Dax-Umbau perfekt: Delivery Hero folgt auf Wirecard

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Wirecard fliegt aus dem Dax, Delivery Hero folgt nach – nicht alle sind glücklich mit der Wahl. Wirecard hinterlässt Spuren. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Stühlerücken in Frankfurt: Bereits in der kommenden Woche – und damit rund einen Monat früher als geplant – wird der skandalumwobene und mittlerweile insolvente Zahlungsdienstleister Wirecard die erste Börsenliga verlassen.

Nun steht auch der Nachfolger fest: Wenig überraschend wird der Essenslieferdienst Delivery Hero in den Dax aufsteigen. Im Gegensatz zu Wirecard, wo selbst die Unternehmensverantwortlichen scheinbar nicht so recht wussten, wie ihr komplexes Geschäftsmodell eigentlich funktioniert, ist das Konzept bei Delivery Hero denkbar einfach.

Delivery Hero und sein Geschäftsmodell

Kunden können Essen bei Restaurants bestellen, und zwar auch bei solchen, die von Haus aus keinen eigenen Lieferdienst anbieten. Delivery Hero dient als Vermittler zwischen Kunde, Lieferant und Restaurant und kassiert hierfür eine Provision von den Gaststätten.

Für viele kleine Take-Away-Pizzadienste, die zuvor bereits eigene Lieferungen im Programm hatten, lohnt sich das nur mäßig. Sie profitieren allenfalls davon, häufiger gefunden und somit öfter frequentiert zu werden, wenn sie auf den entsprechenden Seiten auftauchen.

Delivery Hero, ein Unternehmen mit Sitz in Berlin, ist allerdings selbst gar nicht mehr in Deutschland aktiv. Das Deutschlandgeschäft, zu dem beispielsweise Webseiten wie pizza.de zählten, wurde verkauft und inzwischen bei Lieferando eingegliedert. Delivery Hero ist jedoch international weiterhin in gut 40 Ländern präsent, insbesondere im Nahen Osten sowie im asiatischen Raum, und auch weiterhin auf Expansionskurs.

Anleger in Sorge: Umsatz stimmt – Gewinn aber nicht

Aus Anlegersicht ein Wermutstropfen sind allerdings die Wachstumsschmerzen: Zwar erzielt Delivery Hero deutliche Umsatzzuwächse, doch Gewinn macht das Unternehmen damit bislang nicht. Die Expansion ist teuer. Vielleicht bringt der Aufstieg in den Dax nun das nötige Zusatzkapital, um die Bilanzen in den grünen Bereich zu rücken.

Kritiker bemängeln, dass Unternehmen, die keinen Gewinn erwirtschaften, womöglich besser nicht in den Dax aufgenommen werden sollten. Je nachdem, wie sich die Aktie von Delivery Hero entwickelt, könnte hier künftig neuer Diskussionsstoff entstehen.

Wirecard sorgt für nachhaltige Umwälzungen

Bereits der Präzedenzfall Wirecard hat dazu geführt, dass die Deutsche Börse ihre Regeln überarbeitet hat. Künftig sollen insolvente Unternehmen nicht mehr monatelang mitgeschleift, sondern innerhalb von zwei Handelstagen aus dem Index entfernt werden – das gilt im Übrigen nicht nur für die Top-Liga der Dax-30, sondern für die gesamte Dax-Familie, also auch für MDax, SDax und TecDax.

Der Fall Wirecard hat insgesamt das Potenzial, sowohl am Börsen- wie auch am Finanzplatz Deutschland einige Umbrüche in Gang zu setzen oder bereits laufende Entwicklungen zu beschleunigen. Dass ein Dax-Konzern pleitegeht, und das nicht einmal zwei Jahre nach seinem Aufstieg in den Leitindex, ist ein Novum in der deutschen Börsengeschichte.

Dass es ausgerechnet ein Digitalunternehmen mit zukunftsgerichtetem Geschäftsmodell traf, ist für Deutschland umso bitterer: Von Ambitionen in Richtung Innovationsstandort ist man damit wieder ein Stück weiter entfernt, der wirtschaftliche Erfolg basiert nach wie vor auf der klassischen Industrie – einem im 21. Jahrhundert potenziell absterbenden Wirtschaftszweig.

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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