DAX-Turbulenzen: Zurücklehnen und auf die Perspektive schauen

Wenn die Aktienmärkte – wie in den vergangenen 12 Tagen geschehen – in arge Turbulenzen geraten, dann sollten Sie Ihre eigenen Investment-Aktivitäten diametral dazu reduzieren.

Der Grund dafür liegt in den mit den Turbulenzen verbundenen, erhöhten Kursschwankungen.

Meine Erfahrung ist: Je hektischer Sie versuchen, dieses Auf und Ab am Aktienmarkt zu Ihren Gunsten zu nutzen, umso sicherer ist i. d. R. ein Scheitern.

Weniger Börsen-Erfahrene versuchen, in einer Art Panikattacke, entstandene Kursverluste durch spekulatives Trading der Marktschwankungen möglichst schnell wieder auszugleichen

Gehen Sie dieser Psychofalle nicht auf den Leim!

Auch wenn’s schwerfällt: Bemühen Sie sich um Gelassenheit

Statt Hyperaktivität an den Tag zu legen, sollten Sie sich selbst vielmehr Gelassenheit verordnen.

Mir ist bewusst, wie schwer dies fällt, wenn an den Börsen die Panik oder auch die Euphorie um sich greift – bemühen Sie sich dennoch darum, Ruhe zu bewahren!

Überprüfen Sie vielmehr Ihre eigenen Investments darauf hin, ob und inwieweit ein Halten noch Sinn ergibt – falls Sie nicht ohnehin aus Ihren Positionen ausgestoppt wurden.

V. a. jedoch: Verschaffen Sie sich ein Bild von der Perspektive des Aktienmarktes!

Die Charts der Point&Figure-Charttechnik sind dazu besonders gut geeignet, da sie aufgrund ihrer Konstruktion die täglichen Schwankungen ausblenden und sich auf die reinen Kursveränderungen fokussieren.

Schauen wir daher einmal gemeinsam auf den Point&Figure-Chart des DAX in der Standard-Einstellung Chartcraft: Hierbei haben die Kästchen oberhalb der 10.000er-Marke eine Kästchengröße von 200, darunter von 100 Punkten.

Bei Chartcraft sprechen wir auch von der „langsamen“ Einstellung, da hier Kauf- oder Verkaufssignale weniger häufig anfallen, als in der „schnellen“ Bulls-Eye Broker-Einstellung mit einer Kästchengröße von 100 Punkten oberhalb der 10.000er-Marke, darunter von 50 Punkten.

DAX seit dem 20. August in einem intakten Verkaufssignal

dax 30 point&figure-chart-31-08-2015

DAX 30 Point&Figure-Chart: Unter 9.800 Punkten wird es ernst!

Die rote Linie macht deutlich: Mit dem Rutsch unter 10.600 Punkte wurde ein Verkaufssignal ausgebildet – die vorhergehende O-Säule (zeigt fallende Notierungen) wurde unterboten.

Das ist umso bedeutsamer, als bei 10.800 eine 3-fache Unterstützung lag.

Ganz nebenbei sehen Sie, dass der DAX 30 mit dem Sprung auf 11.800 kurz zuvor noch ein Kaufsignal (die vorhergehende X-Säule wurde überboten) generiert hatte, das sich inzwischen als Bullenfalle erwiesen hat.

Aus der Breite der zuvor ausgebildeten Chartformation lässt sich ein sogenanntes „horizontales Kursziel“ des Verkaufssignals ableiten, welches einen DAX-Stand von 7.400 Punkten erwarten lässt.

Ebenfalls im Chart gut zu erkennen: Die Abwärtsbewegung endete exakt auf der langfristigen Aufwärtstrend-Linie. Diese wird in der Point&Figure-Charttechnik als Bullish-Support-Line (bullishe Unterstützungs-Linie) bezeichnet.

Kursziel 7.400 wird unter 9.800 „aktiviert“

Mit der seit Dienstag vergangener Woche gesehenen Erholung wurde das genannte Kursziel „bestätigt“.

Interessant an dieser Stelle: Die Aufwärtsbewegung endete knapp über dem Widerstand bei 10.000 Zählern (grüne Linie), der den DAX von Juni 2014 bis Januar 2015 am Fortkommen hinderte.

Eine neue O-Säule würde das Kursziel von 7.400 „aktivieren“. Um in der aktuellen Konstellation eine neue X- oder O-Säule entstehen zu lassen, ist eine 3-Kästchen-Umkehr in die entgegengesetzte Kursrichtung vonnöten:

Eine neue O-Spalte entstünde mithin bei Unterschreitung der Marke 9.800 Punkte (pinkfarbener Pfeil). Achten Sie daher in den kommenden Tagen darauf, ob der DAX dieses Niveau unterbietet.

In der „reinen Point&Figure-Lehre“ werden abwärts gerichtete Kursziele übrigens mit einer 2-Kästchen-Umkehr berechnet. Danach liegt das Kursziel aus dem Verkaufssignal vom 20. August sogar bei 7.000 Punkten.

31. August 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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