euro gekoppelt wurde. Eventuell wird hier einfach eine Richtmarke festgelegt: EUR/TRY bei 5,50. Sollten die Kurse darüber steigen, reagiert die einheimische Zentralbank.

Es wird auf jeden Fall spannend sein, wie sich die Lira in den kommenden Wochen und Monaten weiterentwickelt und welche Chancen Erdogan nutzen wird, um seine Macht zu vergrößern.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.